23.03.2016, 13:34 Uhr

Fast zwei Drittel der österreichischen Lebensmittelabfälle sind vermeidbar

Vor allem Obst und Gemüse werden in den österreichischen Haushalten oft weggeworfen. (Foto: Pixabay)

Neue Studie von WWF und Mutter Erde: 760.000 Tonnen Lebensmittel werden jährlich weggeworfen • Wie Abfälle im Haushalt vermieden werden können

WIEN. Zu alarmierenden Ergebnissen kommt eine neue Studie von WWF und dem Umwelt-Dachverband Mutter Erde: Etwa 760.000 Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr in Österreich weggeworfen - und in diese Zahlen sind die Abfälle in Landwirtschaft und Produktion noch gar nicht eingerechnet, weil da keine gesicherten Zahlen vorliegen.

Besonders bedenklich: Etwa 490.000 Tonnen der Abfälle könnten vermieden werden, das sind beinahe zwei Drittel. Der größte Anteil fällt beim Endkonsumenten an, beinahe ebensoviel in der Gastronomie. Der dritte große Brocken sind die unverkaufbaren oder unverkäuflichen Produkte im Handel.

Wien verantwortlich für über ein Viertel des Abfalls

Allein in Wien gibt es dabei etwa 134.000 Tonnen Lebensmittelabfälle im Restmüll, wobei 74.000 Tonnen als vermeidbar angesehen werden. Dazu kommen noch einmal 14.000 Tonnen in der Biotonne, hier gelten 7.700 Tonnen als vermeidbar.



Zu kleines Gemüse, zu viel Brot

Entlang der gesamten Verwertungskette ist ein Großteil des Abfalls vermeidbar: In der Landwirtschaft und Produktion werden Lebensmittel unter anderem ausgeschieden, weil sie optischen Anforderungen nicht entsprechen und zum Beispiel zu klein oder unregelmäßig geformt sind. Im Handel werden Produkte weggeworfen, die das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, auch wenn sie noch genießbar sind. Außerdem gibt es ein Überangebot an schnell verderblichen Lebensmitteln: Allein Brot und Gebäck wurden 35.600 Tonnen vom Handel retouniert und gelten damit als Abfall. Die Überschreitung des Haltbarkeitsdatums ist auch in Privathaushalten oft ein Grund für das Wegwerfen - dort werden auch viele Produkte schlecht, weil zu viel eingekauft wurde. In der Gastronomie wird oft überproduziert oder es werden zu große Portionen ausgegeben.

Friederike Klein von WWF Österreich fordert verbindliche Maßnahmen, damit das gesamteuropäische Ziel - die Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 - erreicht werden kann. Es soll etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum bei lang haltbaren Produkten wie Nudeln oder Kaffee abgeschafft werden. Da die Lebensmittelproduktion einer der größten Treibhausproduzenten Österreichs ist, hätte Abfallvermeidung auf die Umwelt positive Auswirkungen.

Die wichtigsten Tipps, um Zuhause Lebensmittelabfälle zu vermeiden:

• Vor dem Einkaufen einen Überblick über das Vorhandene verschaffen. Zuerst planen, was man essen möchte, dann mit einer Liste einkaufen gehen.
• Das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht beachten, sondern selbst kontrollieren, ob die Produkte noch genießbar sind. Das Mindesthaltbarkeitsdatum kann als eine Art Garantie verstanden werden - und niemand bringt den funktionierenden Fernseher zum Schrottplatz, nur weil die Garantie ausläuft.
• Wichtig: Lebensmittel richtig lagern. Einen Guide zur richtigen Lagerung von Obst und Gemüse hat die Umweltberatung zusammengestellt. Eine Übersicht über die Lagerung verschiedener Produktgruppen gibt es auch vom Umweltministerium.
• Übriggebliebenes nicht Wegwerfen, sondern mit Restln kochen. Eine Hilfe für das Restl-Kochen gibt es hier (vom Umweltministerium), die Umweltberatung hat eine Rezeptdatenbank zusammengestellt, bei der man nach vorhandenen Zutaten suchen kann.
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