02.06.2016, 13:45 Uhr

Milchpreis: Bauern kämpfen ums Überleben

Bei der Verteilaktion in Zams mit den Konsumenten ins Gespräch kommen. Bezirksbauernobmann Elmar Monz, Bezirksbäuerin Gertrud Denoth, Dir. Peter Raggl und Andrä Neururer.

Solidarität der Konsumenten zu den Bauern ist sehr groß. Bauernvertreter fordern einen Milchpreis von 40 Cent.

ZAMS (otko). Anlässlich des Weltmilchtages am 1. Juni und des niedrigen Bauernmilchpreises geht die Tiroler Landwirtschaft in die Offensive und wirbt einmal mehr für heimische Milchprodukte. In allen Bezirken Tirols fand eine Verteilaktion vor Supermärkten statt, so auch im Zams beim Einkaufszentrum Der Grissemann Dabei gingen die Milchproduzenten selber auf die Straße, um mit den Konsumenten ins Gespräch zu kommen.
Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl zeigte sich über die enorme Solidarität der Konsumenten erfreut: „Mit der Bewusstseinsaktion machen wir auf die schwierige Situation der Milchbauern aufmerksam. Im Gespräch mit den Konsumenten wurde sehr deutlich wie groß die Solidarität mit unseren Bauern ist. Dass derzeit 1 Liter Wasser gleich viel kostet wie ein Liter Milch, macht die Menschen aggressiv. Dass da etwas in unserer Gesellschaft schief läuft, spüren nicht nur die Bauern.“
Die Lage ist momentan durchaus ernst. Der Milchpreis liegt in Tirol für gentechnikfreie Milch bei derzeit 27,3 Cent. Für Heumilch erhalten die Bauern 32 Cent und für Biomilch 39 Cent. "Diese Preissituation ist für Bauernfamilien existenzbedrohend. Dauert die Milchkrise noch länger an, droht im Bezirk ein Bauernsterben", betont Bezirksbauernobmann Elmar Monz.

Regionalität

Die Landwirtschaft im Bezirk setzt vor allem auf Regionalität. "Wir produzieren Umweltbewusst und mit kurzen Wegen. Wir können die regionale Lebensmittelversorgung nur dann sichern, wenn alle mithelfen", verweist Bezirksbäuerin Gertrud Denoth. Gemeint sind damit sowohl Bauern als auch Konsumenten, Handel und Verarbeiter und Tourismus.
„Die Mehrheit unserer Bauern kann jedoch nicht kurzfristig aus der Milchproduktion aussteigen um in alternative Produktionssparten umzusteigen. Das wäre für die Almbewirtschaftung, aber auch für die Bewirtschaftung unserer zum Teil steilen Wiesen verheerend. Die Alternative wären Verwilderung und Zuwachsen vieler Flächen vor allem auf Almen in unserem Land. Auch der Tourismus profitiert von einer gepflegten Landschaft“, erklärt der Bezirksbauernobmann die Zusammenhänge. Zudem haben viele Betriebe in den letzten Jahren kräftig investiert. Die Unterstützung von Seiten des Landes mit Zinsstundungen gehe in die richtige Richtung.

Kein Verschleudern mehr

„Derzeit können Tirols Milchbauern nicht mehr kostendeckend produzieren, 27,3 Cent für ein Produkt, das unter höchsten Qualitäts- und Umweltstandards produziert wird ist zu wenig. Wir bräuchten 40 Cent, um kostendeckend zu arbeiten“, so Monz. Abgeltungen seien gut und recht, aber es könne nicht alles dadurch abgeglichen werden. "An erster Stelle steht das Produkt und das muss einen Wert haben. Ansonsten übernehmen die junge Leute keinen Hof mehr", weiß Denoth. Auch für Bauernbunddirektor Raggl bahn sich ein Strukturwandel an: "Viele können nicht mehr und im Nebenerwerb verlieren die Leute den Mut und schließen die Hoftür für immer."
Die Bauernvertreter drängen für die krisengeschüttelten Milchbäuerinnen und Milchbauern auf rasche Lösungen und Entlastungen: „Der Lebensmittelhandel soll mit dem Preisdumping von Milch und Milchprodukten endlich aufhören. Notwendig ist auch eine marktkonforme Milchproduktion. Mittelfristig ist eine europäische Lösung anzustreben, um Nachfrage und Angebot wieder ins Lot zu bringen", erklärt Raggl.

Unterschriftenaktion

Gemeinsam wollen die LK-Tirol, der Tiroler Bauernbund, die Bäuerinnenorganisation und die Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend auf das ernste Anliegen aufmerksam machen und die Tiroler Bevölkerung zur aktiven Unterstützung einladen. „Schließlich steht viel mehr auf dem Spiel als die regionale Lebensmittelerzeugung. Es geht um gutes Essen, um unsere Landschaft, um Heimat. Es geht um Tirol!“ Die gesammelten Unterschriften werden dann an den Bundespräsidenten übergeben, um das Anliegen der Tiroler Bauernfamilien und der regionalen Lebensmittelerzeugung zu einem Anliegen für ganz Österreich zu machen. „Ich hoffe, dass auch andere bäuerliche Organisationen und Verbände in anderen Bundesländern unsere Initiative unterstützen“, sind sich die Bezirksbäuerin und der Bezirksbauernobmann einig.
Ab sofort kann jeder unter www.tirolerbauern.atonline unterschreiben. Hier gibt es auch Unterschriftenlisten zum Ausdrucken sowie weitere Infos zu den Forderungen. Auch beim Tag der offenen Hoftüren, der am 12. Juni in allen Bezirken stattfindet, werden die Unterschriftenlisten aufliegen.
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