23.08.2016, 15:46 Uhr

Eine mörderische Zeit.

Im Jahre 1933 erreichte die Arbeitslosigkeit in Österreich einen Höhepunkt; die Gesellschaft war polarisiert und in mehrere Lager gespalten. Besonders in den Grenzgebieten fühlten sich Kriminelle sicher, denn bei Gefahr wechselten sie die Seiten. Im Unterinntal war eine Bande arbeitsloser Burschen besonders aktiv. Drei Morde, 37 Brandstiftungen und 100 Diebstähle gehen auf ihr Konto, berichtet eine Zeitung im April 1934.:
"Im obern Teil des Brixtentales in Nordtirol, also zwischen Wörgl und Hochfilzen, sind in den beiden vergangenen Jahren ganz auffallend häufig Einbrüche, Brandlegungen, Raubüberfälle und auch drei Morde an drei Einheimischen vorgekommen. Untaten, deren Urheber man lange Zeit nicht kannte, aber man hatte durch viele bange Monate hindurch Gewissheit, es könnte sich nur um eine geschlossene Bande handeln, die in dieser Gegend ansässig war; besonders in den Orten Hopfgarten und Umgebung kamen die meisten Untaten vor. Der Kommandant des Gendarmeriepostens Hopfgarten, Inspektor Fölser, war es, der die Bande ermittelte. Als in einer Sommernacht des Jahres 1933 das 37. Haus angezündet worden war, konnte man zwei Männer ermitteln, bald war dann auch der dritte und letzte Verbrecher ausgeforscht, durch eigene Geständnisse und durch gute kriminalistische Arbeit der Mehrzahl der Verbrechen überführt. Es sind drei junge, arbeitsscheue Leute aus der dortigen Gegend mit Namen Franz B., Alois L. und Anton C., Leute ohne bestimmten Beruf, Gelegenheits- und Hilfsarbeiter, zwei von ihnen wirkten auch häufig als Musiker bei ländlichen Konzerten und Tanzunterhaltungen mit.
Drei Morde, mehrere Raubmorde und Raubmordversuche, 37 Brandlegungen und rund 100 Diebstähle, Einbrüche in Ortschaften, Almhütten, wo es Nahrungsmittel gab, werden den drei verkommenen Burschen zur Last gelegt. Sie arbeiteten wie große Verbrecher einheitlich und mit verwegener Schlauheit zusammen. Von den drei Morden ist der für die Moral der dreiköpfigen Bande bezeichnend, den Anton C. ausheckte. C. hatte eine junge Hilfsarbeiterin aus Hopfgarten verführt und wollte sie beseitigt wissen, vielleicht kannte sie auch die Einnahmequellen der drei Verbrecher. Das Mädchen wurde von ihrem Liebhaber für den Abend in einen Heustadel bestellt, dort sollte sie der Freund umbringen, aber es bedurfte schließlich der Zusammenarbeit beider Burschen, um das schwangere Mädchen zu erwürgen. Dann zündeten sie den Heuschuppen an, mit der Absicht die Todesursache des Mädchens zu verdecken. Sie wurde aber dennoch an der halbverkohlten Leiche genau festgestellt, und der Verdacht der Täterschaft richtete sich sofort gegen C. Bald darauf konnte man ihn auch festnehmen und der Untaten überführen. Die zwei Mörder hatten nach der Tat noch seelenruhig als Musiker an einer Unterhaltung teilgenommen.
Die Untersuchung dauert seit dem August 1933, ein Berg von Akten ist darüber geschrieben, der für den 5. Juni 1934 anberaumte Prozess gegen die drei Verbrecher wird wahrscheinlich einen ganzen Monat dauern. Der Gendarmeriekommandant erhielt für seine gute kriminalistische Arbeit das silberne Verdienstzeichen der Republik Österreich."
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