08.05.2016, 18:25 Uhr

Frostfolgen im Weinbau

Im Jahre 1873 kam es im Rheingau und in Südtirol zur gleichen Zeit wie 2016 nach einem warmen Frühlingsanfang zu verheerenden Schäden an den Kulturen.
Im Rheingau haben die kalten Nächte vom 24., 25. und 26. April 1873 mit einem Schlag die schönsten Hoffnungen der Winzer vernichtet. Durch die auffallend warme Witterung des März 1873 war der Weinstock schon ziemlich weit fortgeschritten und war gerade der Schaden dadurch für die Reben doppelt so groß. Nicht nur, dass die 1873er Ernte in den meisten Lagen auf ein Minimum reduziert war, wurde auch die Ernte der kommenden Jahre durch das Erfrieren der jungen Triebe, bzw. die dadurch verhinderte Bildung von Tragholz geschmälert. Verhältnismäßig am wenigsten hatten die unteren Augen der Rebe gelitten, da sie noch nicht so gut entwickelt waren; von ihnen war noch ein kleiner Ertrag zu erwarten.
Über das Abkneipen und Abschneiden erfrorner Reben wurde nach dem Frost von 1873 diskutiert. Da dieses Verfahren als von Erfolg gekrönt angepriesen wurde, ließen sich selbst manche in den Weinbergen ergraute Fachleute, zu eine kleinen Probe mit Gegenprobe bewegen. Diese Manipulation bestand darin, dass man an ein und derselben Weinrebe, erfrorne Knospen möglichst nahe an der Bogenrebe beseitigte, andere an dem Blattstiel asbkneipte, wobei ein kleiner Stumpf stehen blieb. An den glatt abgeschnittenen Knospen ist das daneben befindliche halbgrüne Doppelauge sofort verdorrt, an den wenig abgekneipten und gar nicht verkürzten erfornen Knospen, drückte das nebenstehende Auge, die schwarz gewordenen Rest weg, trieb aber nur wenig taugliche, kümmerliche Blattstiele. Da das Mark der Reben in diesem Jahr geschädigt war, konnten junge Träubchen (Scheine) nicht nachwachsen.
Durch die erfahrenen Winzer der Gutsbesitzer, die sich das Abkneipen erfrorner Knospen Geld kosten ließen, wurde festgestellt, dass nicht eine einzige fruchtbringende Rebe, also nicht eine einziges Träubchen nachgewachsen war. Waren junge Triebe an den Weinreben nur von geringem Frost gedrückt, (nicht erfroren) zeigten die zarten Blätter schwärzliche Einfassung, bzw. Ränder, was bei günstiger Witterung, besonders nach einem warmen Regen, ausheilte. Aber jede intnesive Erkältung lässt den Saft in den Weinreben stocken, und kann hier niemals eine nachrückende Fruchtbarkeit erwartet werden.
Langjährige Beobachtungen hatten ergeben, dass es geraten erschien, die Wirkungen des Frostes ruhig abzuwarten. Die Weinrebe wird bei günstiger Witterung selbst, ohne Maßnahmen, mehr oder weniger starken Frostschaden, wieder beheben.
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