04.06.2016, 09:10 Uhr

Nauders & Extremradler Pierre Bischoff: Die beste Allianz fürs Race across America

"RAAM“ (v.l.): Karl Folie von den Nauderer Bergbahnen, Extremradler und RAAM-Starter Pierre Bischoff, Michael Stecher von Nauders Tourismus. Bildnachweis: Nauders Tourismus (Foto: Nauders Tourismus)

Für Extrem-Radsportler Pierre Bischoff aus Nauders fällt am 14. Juni 2016 in den USA der Startschuss für die größte Herausforderung seines bisherigen sportlichen Lebens: Mit seinem Team tritt er beim härtesten Ultraradrennen der Welt – dem Race across America (RAAM) in die Vollen. Nauders Tourismus und die Nauderer Bergbahnen sponsern das sportliche Aushängeschild seit Jahren – so auch beim RAAM.

NAUDERS. Das legendäre Race across America ist der wohl härteste Ausdauerwettkampf am Erdball. Es geht schlicht darum, die USA von der westlichen zur östlichen Küste – vom Pazifik zum Atlantik – in kürzester Zeit zu durchqueren. Vom Start in Oceanside, California bis zum Ziel in Annapolis, Maryland legen die Teilnehmer unglaubliche 4.800 km zurück, gespickt mit knackigen 30.000 Höhenmetern. Das Rennen wird nonstop gefahren, das heißt man sitzt auch in der Nacht am Sattel. Ein Begleitfahrzeug muss während des gesamten Rennens hinter dem Athleten fahren, ihn absichern und vor allem verpflegen. An den Start gehen darf nur, wer sich zuvor bei einem der 20 Qualifikationsrennen qualifiziert hat.


Ultimative Qual für Körper und Geist

Das Nauderer Rad-Ass Pierre Bischoff hat die „Quali“ geschafft. Er bereitet sich auf seinen „Lebenstraum“, wie er selbst sagt, gerade zwölf Wochen lang als Bike-Guide auf Mallorca konditionell vor. Was ihm beim RAAM abverlangt werden wird, erahnt er: „Es gibt keine sportliche Herausforderung, bei der Körper und Geist mehr gefordert sind. Um das Ziel in den erlaubten zwölf Tagen zu erreichen, müssen die Teilnehmer über 400 Kilometer täglich im Alleingang zurücklegen. Dies entspricht in etwa drei Tour de France-Etappen pro Tag!“ Drei Pässe über 3.000 Meter Höhe, Hitze, eiskalte Nächte in den Rocky Mountains, heftige Gewitter, endlose Geraden und Gegenwind – es wundert kaum, dass es weniger Finisher des RAAM gibt als Leute, die auf dem Mount Everest waren. Viele der Teilnehmer schlafen nur 8 bis 10 Stunden im gesamten Rennverlauf. Sekundenschlaf und paranoide Anfälle werden zur Regel und Geduldprobe fürs gesamte Team, nur etwa die Hälfte der Teilnehmer erreicht das Ziel. Deshalb sieht Pierre Bischoff seine Teilnahme vor allem als mentale Übung: „In erster Linie möchte ich die Ziellinie in Annapolis gesund überqueren. Aufgrund meiner bisherigen Leistungen im Langdistanzbereich weiß ich, dass ein Finish in neun Tagen möglich ist. Ich werde alles versuchen.“ Das wäre gleichzeitig neuer deutscher Rekord beim RAAM. Was insofern relevant ist, als Bischoff ursprünglich aus dem nördlichen Nachbarland stammt, mittlerweile aber in Nauders lebt.


