23.03.2016, 11:46 Uhr

Eislaufverein Neu: Stadt Wien ist jetzt am Zug

So könnte der Eislaufverein Neu im Jahr 2020 aussehen. (Foto: WertInvest)

Das umstrittene Bauprojekt beim Interconti-Hotel erregt weiter die Gemüter

LANDSTRASSE. Der seit vier Jahren geplante Umbau des Areals am Wiener Eislaufverein geht in die finale Phase. Die Umbaupläne von Investor Michael Tojner liegen derzeit im Rathaus, wo sich der Planungsdirektor der Stadt Wien, Thomas Madreiter, damit beschäftigt. In den nächsten Wochen können die Anrainer ihre Einwände einbringen. Besonders die Höhe des Hotelturms (derzeit sind 73 Meter geplant) ist immer noch ein großes Diskussionsthema. "Diese Höhe ist ein vorsätzlicher Bruch der Weltkulturerbe-Konvention. Es kann sein, dass die Stadt Wien dadurch auf die rote Liste der Unesco kommt", so Wilfried Tipp, Chef von Icomos Österreich in einem Kurier-Interview.
Invester Tojner, er investiert rund 300 Millionen Euro in das Projekt, hofft auf einen baldigen Baubeginn am Eislaufverein. "Wenn die Abwicklung im Gemeinderat rasch funktioniert, dann ist ein Baubeginn im Jahr 2018 durchaus möglich", sagt Tojner.

Anrainer reagieren heftig

Wenn der WEV schon mehr Platz braucht, wieso darf der Eislaufplatz dann durch den Bau eines Wohnturms für Millionäre verkleinert werden! Bezahlbarer Wohnraum entsteht dadurch bestimmt nicht und die Eislauffläche "outdoor" wird auch nicht mehr werden. Warum sollen die Kinder, Erwachsene und Eishockey-Spieler dann in den Keller gehen, wenn draußen kein Platz mehr ist?
Robert Hölzl aus Landstraße

Bei diesem Projekt gibt es Probleme juristischer, technischer, ästhetischer, sozialer und vielleicht noch anderer Art, die auf korrekte Art kaum gelöst werden können. Eine besonders interessante Frage ist, zu welchen Bedingungen das nötige Stück öffentlicher Grund auf der Lothringerstraße dem Investor überlassen werden soll, weiters wie man sich die Realisierung des Ausweicheislaufplatzes auf dem Schwarzenbergplatz vorstellt, sowohl technisch als auch hinsichtlich der Kostenübernahme. Der drohende Verlust des Welterbeprädikats steht ebenfalls im Raum, wobei teilweise behauptet wurde, das Areal Intercontinental-Eislaufplatz befinde sich außerhalb der geschützten Zone, es liegt jedoch nachweislich in der Kernzone. Die Realisierung des Wohnturmprojekts wäre ein Präzedenzfall, der die Errichtung von Hochhäusern an sensiblen Standorten rund um die Innenstadt (sog. "Stadtkrone") ermöglichen würde. Der spezifische Charme des Wiener Stadtbildes würde in akzelerierendem Tempo zunichte gemacht werden zugunsten materieller Profite der beteiligten Stakeholder.
Waltraut Kupf aus Landstraße

Wie man auch der geschönten Animation unschwer entnehmen kann, wird die Freifläche, die zum Eislaufen zur Verfügung steht, deutlich verkleinert! Das für eine europäische Hauptstadt wohl einzigartige Eislauferlebnis auf einer großen, die ganze Wintersaison hindurch zur Verfügung stehenden Freifläche mitten im Stadtzentrum, und auch noch angesichts eines wunderschönen Judengstilgebäudes wie es das Konzerthaus ist, wäre mit dem Turmbau Geschichte. Kinder sollen Bewegung an der frischen Luft und nicht in Sälen untertags machen, ganz insbesondere im Winter! Und sie sollen dabei das Kulturerbe der Wiener Innenstadt ganz spielerisch verinnerlichen können!
Zum anderen wird verschwiegen, dass die "Neugestaltung" auch eine Verlegung der erst vor einigen Jahren verbreiterten Bundesstraße 1 hin zu einer Schule - dem Akademischen Gymnasium - erfordert. Ein weiterer, völlig anachronistischer Schritt klar gegen die Interessen der Kinder und Jugendlichen, die in ihren Möglichkeiten der Nutzung öffentlichen Raums wieder einmal beschnitten werden.
Anne Marie Kosesnik-Wehrle aus Landstraße

Hat Ihnen die Gemeinde genug Inserate bezahlt, dass Sie für dieses Wahnsinnsprojekt so plump Werbung machen? Der Eislaufverein wird vorgeschoben - aber in Wahrheit geht es um den Skandal eines Hochhauses neben dem Konzerthaus - doppelt so hoch wie das Hotel! - das einigen Herren (und Parteien) dicke Profite bringen soll!
Franz Wagner aus Landstraße

Seit 2012 wiederholen Kulturerbe- und Stadtbildschützer/innen darunter viele Konzertbesucher 1) dass das massige und zu hohe Hochhausprojekt mit dem Historischen Baukulturerbe Wiens nicht kompatibel ist, 2) dass das Areal zwischen Stadtpark und Konzerthaus geschützte Unesco-Welterbe-Zone ist, 3) dass die Blickachse vom Belvedere durch den Hochhausklotz schwer gestört wird, und 4) dass die Reduktion der Eislauffläche und die Verlegung der Lothringerstraße keinen öffentlichen Nutzen darstellen.
Bei so viel inhaltlicher Kritik müsste die Wiener Regierungspolitik einlenken! Doch nein, sie weist in Überheblichkeit, die das Gegenteil von Demut ist, 3 Petitionen mit tausenden Unterschriften gegen diese unsägliche Planung zurück. Selbst der Staatsvertrag mit der UNESCO ist für das Rathaus nur ein Stück Makulatur und die Meinung der Bürger ist den regierenden Politikern erst recht egal! Herr Bürgermeister Häupl und Herr Bezirksvorsteher Hohenberger sagen sie mir Warum sie das tun?
Maria Ranacher aus Landstraße

Mehr Platz für den Eislaufverein - dass mir die Tränen der Rührung kommen! Ist damit die zwei Winter lange mickrige "Ersatzfläche" auf dem Schwarzenbergplatz gemeint, auf die die Eisläufer während der Bauzeit verbannt werden sollen? Wissen die das überhaupt oder hat man ihnen das ebenso verschwiegen wie man den Konzerthausbesuchern verschwiegen hat, dass sie von der U 4-Station Stadtparkt zum Konzerthaus in Zukunft einen Umweg machen werden müssen - auf einem schmäler gewordenen Gehsteig. Und das alles unter tatkräftiger Mithilfe der Frau Vassilakou - die Welt steht nimmer lang!
Helmut Hofmann aus Landstraße
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.