02.08.2016, 16:14 Uhr

Der Schmetterling als Formenwandler

In ländlichen Gegenden sagen die Leute zu Kindern: „Schaut, ein Schmetterling“; die Bezeichnung „Falter“ ist kaum gebräuchlich, und das hat einen abergläubischen Grund:
Nicht nur die steirischen Milchbauern fertigen aus Holzstöckchen Kreuze an, die als Druden- oder Schratlgatter an die Stalltür geheftet werden. Diese Konstruktionen halten die Leute für einen Wetterabwehrzauber, doch im Volksglauben ist ihre Bestimmung eine andere: Bei den noch heute abergläubischen Tiroler Milchproduzenten, schreibt man dem Hausgeist Schratl die Fähigkeit eines Formwandlers zu, was bedeutet, dass dieser eine andere Gestalt annehmen kann, z. B. die eines Schmetterlings. Der Name leitet sich vom Milchrahm, dem „Schmetten“ ab, denn der Hausgeist Schrat angeblich in dieser Gestalt abzieht. Aus diesem Grund heißt der Zitronenfalter in Tirol Buttervogel.
Nach altem Volksglauben fliegen auch in Sachsen Hexen in Schmetterlingsgestalt umher, um Milch und Rahm zu stehlen, weshalb im Obersächsischen der Falter ebenfalls als Schmetterling durch die Gegend flattert.
Übrigens findet der Diebstahl während des Auskühlens der frischgemolkenen Milch im Freien statt, wo sich in den „Milchstotzen“ ein Rahmrand, der sogenannte „Schmant“ bildet, der besonders köstlich ist. Das „Schmankerl“ ist die Verkleinerungsform des Schmantes,
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