28.06.2016, 09:10 Uhr

Brexit: "Die Briten lieben St. Anton"

Brexit: Nicht nur über Westminster brauen sich dunkle Wolken zusammen – auch der Tourismus im Bezirk könnte darunter leiden.

Gerade auf den florierenden Tourismus im Bezirk Landeck dürfte der "Brexit" auch Auswirkungen haben.

BEZIRK (otko). Es ist entschieden: Die Briten haben mit knapper Mehrheit für den Ausstieg aus der Europäischen Union votiert. Der so genannte "Brexit" war am Wochenende auch Thema bei Wirtschaftstreibenden, Touristikern und an den Stammtischen.
WK-Bezirksobmann Anton Prantauer gibt dazu folgendes Statement ab: "Grundsätzlich kann ich die Auswirkungen für den Bezirk Landeck nicht abschätzen, aber die Zeichen stehen für den Export und den Tourismus nicht sehr gut. Wenn man den Fachleuten zuhört, sind die auch unterschiedlicher Auffassung, darum ist eine Meinungsbildung für mich sehr schwierig." Besonders im Tourismus und der Gastronomie würden aber viele unter dem Regulierungswahn leiden.
"Die Regulierungswut der Europäischen Union führt auch bei uns zu vielen EU-Gegnern besonders im Tourismus. Man denke nur an die Allergenverordnung, das Energieeffiziensgesetz, die Pauschalreiserichtlinie, die Ruhezeitenregelungen uvm. Daher verstehe ich als großer Befürworter der EU aber auch die Gegner. Der Brexit ist ein deutlicher Fingerzeig", betont Prantauer.

Ungewisse Folgen

In den Tourismushochburgen sorgte der Ausgang des Referendums für Staunen und eine gewisse Unruhe. "St. Anton am Arlberg ist der Ort mit einem der größten Prozentsätze von Urlaubern aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland. Die Briten lieben St. Anton", weiß TVB-Direktor Martin Ebster. Historisch bedingt ist der Arlberg seit Jahrzehnten eine Briten-Hochburg – rund 20 Prozent der Gäste stammen von dort.
"Ich bin über den Ausgang persönlich extrem erstaunt, da niemand damit gerechnet hat. Jetzt brennt natürlich der Hut. Die Briten, die bei uns auf Urlaub sind, sind komplett von der Rolle", berichtet Ebster über zahlreiche Gespräche. Die Frage nach den ökonomischen Auswirkungen und den Währungsschwankungen könne im Moment aber nicht abgeschätzt werden.
Für den Tourismus-Direktor gibt es aber zwei Szenarien: "Die einen lassen sich trotzdem den Urlaub nicht vermiesen und kommen weiterhin. Die anderen werden vielleicht nicht mehr so häufig kommen und sparen." Für die Briten wird es nach einer wahrscheinlichen Abwertung des Pfunds im Ausland teurer. "Wir werden es in den Gremien sicher eingehend diskutieren. Wir waren immer präsent am britischen Markt und werden sehen, ob wir noch mehr machen müssen", verweist Ebster.


Turbulenter Tag

Andreas Steibl, Geschäftsführer des TVB Paznaun-Ischgl, hofft, dass es nicht einen ähnlichen Rückgang wie bei den russischen Gästen gibt. "Es wird für uns ein Thema werden, wobei wir jetzt einmal abwarten und dann entsprechend reagieren werden."
Auch bei der Generalversammlung der Raiba Paznaun am Freitag wurde der Brexit angesprochen: "Heute war ein turbulenter Tag und wir werden aufgrund der sich veränderten Währungssituation den Brexit im Tourismusbereich sicher zu spüren bekommen", analysierte der Geschäftsleiter Paul Pfeifer.
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