09.06.2016, 17:37 Uhr

Ein sagenhafter Schatz

Allgemein verbreitet ist die Sage von den unermesslichen Schätzen am Schöckel, die sein Inneres verbirgt. Darin stimmen alle überein, dass ein Bauer einst die Pforte zu diesen Schätzen wusste, dass die Schlüssel dazu bei der Familie des Grafen Stubenberg vorhanden, und der letzte Stubenberg berufen sei, diese unermesslichen Schätze zu heben. Die Sage, von der es mehrere Variationen gibt, dürfte einen historischen Hintergrund haben.
Im Subenbergischen Archiv ist darüber einiges vorhanden. Über den Schöckelschatz erzählt eine alte Urkunde:
„Zwei Stubenbergische Brüder, vom Papst in Bann, vom Landesfürsten geächtet, zogen von Kapfenberg weg, bauten Stubegg, verbargen ihre Schätze am Schöckel und fielen während der Kreuzzüge in Palästina. Dort, wo von der ersten Steinmasse vom Weg rückwärts des Schöckelkreuzes ist, war ein Stein mit hebräischen Buchstaben, der bezeichnete den Ort. Im 15. Jahrhundert fand ein Hirt des Bauers Wölfl in der Breitenau zwei Schlüssel hängen, der Bauer fand damit den Schatz, nahm aber nur einen kleinen Teil. Sein Sohn fand die Stelle nicht mehr. Er erzählte es dem Pfleger Wieland in Stubegg im Jahr 1509. Die zwei Schlüssel sind von lichtem Metall, eine etwas über den anderen in der Fingerlänge, der erstere mit kleinerem, der zweite mit größerem Bart und geschliffenen Buchstaben darauf. Sie sind in einem ledernen Beutelchen untergebracht. Von dem Wölfl lebte 1818 den 8. Dezember noch ein siebzigjähriger Nachkomme.
Von der vorstehenden Sage erzählt eine in den Stubenbergischen Urkunden befindliche Schrift, mit folgendem Wortlaut:
„Ein Stubenbergischer Untertan, Georg Geßgrueber, in Gschaidt wohnhaft, ging den 19. Dezember 1319 seine Schulden einzufordern noch vor Tagesanbruch über den Schögl. Unterwegs begegnete ihm ein kleiner Bueb, den er für 14 Jahre ansah. Der redete den Bauern an, wo er hinginge; als er ihm geandtwortet, Er wehre gesunnen schulden Einzubringen, der Bueb gab ihme zur andtworth, Er Thet unweißlich, dass er einen so weithen weg gehen wollen und sich also bemühen, Er solle mit ihm gehen, er wolle ihm einen anderen nutzen weissen; auf welches sich der Pauer anfangs gescheicht, weill er, der Bueb, ganz lichte Augen hatte und in der Tunkelheit ganz feurig aussah; als der Bueb dieses Merkhete, nam er den Bauern bei der handt, und Sprach, förchte dich nicht; gehe mit mir. Es wird dir niechts Leidts wiederfahren; führete er in zu Eine Wacholder Stauden, aldorthen sah der Bauer eine eisserne große Thür, zu welcher ihm der Bueb zwei Schlüßel zeigte mit dem Befehl Er sollte aufspören, auf welches der Bauer Andtworthet, Er säche nichts; als Baldt namb der Bueb ein Fakhl aus der Steinen Wandt und leuchtete dem Pauern, als aber der Pauer diesen Khol Schwarzen Bueben ersahen, fürchtete er sich noch mehrers, doch spöret er auf, und khamb seiner Beschreibung nach in Ein grosses gewölb gleich einem Sal, alwo nichts als zwey große Khollhauffen ware, weiters führte Er ihm in ein andres gewölb, welches Khleiner, doch auch zwey Khollhaufen waren, endlich führte Er ihm in das dritte, welches dem Mittleren gleich ware, darinnen Süben grosse Eysserne Truhen Stundten, auf deren mittleren aber lage Ein sehr großer Schwarzer Hundt; der Bueb fragte ihm, ob er dieses gesehen und sagte, Er solle von dem Mittlern Gewölb zwey handvoll Khollen in sein Sakh schieben, und als ers gethan ging er mit ihm hinaus, sobald sie hinaus kamben, fragte der Bueb, was er in Sakh geschoben, als der Pauer sechen wollte, was Es vor Kholen waren, findet er fünf Prokhen gold, so lange er Leben würde, solle er alle Tag zwey handtvoll von dem Mittlern, doch kheinem andern gewölb nemben. Doch dergestalten, dass Er solches niemand sagen sollte, sonsten wurde Er selbsten, noch der Andern etwas davon