26.09.2016, 13:57 Uhr

Die Pest in der Steiermark

Die Pest gehört zu den bekanntesten Seuchen des Mittelalter, obwohl sich die Medizin heute noch nicht klar ist, um welche Krankheit es sich handelte und war die Ursachen dafür waren. Ungesundes Wetter begünstigte den Ausbruch von Infektionen.
Die Seuche, genannt der "Schwarze Tod" ging schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts von den Mittelmeerhäfen aus und erfasste ganz Europa mit Ausnahme Portugals. Sie erlosch nach wenigen Monaten, kehrte aber 1348 und 1361 wieder und war von da an für die nächsten 300 Jahre in der Steiermark ständiger Gast. Wie bei Grippe, SARS oder Schweinegrippe war der Ausgangspunkt für Epidemien Asien, z. B. Indien und China.
Auch Leibnitz und seine Umgebung blieben von verheerenden Seuchen bis in das 20. Jahrhundert nicht verschont. Die Pfarr- und Ortschroniken berichten von diesen schweren Zeiten. Die Pestsäulen sind steinerne Zeugen der schrecklichen Ereignisse. Der Volksmund verbreitete Sagen und Legenden, die mehr oder weniger richtig sind und die Seuchengeschichte der Orte nicht wiedergeben. Während die Erinnerungen verblassten, blieben in den Archiven der Gemeinden Aufzeichnungen erhalten, die Grundlage für späterer Recherchen ergaben. Für die Verfasser neuzeitlicher „Ortschroniken“ stehen die ehemaligen Archive der Gemeinden und Pfarren nicht mehr ohne Weiteres zur Verfügung

Die Pest in Ehrenhausen

1624 war der Winter in Steiermark nicht gerade streng, aber lange anhaltend; im Frühling wurde es schnell heiß und die Hitze und Dürre dauerte drei Monate; der Herbst war regnerisch. Diese ungesunden Witterungsverhältnisse brachten überall infektiöse Krankheiten um Ausbruch. Am übelsten traf es 1624 Ehrenhausen.
Die Regierung schickte einen Pestarzt nach Ehrenhausen, der die festzustellen hatte, ob die Symptome einer pestartigen Krankheit gegeben waren, denn die Pest hatte kostspielige Maßnahmen nach den Sanitätsvorschriften zur Folge. Die Begeisterung der bestellten Mediziner für diese Arbeiten hielt sich trotz zusätzlicher Entlohnung in Grenzen.

Ehrenhausen hatte das Pech den skrupellosen Infektionsmedikus Dr. Bottoni aus Triest zugeteilt zu erhalten, der zwar wegen seiner ärztlichen Kunst und Erfahrenheit berühmt war, dem aber seine eigene Gesundheit mehr wert war, als die der pestkranken Einwohner. Dr. Bottoni verkehrte mit seinen Patienten nur mit einem Dolmetscher, weil der deutschen Sprache nicht mächtig war und verlangte unverschämt hohe Geldbeträge als Honorar. Aber es sollte noch schlimmer kommen.
Im Juli 1626 brach in Ehrenhausen schon wieder die Pest aus. Dr. Bottoni erschien wieder als Infektionsmedikus im Ort und verhielt sich wie beim letzten Mal. Die Bevölkerung erhielt von der Landesregierung den Auftrag, die vom Pestarzt verordneten Medikamente fleißig zu schlucken. Die Ansteckung nahm trotzdem ständig zu, so das die Bestellung eines Baders oder Totenlassers notwendig war. Zu seinem Hauptgeschäft gehörte Öffnung der Pestbeulen, ein gefährliches Unterfangen, das sich dieser entsprechend honorieren ließ. Um das Geld bei den Untertanen von Ehrenhausen einzutreiben, forderte man sie zu einer Abgabe auf.
Aber gerade jene, die vermögend waren, die Ratsmitglieder des Marktes, hatten sich vor der Pest geflüchtet, nur der pflichtbewusste Marktschreiber (Sekretär der Gemeinde), Christoph Zueberlein hielt die Stellung. Als nun die Not am höchsten war und die meisten Laute starben, veranlasste man den Zueberlein die Stelle des Marktrichters (Bürgermeisters) zu übernehmen. Doch der brave Marktschreiber hatte schlechten Dank für seine Mühe. Er hatte den Dr. Bottoni samt Diener und Dolmetsch acht Wochen in Wohnung und Verköstigung gehabt und noch andere Auslagen in Pestsachen gemacht und beanspruchte daher von der Marktgemeinde den Ersatz eines Betrages von 53 Gulden. 43 Kreuzer in rheinischer Währung. Doch die Gemeinde weigerte sich desselben mit dem Bescheid, er solle seinen Regress bei Dr. Bottoni suchen, der sich selbst zu erhalten hatte, weil er kaiserliche Besoldung und landschaftliche Bestallung habe. Es kam zu einem Prozess, den die Marktgemeinde Ehrenhausen verlor; trotzdem ließ sie sich erst 1629 zur Zahlung zwingen.
Ehrenhausen suchten immer wieder Devianzen heim, doch das ist eine andere Geschichte.
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 27.09.2016 | 05:48   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 27.09.2016 | 14:25   Melden
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