15.03.2016, 08:40 Uhr

Wald: Schutz-, Lebens- und Wirtschaftsraum

Bei der Nutzung des Waldes setzt man auf Nachhaltigkeit. Es wird nur so viel Holz entnommen, wie nachwächst. (Foto: BFI)

Holz ist ein ökologisch nachwachsender Rohstoff, den wir im Bezirk Landeck selber haben.

BEZIRK (otko). Der Schutzwirkung des Waldes kommt im Bezirk Landeck mit seinen steilen Hängen eine besondere Bedeutung zu. Ein großer Teil unseres Siedlungsgebietes, allem voran im Paznaun, Stanzer- und Kaunertal, wäre ohne die schützende Wirkung des Waldes nicht bewohnbar. Rund 80 Prozent des Waldes im Bezirk Landeck sind als Schutzwald eingestuft.
"Ein intakter Schutzwald verhindert das Anbrechen von Lawinen und Muren. Der Wald dämpft mit seiner großen Wasserspeicherfähigkeit bei Starkregen den Hochwasserabfluss und schützt den Boden durch intensive Bewurzelung vor Erosionen. Auch gegen Steinschlag ist der Wald ein guter Schutzgürtel. Wenn der Wald bei extremen Niederschlägen Katastrophenereignisse auch nicht verhindern kann, so schwächt er zumindest die Auswirkungen deutlich ab", berichtet DI Peter Hauser von der Bezirksforstinspektion (BFI) Landeck.

Waldzunahme

Generell ist eine Waldzunahme im Bezirk zu verzeichnen, da viele Wiesen nicht mehr gemäht werden und auch Almen aufgelassen werden. "Wir haben jährlich ca. 100.000 Festmeter Holzzuwachs. Das große Wachstum spielt sich unten ab und nimmt mit der Seehöhe ab", erklärt Hauser. Laut dem Forstgesetz wird für jede Gemeindegutsagrargemeinschaft und für jede Agrargemeinschaft ein Waldwirtschaftsplan erstellt. Mit genauen Stichproben in den Wäldern wird das jährliche Wachstum ermittelt. Der Holzeinschlag betrug 2015 129.600 efm (Erntefestmeter). "In den 1970er Jahren hatten wir noch 90 Prozent Altholz in den Wäldern, was wir jetzt immer noch abbauen. Ein Verhältnis von 40 Prozent Altholz, 30 Prozent mittelaltes Holz und 30 Prozent junges Holz ist ideal", erklärt Hauser.
Vom Gesetz her muss jede Gemeinde einen Waldaufseher anstellen, wobei dieser dienstrechtlich der Gemeinde und fachlich der Bezirksforstinspektion verantwortlich ist. Die Waldaufseher sind auch für die Privatwälder zuständig. In der Forsttagssatzungskommission, die jährlich in den Gemeinden zusammenkommt, werden alle Fällungsbewilligungen unter Beratung des jeweiligen Waldaufsehers bewilligt bzw. unter Auflagen bewilligt. Daneben gibt es während des Jahres laufend Umlaufbeschlüsse.

Problem Wildverbiss

"Generell bestimmt der Boden, was für ein Wald wächst. Es werden auch die Geologie und der Boden untersucht damit wir wissen, welcher Wald dort stehen sollte", erklärt Hauser. Die Wälder werden rund 150 Jahre alt. "Generell ist der Waldzustand gut. In den 1980er Jahren hatten wir noch das Schwefelproblem. Das größte Thema ist im Moment aber das Wild", verweist Hauser. Jährlich werden rund 300.000 bis 350.000 Pflanzen gesetzt, der Rest (rund 70 Prozent) erfolgt durch Naturverjüngung. "Wir bringen aber nur sieben Prozent der Lärchen durch. Auch die Fichte – unsere Hauptbaumart im Bezirk – ist massiv unter Druck", weiß Hauser. Laut dem BFW (Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald. Naturgefahren und Landschaft) ist nur auf einem Viertel aller verjüngungsfähigen Flächen im Wald Jungwald vorhanden. Zwei Drittel dieses Jungwaldes weisen allerdings landeskulturelle Wildschäden auf.
"Durch den Wildverbiss tut sich eine Schere auf und wir bringen die Flächen nicht mehr zu. Wenn der Holzeinschlag und die Verjüngung nicht mehr funktionieren, entsteht ein Sicherheitsproblem, da der Wald ein großer Wasserspeicher ist", warnt Hauser.

Holz sorgt für Wertschöpfung

Holz ist auch ein wichtiger Faktor für die regionale Wertschöpfung. "100 Festmeter Holz sichern bis zum fertigen Produkt einen Arbeitsplatz", erklärt Hauser. Das reicht hin bis zu Möbeln, Kinderspielzeug, Pullover (Zellulose) oder Werkzeugen. "Je mehr Holz wir in der eigenen Region veredeln, desto mehr Arbeitsplätze gibt es bei uns", so Hauser.
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