08.04.2016, 21:07 Uhr

Wirtschaftsbund-Direktor: "Wir müssen aktionistischer werden"

Wirtschaftsbund-Direktor Christoph Biegelmayer: "Wir müssen schon in der Schule Unternehmergeist einpflanzen." (Foto: WB)

Der neue Wiener Wirtschaftsbund-Direktor Christoph Biegelmayer über zu hohe Gebühren und die Angst vor Neuem.

Ich habe über Sie recherchiert, habe an Inhalten aber nicht viel gefunden. Drehen wir den Spieß um: Wie charakterisiert sich Christoph Biegelmayer selbst?
CHRISTOPH BIEGELMAYER: Ich habe mit 18 Jahren ein Unternehmen gegründet, weil ich eigenes Geld verdienen wollte. Ich bin ein Freund der Eigenverantwortung und der Freiheit.

Interessenvertretungen wie die Wirtschaftskammer stehen mit ihren starren Strukturen aber nicht unbedingt nur für Freiheit und Innovation.
Wenn man nichts verändert, wird man auch das verlieren, was man bewahren möchte. Das gilt für die Wirtschaftskammer genauso wie für den Wirtschaftsbund. Daher müssen wir unsere Strukturen anpassen. Aber, ganz ehrlich: Vor der aktuellen Gewerbeordnung muss sich niemand fürchten.

Aber die Angst vor Neuem ist schon zu spüren. Warum sonst würde die Taxler-Innung den Ring blockieren, um vor der Konkurrenz Uber zu warnen?
Es geht nicht darum, Neues zu verhindern. Aber es geht um einen fairen Wettbewerb. Und Uber nutzt Grauzonen im Gesetz, um einen Wettbewerbsvorteil zu lukrieren. Dagegen sind wir.

Sie werfen der Stadt Wien vor, nicht besonders wirtschaftsfreundlich zu sein.
Mehr als die Hälfte der Unternehmer beklagen sich darüber, dass sie in Wien keine guten Bedingungen vorfinden. 62 Prozent aller Abgaben und Gebühren in dieser Stadt tragen die Unternehmer. Auch die Wertschätzung ist nicht gegeben. Viele Jugendliche haben zudem ein falsches Bild vom Unternehmertum. Da müssen wir schon in der Schule ansetzen, um den Unternehmergeist einzupflanzen.

Was erwarten Sie sich von der Stadtregierung?
Wir kritisieren die U-Bahn-Steuer, die in beschäftigungsintensiven Branchen eine große Belastung ist. Die Werbeabgabe und die Vergnügungssteuer sind zudem vollkommen paradox. Der Verwaltungsaufwand ist so hoch, dass sich die Einhebung kaum lohnt. Da könnte man Unternehmer entlasten. Oder nehmen wir eine andere Zahl: Würden wir die Bürokratie, mit der Firmen konfrontiert sind, um 25 Prozent reduzieren, könnten wir mehr als 11.000 Arbeitsplätze schaffen. Das steht für sich.

Inwiefern haben Sie vor, den Wirtschaftsbund zu verändern?
Wir müssen lauter auftreten – und auch aktionistischer.

Zur Person

Christoph Biegelmayer (25) ist neuer Direktor des ÖVP-Wirtschaftsbundes in Wien. Biegelmayer stammt aus Döbling und war bislang Büroleiter von Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck. Er folgt in seinem neuen Job auf Alexander Biach.
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Herbert Prasch aus Neubau | 10.04.2016 | 12:56   Melden
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