13.07.2016, 12:57 Uhr

Brutal: Heuer schon Motorradfahrer verunglückt

ÖAMTC: Berüchtigte Biker-Strecken Österreichs im Check. Club fordert mehr präventive Verbesserungen heikler Stellen

Die Zahlen sind erschreckend: 2016 sind bereits 37 Motorradfahrer tödlich verunglückt, davon 29 auf Freilandstraßen (Quelle: BMI, Stand: 10.7.2016). Der Anteil der Motorradfahrer an allen im Straßenverkehr tödlich verunglückten Personen ist zwischen 1992 und 2015 von 5 auf 17 Prozent gestiegen. Die Verkehrstechniker und Unfallforscher des ÖAMTC haben sich gemeinsam mit Motorrad-Experten der ÖAMTC Fahrtechnik auf Ursachensuche begeben und sehen sowohl die Straßenerhalter als auch die Biker selbst in der Pflicht. Die Experten waren an sieben typischen Motorrad-Strecken und haben die Verhältnisse vor Ort analysiert. Untersucht wurden Streckenabschnitte mit erhöhter Unfallhäufigkeit in Niederösterreich, Tirol, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Vorarlberg und Kärnten. Das Ergebnis: Viele Streckenabschnitte könnte man mit einfachen und günstigen Maßnahmen sicherer machen und damit Unfälle vermeiden.

Bei den ausgewählten Strecken sind vor allem unzureichende optische Linienführungen, enger werdende Kurven oder fehlende Sichtweiten problematisch. "Für Motorradfahrende sind derartige Probleme nur schwer erkenn- und wahrnehmbar. Dementsprechend ist es von großer Bedeutung, den Lenkern eine klare und rechtzeitig erkennbare Linienführung vorzugeben", erklärt der ÖAMTC Verkehrstechniker David Nosé. Laut dem Club wäre schon viel gewonnen, wenn man an entsprechenden Problemstellen Gefahrenzeichen, Hinweistafeln oder spezielle Bodenmarkierungen anbringen würde. Aber auch zusätzliche Leitwinkel in unübersichtlichen Kurven wären für die bessere Einschätzung des Straßenverlaufes wichtig.

Fokus auf unfallvermeidende Maßnahmen


Der ÖAMTC fordert verstärkte präventive Verbesserungen von heiklen Stellen, denn oft werden diese erst nach Unfällen entschärft. David Nosé schlägt vor: "Bei Änderungen sollte der Fokus auf aktive – also unfallvermeidende – Maßnahmen gelegt werden." Dazu gehören Verbesserungen an der Infrastruktur, die oft wegen Griffigkeitsproblemen, Bodenwellen, Bitumenstreifen oder mangelhafter optischer Führung notwendig sind. Aber auch passive Maßnahmen sind wichtig. "Für Motorradfahrer sind das beispielsweise Unterfahrschutzsysteme. Sie verhindern das Durchrutschen unter den Leitschienen und mindern damit die Unfallfolgen um ein Vielfaches. Die Unfälle an sich verhindern sie allerdings nicht“, so der ÖAMTC-Experte.


Trainieren hilft


Aber nicht nur in der Infrastruktur gibt es Handlungsbedarf. Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik, räumt mit einem Irrglauben vieler Motorradfahrer auf: "Genau genommen führen nicht die Strecken zu Unfällen, sondern die Biker selbst, wenn sie Fehler machen. Wenn ich meine Geschwindigkeit richtig anpasse, vorrausschauend fahre und auch mit Unerwartetem rechne, dann kann ich das Risiko deutlich reduzieren". Dennoch findet auch er infrastrukturelle Maßnahmen sinnvoll, denn alles, was dabei unterstützt, die Straße und Linienführung zu lesen, kann helfen. "Oft verstellen unnötige Bauten und Gewächse das Sichtfeld oder enger werdende Kurven sind nicht rechtzeitig erkennbar – hier gibt es Luft nach oben", so Scheiblauer.

Die Erfahrung des Experten zeigt, dass Fahrtechnik-Trainings sehr wertvoll für die Vermeidung von Unfällen sind. "Wir bekommen regelmäßig Rückmeldungen, dass heikle Situationen dank eines Trainings gemeistert werden konnten. Wir trainieren viele Abläufe und Manöver, die man vielleicht nur einmal braucht, dann können sie aber lebensrettend sein."
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