06.09.2016, 14:40 Uhr

Ladis: Ein Hauch russischer Seele

Der „Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff“ und brachte einen Hauch russischer Seele nach Ladis. (Foto: Kulturverein Ladis)

In einem gut besuchten Laudegg-Saal gastierte der „Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff“ und brachte einen Hauch russischer Seele nach Ladis. Die Konzertbesucher waren beeindruckt und feierten den Chor überschwänglich.

LADIS. Die russische Seele ist schon etwas Besonderes. Mal kommt sie melancholisch daher, dann wieder übermütig, mal verspielt, dann wieder ernst. Zahlreiche Kosaken-Chöre bringen die russische Seele musikalisch seit vielen Jahrzehnten auf die Bühnen der ganzen Welt. Mit dem „Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff“ gastierte auf Einladung des Kulturvereins Ladis vergangenen Samstag eine der bekanntesten Formationen dieses Genres im Rechelerhaus.
Mit ihrer Interpretation kirchlicher Lieder und russischer Folklore begeisterten die 11 Sänger die interessierten Zuhörer. Wie sehr die Kosaken mit dem Glauben verbunden sind, bewiesen die dargebrachten Lieder, darunter das gesungene „Credo“, dem die Weise vom Wolgaschlepper folgte. Die Lieder handelten auch von mächtigen Strömen in unermesslichen Weiten, von gesattelten Pferden und der Schwermut bei unerfüllter Liebe. Die Sänger brillierten mit unglaublichen Bässen und phantastischen Tenorlagen. Dabei stellten die überwiegend russischen und ukrainischen Mitwirkenden des „Don-Kosaken-Chors Serge Jaroff“ eindrucksvoll unter Beweis, dass jeder von ihnen auch ein fantastischer Solist ist. Die Zuhörer dankten es ihnen mit überschwänglichem Applaus.
„Bis Mitte November geben wir Konzerte in kleineren Sälen sowie in Kirchen“, erläuterte einer der Mitglieder in der Konzertpause. Ende des Jahres gastiert der Chor dann in den großen Hallen in ganz Europa, dann mit mehr als 20 Sängern und zwei Tänzern. 2018 ist eine große USA-Tournee geplant.


Die Geschichte des Chors

Der „Don-Kosaken-Chor“ wurde 1921 von Serge Jaroff (1896 bis 1985) gegründet und bestand aus im Exil lebenden Donkosaken. Nach der Vertreibung der Donkosaken 1920 durch die Rote Armee gründete Serge Jaroff den Chor 1921 in einem Internierungslager in der Türkei. Ab 1923 hatte der Chor seine ersten Auftritte. In den 30er-Jahren war der Chor in Berlin beheimatet. 1939 wurden die Don Kosaken während einer USA-Tournee vom Beginn des Zweiten Weltkriegs überrascht. Die Sänger blieben in den Staaten und nahmen später die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1979 gaben Jaroffs Don Kosaken in Paris ihr letztes Konzert. 1981 folgte die Auflösung.
Manche der älteren Sänger reisten mehr als vierzig Jahre mit Serge Jaroff durch die Welt – und nun sollte auf einmal alles zu Ende sein? Serge Jaroff wusste zum damaligen Zeitpunkt bereits, dass sein Sohn Alexeij, so traurig dies für ihn war, den Chor nicht weiterführen wollte. Deshalb war es für Serge Jaroff eine klare Sache, dass der jüngste aller Sänger, nämlich Wanja Hlibka, die Aufgabe der Fortführung des Chores in der Tradition von Serge Jaroff übernehmen sollte. Wanja Hlibka waren zwölf Jahre unter der Leitung von Serge Jaroff gegönnt – eine schöne Zeit, von der er sich gewünscht hätte, dass sie nie zu Ende gegangen wäre. Unter dem geschützten Namen „Don-Kosaken Chor Serge Jaroff“ tritt die Formation seit 2001 nun unter seiner Leitung auf. Der mittlerweile 66-Jährige ist deutscher Staatsbürger und lebt – sein Dialekt kann es nicht verleugnen – nördlich von München. Allerdings spricht er auch nahezu fließend russisch.
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