Übung macht den Meister

Pierre Bischoffs Portfolio unterstreicht, dass er zu den erweiterten Favoriten für dieses Rennens gehört: Zwei Top 5-Platzierungen beim Race around Austria, mehrere Top Ten-Platzierungen beim Race across the Alps sowie weitere Top Ten-Ergebnisse bei unterschiedlichen Ultraradrennen in Europa. Seit 2009 hat sich Pierre Bischoff auf dieses Rennformat spezialisiert. Seine simple Begründung: „Ich bin der Überzeugung, dass diese Art von Sport nur dopingfrei funktionieren kann. Denn mentale Stärke kann man nicht durch Medikamente erreichen.“ Was für die Ideale des 31-Jährigen spricht: „Durchhaltevermögen, Lösungen finden, gemeinsame Erlebnisse und die Freude am Radfahren.“ Nur so lässt es sich wohl erklären, warum man ihn im Dorfleben in Nauders stets mit einem Lächeln erlebt. „Ich freue mich, mit Freunden aus Nauders und weiteren Gönnern aus dem Dorf beim RAAM an den Start zu gehen.“, streut er seiner Wahlheimat Rosen. Sein Team besteht zum Großteil aus Familie.

Sponsoring ist Ehrensache

Für Nauders Tourismus und die Nauderer Bergbahnen sind seine Erfolge und seine Strahlkraft sowohl zu Hause wie in aller Welt Auftrag, Bischoff bereits seit Jahren bestmöglich zu unterstützen. TVB-Geschäftsführer Manuel Baldauf ist stolz und weiß um den enormen Werbewert dieses Sponsorings: „Pierre fährt schon seit Jahren im Nauders-Trikot. Er wird Nauders im gesamten Rennverlauf speziell in den sozialen Medien in Szene setzen und allen, die das Rennen mitverfolgen, den Namen unserer Urlaubsdestination näher bringen.“ Manfred Wolf, Geschäftsführer der Bergbahnen Nauders, unterstreicht: „Auch wir sind davon überzeugt, dass Pierre ein großes Aushängeschild für die Raddestination Nauders ist. Die Bergbahnen Nauders unterstützen ihn bei seinem Vorhaben, das RAAM zu bestreiten sehr gerne und wünschen ihm, dass sein Lebenstraum in Erfüllung geht. Wir sind stolz, dass Pierre das Nauders Trikot trägt.“

Österreich immer top beim RAAM

Österreichische Siege haben Tradition beim RAAM: Erst letztes Jahr entschied der Steirer Severin Zotter bei seinem Debüt das Extrem-Radrennen für sich entschieden – mit einer Zeit von acht Tagen, acht Stunden und 17 Minuten, der sechstbesten Zeit der Geschichte. Davor hatten die Österreicher Franz Spilauer (1988), Wolfgang Fasching (1997, 2000, 2002) und Christoph Strasser (2011, 2013, 2014) das RAAM gewonnen. Die Chancen stehen also gut, dass Pierre Bischoff die Serie österreichischer Erfolge prolongiert.


Zur Person

Pierre Bischoff (* 30. November 1984) ist in Oberhausen aufgewachsen und lebt in Nauders am Reschenpass. Nachdem er im Jahr 2004 aufgrund einer Wette mit dem Fahrrad bis an die Küste Kroatiens gefahren war, entwickelte er Interesse am Radsport. 2008 verlegte er seinen Schwerpunkt auf Langdistanzrennen und bestritt Lizenzrennen nur noch zu Trainingszwecken. Im Jahr 2012 startete er erstmals bei einem länger als 24 Stunden dauernden Rennen, dem Race Around Austria. Dieses beendete er mit dem vierten Platz und neuem deutschen Rekord. Ein Jahr später gelang ihm bei diesem Rennen ein zweiter Platz im 2er-Team, abermals mit neuem deutschen Rekord. Im Jahr 2014 konnte er das Rennen unter schwierigen Wetterbedingungen auf dem dritten Platz beenden. Im Juni 2014 erreichte er den Vizeweltmeistertitel beim Glocknerman. 2015 startete er gemeinsam mit Rainer Steinberger, gemeinsam mit ihm gewann er das Rennen Race around Slovenia. Beim Race around Austria 2015 musste er vorzeitig bereits am dritten Tag aufgeben. 2016 nimmt Bischoff erstmals am Race across America teil.
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