26.07.2016, 14:57 Uhr

Gehäufte Wasserrohrbrüche: Wien unter Wasser

Josefstadt am 11. Juli: In der Auerspergstraße wurde bei Probebohrungen für die U2-Verlängerung die Hauptwasserleitung der Josefstadt beschädigt. (Foto: Grünwald)

In den vergangenen drei Wochen gab es in Wien vier Vorfälle mit der Wiener Wasserleitung. Laut Wolfgang Zerobin von der zuständigen Magistratsabteilung nur ein unglücklicher Zufall: "Die Leitungen sind gut gewartet."

WIEN. Wird Wien Venedig? Diese Frage drängt sich nach den gehäuften Wasserrohrgebrechen der vergangenen drei Wochen auf.

Zur Erinnerung die Chronologie:

Am 6. Juli sorgte ein Wasserrohrbruch auf der Brünner Straße, 21. Bezirk, für Verkehrschaos.

Am 11. Juli wurde nach einem Wassergebrechen die Auerspergstraße im 8. Bezirk gesperrt werden. Allerdings wurde das Wasserrohr durch Probebohrungen für die U2-Verlängerung beschädigt.

Am 19. Juli legte ein Wasserrohrbruch bei der Kreuzung Mariahilfer Straße/Gerstnergasse, 15. Bezirk, den Verkehr rund um den Westbahnhof lahm. Auch die Straßenbahnlinien 52 und 58 wurden unterbrochen.

In den frühen Morgenstunden des 26. Juli gab es auf der Währinger Straße Höhe Sensengasse im 9. Bezirk stadteinwärts kein Weiterkommen. Grund war ein Wasserrohrbruch.

Diese gesteigerte Anzahl der Gebrechen wirft die Frage auf, wie marode die Rohre von Wiener Wasser denn nun tatsächlich sind. "Unsere Rohre sind zwischen 100 Jahre und einem Tag alt - je nachdem, wann die Leitung gebaut wurde. Im Durchschnitt sind die Rohre 37 Jahre alt - das ist nicht viel", gibt Wolfgang Zerobin von der MA 31/Wiener Wasser Entwarnung. "Dass es jetzt zu einer Häufung der Gebrechen kommt, ist einfach ein unglücklicher Zufall."

Ablauf eines Noteinsatzes

Generell gibt es zwei kritische Phasen für die Polyethylen-Rohre: Nach dem Frost und im Sommer, wenn es über einen längeren Zeitraum warm ist. In diesen Phasen finden leichte Bodenbewegungen statt, die zu einem Gebrechen führen können. "Wenn ein Gebrechen gemeldet wurde, wird unsere Mannschaft losgeschickt", erklärt Zerobin den Ablauf eines Einsatzes. "In etwa einer halben Stunde sind die Kollegen vor Ort und suchen durch das Absperren der unterschiedlichen Schieber die schadhafte Stelle heraus." Ist diese gefunden, wird der ganze betroffene Abschnitt gesperrt und herausgefunden, welche Dimension der Schaden hat und wie diese Leitung vernetzt ist.

Schwieriger gestaltet sich die Suche nach dem Loch, wenn sich die undichte Stelle statt auf einer Straße im Untergrund befindet. "Dan müssen unsere Profis mit ihren elektronischen Geräten ausrücken. Sie können mittels Schallmessungen den Schaden punktgenau aufspüren", so Zerobin, der das 3.000 Kilometer lange Wiener Wassernetz gut gewartet weiß. "Die Sanierung der Rohre ist ein laufender Prozeß. Wir speichern unsere Infos wie Untergrund, Material, Zeit und Schäden in einem Netzinformationssystem. Wenn gerade von der MA 28/Straßenbau oder den Wiener Netzen oder Wien Kanal aufgegraben wird, überprüfen wir gleich den Zustand der dort vorhandenen Wasserrohre und erneuern gegebenenfalls gleich. Natürlich ist der wirtschaftlich optimale Zeitpunkt, wenn wir Rohre möglichst zum technischen Lebensende erwischen."

Die MA 31/Wiener Wasser ist übrigens nur für die Leitungen zum Wasserzähler zuständig, für die Hausinnenleitungen trägt der Hauseigentümer die Verantwortung.

Hintergrund

Bericht: Wasserrohrbruch beim Westbahnhof
Auerspergstraße: Nach Rohrbruch ist noch eine Fahrspur gesperrt
Brünner Straße: Wasserrohrbruch sorgt für Verzögerungen
Währinger Straße: Wasserrohrbruch legt Verkehr lahm
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.