26.05.2016, 14:00 Uhr

26. Mai 2016: Blaue Verschwörungstheorien und die fünf Phasen der Trennung

Agnes Preusser, stv. Chefredakteurin der bz - Wiener Bezirkszeitung. (Foto: Edler)
Es hätte eine neue Ära werden können. Nach HeiFi, dem Opa der Nation, hätte der perfekte Schwiegersohn an die Spitze des Staates aufrücken können. Aber es hat nicht sollen sein und 49,7 Prozent der Wähler bleiben mit gebrochenem Herzen zurück. (Vielleicht auch ein paar Nicht-Wähler, aber die sind leider ein bisschen selber Schuld). Und diese 49,7 Prozent machen derzeit in Rekordzeit die 5 Phasen der Trennung durch.

1. Erste Vorahnungen
Gerade ist man noch händchenhaltend über die Wiese gehopst, doch plötzlich fühlt es sich komisch an. So muss es auch den FPÖlern am Wahlsonntag gegangen sein. Gerade hat man noch fröhlich mit rot-weiß-roten Schildern in der Hand „Österreich, Österreich“ in der Gemeinschaft geschrien, doch plötzlich sieht man wie die Mitschreier aus der Wäsche schauen. „Das wird schon wieder“, hat man sich wohl gedacht. Ist es aber nicht.

2. Erstarrung
Dann war es Montag. Herbert Kickl konnte einem leid tun. Wirklich. Nicht nur, dass Norbert Hofer das endgültige Aus über Facebook verkündet hatte, Kickl wurde auch noch von einem ORF-Moderator davon in Kenntnis gesetzt. Schluss machen in aller Öffentlichkeit. Da ist nicht einmal dem sonst so wortgewandten FPÖ-Mastermind Kickl ein flotter Spruch eingefallen. Nur ein bisschen Gerede über Wahlbetrug. Grüne Diebe statt Facebook-Liebe.

3. Aktivismus
Es gibt nur ein Ziel: Den Wahlsieg von Norbert Hofer zurückzugewinnen. Zum Beispiel mit einer wasserdichten Verschwörungstheorie: Ein magischer Bleistift ließ die Kreuzerl auf den Wahlzetteln bei Norbert Hofer verschwinden. (Wieso gab es diese Stifte eigentlich nie als Gimmick beim Yps-Heft?). Der Bleistift hat allerdings früh seine Zauberkraft verloren. Er hat nur so circa 31.026 Stimmen verschwinden lassen. (Vielleicht deswegen immer nur Urzeitkrebse). Die Bleistift-Theorie ist natürlich – wenn es nicht überhaupt ein Fake ist – ein Einzelfall und nicht repräsentativ. Kein Einzelfall sind aber die 20.000 Unterschriften bei der Petition „Ich erkenne Alexander Van der Bellen nicht als meinen Bundespräsidenten an.“ Da hat jemand Demokratie so richtig verstanden. Aber gut, die Menschen sind traurig. Da macht man schon mal irrationale Sachen.

4. Wut
Eine schwierige Phase. Heinz-Christian Strache musste auf seiner Fanpage einschreiten, weil dort zu Gewalt gegen Van der Bellen aufgerufen wurde. Und die Gewaltandrohungen der Gegenseite natürlich auch nicht lange auf sich warten ließen. Er forderte zu Besonnenheit und Mäßigung auf. Ja, Heinz-Christian Strache forderte zu Besonnenheit und Mäßigung auf. Detail am Rande: Wer Hinweise über Wahlunregelmäßigkeiten hat, kann diese an reinhard.teufel@fpoe.at übermitteln. Der arme Kerl.

5. Akzeptanz

Diese Phase liegt hoffentlich vor uns. Van der Bellen ist demokratisch gewählt. Punkt. Es hilft nicht, wenn er bereits im Voraus angefeindet wird. Trotzdem: 49,7 Prozent dürfen jetzt noch ein bisschen traurig sein. Und die anderen 50,3 Prozent sollten sich ein bisschen zurück nehmen. Denn wenn man ein gebrochenes Herz hat, will niemand die frisch Verliebten süffisant grinsend durch die sozialen Netzwerke geistern sehen.

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