20.05.2016, 10:40 Uhr

Schnellere Integration in ländlicher Struktur

NRin Liesi Pfurtscheller, Yousef Al Sawas, Mohamad Al Sawas, GRin Hildegard Fritz und Bgm. Siggi Geiger im Flüchtlingsheim am Tramsweg in Zams. (Foto: Seeberger)

NRin Liesi Pfurtscheler besuchte das Flüchtlingsheim am Tramsweg in Zams

ZAMS. Kürzlich besuchte NRin Liesi Pfurtscheller gemeinsam mit Bgm. Siggi Geiger und GRin Hildegard Fritz das Flüchtlingsheim am Tramsweg in Zams. Dort befinden sich derzeit 18 Personen, unter anderem auch Yousef (14 Jahre), der einzige „unbegleitete minderjährige Flüchtling“ (ohne Begleitung durch Eltern oder Elternteil), der im Bezirk Landeck untergebracht ist. Yousef kommt aus Syrien und ist mit seinen zwei älteren Brüdern über den Seeweg nach Europa geflüchtet: „Ich hatte sehr große Angst auf dem Boot“, erzählt er. „Seit einem Jahr sind die drei Brüder nun in Zams und man merkt, dass sich Yousef zusehends von den Strapazen der Flucht erholt hat“, freut sich die Menschenrechtssprecherin Pfurtscheller.

Flucht vor Krieg

Yousef ist ein fröhlicher und aufgeweckter Jugendlicher. Er geht gerne in die vierte Klasse der Neuen Mittelschule Zams-Schönwies und spricht schon sehr gut Deutsch. Wenn man sich mit ihm unterhält, erinnert wenig an die furchtbare Zeit, die er im Krieg in Syrien und während der Flucht erlebt hat. Nur ein kleiner Schatten huscht über sein Gesicht, als er erzählt, dass sein Vater in Syrien gestorben ist und dass seine Mutter in Syrien darauf wartet, dass sie nach Österreich nachkommen darf. Wenn Yousef als minderjähriger Flüchtling den Asylstatus zugesprochen bekommt, ist es ihm erlaubt, seine Mutter nachzuholen. Darauf hoffen die drei Brüder natürlich sehr.

Integration am Land

„Es ist sehr auffällig, wie schnell und gut die Integration von Flüchtlingen in kleinen Gemeinden am Land funktioniert“, freut sich NRin Liesi Pfurtscheller. „Diese Menschen, die in kleinen Gruppen in den Gemeinden aufgenommen werden, werden von der Bevölkerung sehr schnell akzeptiert und integriert. Ein großes Dankeschön möchte ich hier an die vielen freiwilligen und sehr engagierten Helfer in Zams, aber auch im ganzen Bezirk Landeck richten“, so Pfurtscheller. „Anders ist das in größeren Städten wie Innsbruck und Wien – erstens gibt es dort viel mehr Asylwerber, wodurch die Gefahr von Ghettobildungen besteht, und zweitens ist man in einer großen Stadt schon als Einheimischer viel anonymer. Man kennt sich dort nicht untereinander, was eine Integration von Flüchtlingen viel schwerer macht.“
Deshalb kann Pfurtscheller der derzeit diskutierten Residenzpflicht für Flüchtlinge einiges abgewinnen: „Flüchtlinge müssten bei Einführung der Residenzpflicht in der Region bleiben, welcher sie zugewiesen worden sind. Was einerseits für die Flüchtlinge selber eine große Chance wäre – hauptsächlich in Bezug auf Integration, Akzeptanz und Arbeitsplätze, vor allem in tourismusintensiven Regionen wie im Tiroler Oberland, andererseits aber auch für den ländlichen Raum eine Chance wäre, um beispielsweise langfristig wichtige Infrastruktur aufrecht zu erhalten, aber auch um den Arbeitsmarkt zu beleben“, ist Pfurtscheller überzeugt. „Die eventuelle Einführung der Residenzpflicht muss allerdings noch ausdiskutiert und die menschenrechtlichen Aspekte berücksichtigt werden.“
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