07.03.2016, 17:04 Uhr

Öffi-Kollaps? "Die Stadt muss verbunden bleiben"

Der U-Bahn-Ausbau schreitet voran. Aber gelingt er auch schnell genug? (Im Bild: Ein Vorgeschmack auf die U5, die noch in Planung ist.) (Foto: Wiener Linien)

Der Trendforscher David Mock im Gespräch über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs, die Gefahren von Giga-Cities und die Bedeutung von Leihfahrrädern.T

Vor Kurzem kürte die internationale Mercer-Studie Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt – nicht zuletzt dank des Öffi-Netzes. Wenig später prophezeit der Wiener Verkehrsexperte Sebastian Kummer den Kollaps. Wie geht das zusammen? Die bz hat mit dem Stadtanalysten David Mock über die Herausforderungen des Verkehrs der Zukunft gesprochen.


Ist das Öffi-Netz nicht tragfähig genug, um die wachsende Stadt zu versorgen?
DAVID MOCK: Doch. Wien ist gut aufgestellt. Vor allem mit den anstehenden Infrastrukturausbauten wie etwa der U5. Die Voraussetzungen sind gut, dass es gelingt, die Stadt verbunden zu halten. Und wem das gelingt, der wird im Wettbewerb der Städte gewinnen.

Die Stadt verbunden zu halten – warum ist das wichtig?

International gibt es zwei Modelle: die Mega-Cities etwa in Asien, die oft am Reißbrett geplant werden und in denen es keinen gewachsenen Kern und keine emotionale Verbundenheit mehr gibt. Und das europäische Gegenmodell von Städten, die auf Qualität setzen. Sogenannte „Great Cities“. Sie wollen Wohnraum, Arbeitsraum und Wirtschaftsstandort zugleich sein. Dafür muss man die Stadt verbunden halten.

Welche Rolle spielt der öffentliche Verkehr dabei?
Je besser das Verkehrsnetz, desto dichter kann man eine Stadt besiedeln. Nur so kann man die flächenmäßige Ausdehnung – also quasi ein Auseinanderrinnen der Stadt – minimieren. Eine dichte Besiedelung ist an sich ein Qualitätsmerkmal für eine Stadt.

In der Stadt der Zukunft wird der Individualverkehr demnach wenig Platz haben.
Man wird den Individualverkehr besser koordinieren und auf Alternativen zum Auto setzen müssen. Autofahren ist ja jetzt schon oft schwierig. Ich halte etwa Leihfahrradsysteme für einen klugen Ansatz, den man ausbauen sollte. Oder auch Car-Sharing. Die Stärkung der Öffis ist der Schlüssel, aber es braucht Ergänzungen.
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