04.04.2016, 18:30 Uhr

Richard Lugner: Im Herbst muss der Hase sterben

In seiner Kindheit bekam Richard Lugner Hasen geschenkt – die anschließend geschlachtet wurden. (Foto: privat)

Von männlichen Vorbildern, Briefen aus dem Krieg und Rockefeller. Richard Lugner – eine Spurensuche.

WIEN. „Der Lugner ist einer, der viel aushält.“ Das sagt Richard Lugner nicht nur über sich selbst. Das meint auch seine Ex-Frau Christina Lugner. Das zeigt aber auch seine Biografie. Aufgewachsen ist Lugner großteils ohne Vater: „Im Jahr 1942 habe ich ihn das letzte Mal in Wien gesehen. Da war ich zehn.“

Der Vater, ursprünglich Rechtswanwalt und anschließend als Oberstlieutnant im Zweiten Weltkrieg in Russland, schickte daraufhin Briefe von der Front. „Jede Woche hat er geschrieben. Bis 1943.“ Seither gilt er als verschollen, seine Leiche wurde nie gefunden. „Meine Mutter hat die Briefe meines Vaters alle in eine Lade gelegt. Gelesen habe ich sie erst elf Jahren nach ihrem Tod, das war vor einem halben Jahr“, so Lugner, der mit Mutter, Tante und Bruder Roland im zweiten Bezirk aufgewachsen ist.

Familie nur am Sonntag

Missen wolle er die Zeit zwar nicht, leicht war es aber nicht immer gewesen. Im Sommer bekam Richard Lugner immer einen Hasen zum Spielen – der dann im Herbst geschlachtet wurde. „So war das damals halt.“ Der Lugner ist halt einer, der viel aushält.

Dennoch: Der Vater habe ihm immer gefehlt. „Man braucht einfach ein männliches Vorbild.“ Das seien ihm zwar später seine zwei Chefs gewesen, „ein Ersatz war das aber nicht.“ Selbst Chef wurde Lugner 1962, als er seine eigene Baufirma gründete. Unterstützt von seiner damaligen Frau und Jugendliebe Christine Gmeiner, mit 300.000 Schilling. Seine Vorbilder: „Ikonen wie Krupp oder Rockefeller, alles tüchtige Unternehmer.“ In die Medien – so wie auch seine prominenten Vorbilder – schaffte es Lugner erstmals 1979 mit dem Bau der Wiener Moschee im 21. Bezirk. Als Dagmar Koller 1990 sein Meisterstück – die Lugner City – eröffnete, war Lugner bereits fest in der Wiener Society verankert. Folgen sollten Reality Shows, 25 Opernball-Auftritte mit 32 Promi-Gästen, zwei Töchter, zwei Söhne und fünf Ehefrauen. (Der Lugner ist einer, der viel aushält.)

Die bekannteste Ehefrau – Nummer vier – Christina Lugner, unterstützte ihn 1998 auch beim ersten Antritt als Bundespräsident. „Wir tingelten ein Jahr durch Österreich, haben jeden Hauptplatz gesehen. Für Richard war der Wahlkampf wirklich ein Kampf. Aber er ist voll aufgegangen in seiner Rolle.“ Das Leben auf Tour war vor allem eine Probe für die junge Familie, Tochter Jacqueline war gerade vier Jahre alt: „Zu Hause waren wir nur am Sonntag. Es war ein Jahr der Entbehrungen.“ Gereicht hat es schließlich für 9,9 Prozent. Wieso sich Richard Lugner das alles jetzt noch einmal antut? Die Antwort fällt leicht: Der Lugner ist einer, der viel aushält.

Zur Person

Richard Lugner (83) maturierte 1953 an der HTL Schellinggasse und erhielt 1962 die Baumeisterkonzession. Lugner wurde bereits zum „Ritter Mörtel“ geschlagen und erhielt das silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien.

Hintergrund:

Der Wahlkampf-Auftakt für Richard Lugner fand in der Lugner City statt. Zur Reportage geht´s hier.

Neben Richard Lugner gibt es einen weiteren waschechten Wiener unter den Bundespräsidentenanwärtern. Lesen Sie auch die Spurensuche Rudolf Hundstorfer: Sogar am Fußballplatz noch höflich

Unsere RMA-Kollegen aus den anderen Bundesländern haben auch die anderen Kandidaten porträtiert. Diese finden Sie hier.
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