05.07.2016, 13:30 Uhr

There’s No Business like Show Business

Shirley Bassey: einer der Interpretinnen von There’s No Business like Show Business
Ist das Tonkünstler Orchester Niederösterreich eine Big Band? Soll eine Operndiva Chansons singen? Diese Fragen stellt man sich ob des Programms eines Sommerkonzerts in Grafenegg. Der Wolkenturm ist geschlossen. Das Schlechtwetter treibt das p.t. Publikum ins Auditorium, den Konzertsaal des Festivals.

Das ist schon ein wenig das Problem. Was draußen von der Lautstärke richtig wäre – Klassik versus Natur – klingt im Saal manchmal dröhnend und undifferenziert. Dirigentin Julia Jones erkennt bald, dass eine frugale Mischung der Aufführung besser bekommt.

Angela Denoke, auf allen Opernbühnen der Welt zu Hause, bemüht sich sehr, um im Schöngesang das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Doch „Ich bin vom Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ als Arie zu präsentieren, ist gewagt. Maria Bill – die ohnehin beim Prélude im Schlosshof war - oder Sona MacDonald hätten mir mit ihren verrauchten und verruchten Stimmen besser gefallen.

Dennoch: Denoke ist erfahren genug, um zu wissen, wie man auch mit einem Eiertanz umgeht. Im zweiten Teil legt sie einen Gang zu. Ihre Bühnenpräsenz ist glänzend, ihr Schauspiel fantastisch. Lasziv umschmeichelt sie die Herren des Orchesters, was denen sehr gefällt. Und im Dialog mit der Sopranistin zaubern sie ein Schauspiel herbei, welches ein Lächeln auf die Gesichter der Zuseher und Zuhörer bringt. So entwickelt sich eine musikalische Filmmusikshow von Oscar Strauss bis Robert Stolz und Kurt Weill zu einer amüsanten, bisweilen formidablen Abendveranstaltung. Die Zugabe der Tonkünstler „There’s No Business like Show Business” reißt viele vom Hocker, und Denoke setzt mit "Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen" aus dem Film "Gasparone" nach Motiven aus der gleichnamigen Operette von Carl Millöcker und nur vom Klavier begleitet: "Peter" von Rudolf Nelson noch einen drauf.

So lässt das Orchester mit Unterstützung einer Jazz Combo – Franz Schaden, Margit Schoberleitner und Tal Balshai - doch noch einen Big Band-Sound aufkommen. Bravo!

Next: 9.7.2015, A-Cappella trifft Klassik, Wolkenturm

Infos und Tickets: www.grafenegg.com

Reinhard Hübl
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.