haben, wan Er aber ja solches sagen sollte, so sollte er diese Schlüßl sambt der daran hangenden Zötelein, die mit gottischen Buchstaben auf Pergament geschrieben, seiner obrigkeit Einhendigen, darauf der Geist verschwunden, der Pauer aber solches 18 Monath dergestalten Praticiert, dass er Weingärten, häuser und dergleichen guetter und Etliche 1000 fl. zusamben Kaufft, daß sich alle Leith darüber verwundert, die Rädt auf im gemein auß Kommen, als ober Er einZauberer wehre, auf welches ihm sein herrschaft, alß Ulrich herr von stubenberg zu sich forderte, zu öfftern mit ihm mit guetten und Bössen worthen nichts aus ihm bringen Khönnen, letzlich alß man ihm vollgetrunkhen und so lange zugesetzt, daß Endlich der Pauer mit diesen Worthen herausgefahren: herr, Bitt Thuett mich nicht zu dissen antreiben, den ich still soliches Nicht, Bekhumbts auch nicht unEhrlich, darff Euch nicht sagen, wo ichs bekumb, damit ihr aber auch davon geniesset, will ich euch alle tage eine handtvoll gold Bringen, aber weither fragt mich nicht, wo ichs nimb und fändt, Als nun der Pauer dem anderen Tag mit drey großen Prokhen gold Khumbhen, ließ sein herr solches in der Neustdt Probieren, und als er soliches vor guettes gold Befunden, war er dem Pauern abermahl überlistig, bis entlich der Puer versprochen , er wolle ihm solches zeigen, aber er sagte ihm Vorauß, dass sie alle beide nichts mehr Bekhumben werden, führete ihm auch dahin, der herr und der Pauer aber fand Kheinen Eingang Mehr, sonder nur Wacholderstauden allein, unter welchem der Pauer Jederzeit die Schlüßl verborgen hatte. Erzelte seinem Herrn den ganzen Verlauff und übergab ihm die Schlüßl samt dem Zötelein, welcher dieses inhalts von worth zu Worth ist, diesen Zödl sollen die Von Stubenberg Behuttsamb aufheben, dan ihnen dadurch Ein großes glükh beschaffen ist, zu seiner Zeit, diesse zwey Schlüßl noch zu Khapfenberg vorhandten, welche zu diesen Schatz am Schögl Berg gehören, der eine ist wie Ein Wein Pippen gefurmbt, Ein wenig lenger als Ein finger Vorn ganz schmall von einem liechten Metall und einen Khleinen Barth, daran gottische Buchstaben zu sehen, der andere ist Eines Khlieneren fingers lang und wird mit einem großen Barth auch mit solichen Buchstaben gezeichnet.“
Die Sage über den Schöckelschatz gründet sich auf Ulrich von Stubenberg, der sich mit seinem Sohn Wulfing und mehreren Verwandten dem Ungarnkönig Andreas II. im Sommer 1217 zu einem Kreuzzug nach Palästina anschloss. Bei der Belagerung von Damiette verunglückte Ulrich, vermutlich am 1. Juli 1218.
Bereits bevor Ulrich zum Kreuzzug aufbrach, hatte er seine Burg Stubegg dem Burgvogt übergeben und die Familienschätze in einer Spalte des nahen Schöckels, die er mit einer versperrten Tür versehen hatte, versteckt. Der Eingang wurde von außen mit Steinen und Moos getarnt. Die Schlüssel zu dem Freilaufttresor nahm Ulrich mit ins heilige Land. Ein Bote überbrachte dem Burgvogt die Nachricht vom Tod des Grafen und händigte ihm die Schlüssel für die Schatztüre zur Übergabe an die Erben aus. Der Vogt war habgierig und behielt die Schlüssel in der Hoffnung, sich selbst bereichern zu können.
Im Jahre 1504 ließ Elisabeth Herrin von Stubenberg ein Inventar über das gesamte Archiv der Stubenberg erstellen. An einer Stelle heißt es: „Item, im Ladl liegt der Schlüßl zum Schöckl.“
Falls der Schatz in der Vergangenheit nicht geborgen werden konnte, liegt er immer noch in der Felsenkluft.
Die Wahrscheinlichkeit, dass am Schöckel ein Schatz verborgen ist, die ist groß, dass ihn jemand findet, klein. Um die Chancen für den Fund zu erhöhen, verrate ich ein Geheimnis: Wer dahinter kommt, warum eine ausgelöste Walnuss so aussieht wie zwei Gehirnhälften, der hat einen Hinweis, für die erfolgreiche Suche.
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