29.04.2016, 16:03 Uhr

Frühlingsfröste als Obst- und Weinmörder

Die Eismänner sind im Rahmen des jährlichen Wettergeschehens nichts anderes als die Umstellung zum Sommermonsun, die im Laufe des Monats Mai beginnt und irgendwann in den Maitagen zu einem ersten schwachen Monsuneinbruch vom Atlantik her führt. Nicht nur der Volksglaube, auch die Wissenschaft beschäftigte sich schon frühzeitig mit den Eisheiligen. Sie werden zum ersten Mal 1777 vom italienischen Gelehrten Taoldo erwähnt, was belegt, das auch die Italiener diese Kälterückfälle kannten. Die Wissenschaft war bald davon überzeugt, dass die Eismänner einen regelmäßigen Kälteeinbruch im Mai ankündigen. Diese kalten Tage stellen aber kein globales Ereignis dar, weil sie nicht auf den ganzen Erdball auftreten, sondern den Vorstoß arktischer Meereskaltluft nach Süden Europas anbahnen. Die Eisheiligen haben nur noch in Chile ein Gegenstück und sind sonst außerhalb Europas unbekannt. Die Kälterückfälle des chilenischen Frühlings fallen auf Oktober und November und sind stärker als bei uns. Den ersten November nennen die Chilenen nicht den Tag Allerheiligen, sondern wegen des Frosts den „Tag aller Teufel“.
Demonstrative Liste von Frühjhrsfrösten:
Der Winter 1342 war bis April sehr mild, dafür hielt den Mai Schnee und Frost gefangen.
Im Jahr 1576 hofften die Leute auf ein Ende der Teuerung, da geschah am Karfreitagmorgen, dass durch einen kalten Reif beinahe alles, was in den Weingärten grünte, durch den Frost vernichtet war. Wiederum bald danach auf Philippi und Jakobi (1. Mai) kam wieder eine sehr kalte Nacht, alles was in den Weinbergen und Gärten noch übrig war, vernichtete.
1580 hatte man schon zum Teil Hafer gesät, dann kam ein großer Frost, dass man um St. Georg (24. April) nochmals säen musste, weil der vor dem Frost gesäte nicht aufging.
1635 zur Blütezeit trat abermals Frost ein und richtete Obst und Gartenfrucht zu Grunde.
1641 vernichteten starke Frühjahrsfröste die landwirtschaftlichen Kulturen.
Der kälteste Winter seit hundert Jahren trat 1709 ein. Vom Ausmaß des Frostes und seiner Dauer erzählt man sich Ungeheuerliches. Die Steiermark lag viele Monate mit tiefem Schnee bedeckt, in Ödenburg schneite es noch am 17. Mai 1709.
Der April 1713, sonst berüchtigt durch seine unbeständige Witterung, brachte heitere, aber kalte Tage, dann fiel ein vier Schuh (1.20 Meter) hoher Schnee.
Das Jahr 1732 brachte eine sehr ungünstige Witterung, im Mai Frost.
Am 3. Mai 1740 fiel tiefer Schnee und die Schneeflächen des Grazer Feldes waren hart gefroren, so dass man darauf gehen konnte.
Im April und Mai 1787 Regen mit untermengtem Schnee, Frost und schneidende Winde.
Mitte Juni 1855 wütete ein Sturm, danach folgten vier kalte Tage und frostige Nächte, wo die Pflanzen erfroren.
Im Mai 1864 tritt starker Frost ein. Die niedrigste Tagestemperatur beträgt minus 2.5 ° C.
In den Verhandlungen des Reichsrats vom 11. Mai 1865 in Wien, bitten mehrere Gemeinden aus Niederösterreich und Steiermark um Nachlass und eventuell Zufristung der direkten Steuern infolge der durch den Frost zu Grunde gegangenen Weinernte.
Das kälteste Jahr der neueren Zeit war für das ganze mittlere Europa unstreitig das Jahr 1866, woselbst das südliche Tirol (46 ° 50´n. Br.) keine Ernte hatte. Ende April war das ganze Etschtal um Bozen und Meran noch tief mit Schnee bedeckt und am 7., 8. und 9. Mai 1866 schneite es wie im Dezember.
Die Ursache der geringen Weinernte 1874 ist, wie im Jahr 1873 ein ähnlich, mehrmaliger starker Frost im Mai.
Aus Marburg wird am 26. Mai 1876 von Frostschäden berichtet.
Die zarten Reben mit reichlichem Traubenansatz werden im Mai 1893 vom Reif versengt.
Am 13. Mai 1897 Spätfrost.
Im April 1900 bringt es ein Frosttag in Wien auf minus 7.2 ° C.
Spätfröste im April 1902 und 1903 im Retzer Weinbaugebiet.
Aus Pettau wird berichtet: Nach dem starken Schneegestöber am 8. April 1905 hatten wir zwei starke Nachtfröste, bis minus 8 Grad C. Kälte.
In den mittelrheinischen Weinbaugebieten, Rheingau, Rheinhessen und im Nahetal leiden die Weinstöcke in den tiefen Lagen in der Frostnacht vom 24. auf den 25. Mai 1905 an starken Erfrierungen.
Am 8. Mai 1909 war Frost, der aber im Allgemeinen keinen nennenswerten Schaden angerichtet hat. Aus den Windischen Büheln wird am 16. Mai 1909 berichtet: Den langersehnten Regen haben wir nun erhalten, leider aber dankt eine enorme Kälte, so dass wir schon allenthalben Frostschaden konstatieren müssen.
Die Temperaturen im Monat April 1910 zeigten nur geringe Schwankungen und hielten sich, von dem Schneefall vom 30. März auf den 1. April 1910 folgenden kurzen Frostperiode und von dem Kälterückschlag Mitte des Monats abgesehen, nahe den normalen Werten. In der Nacht vom 23. Auf den 24. April 1910 kam es mitten in der Blütenpracht der Obstbäume zu einem Wettersturz, der nicht nur für die Obsternte, sondern auch für die Weinkulturen eine sehr ernste Gefahr brachte.
Aus Bozen wird am 16. Mai 1910 berichtet: War schon der April mit Ausnahme weniger Tage kalt und stürmisch, so begann der Mai mit einem wahren Dezemberwetter. Am 8. Mai 1910 wurden die Berge bis 600 Meter Seehöhe herab tief mit Schnee bedeckt und am 11. Mai 1910 schneite es sogar in den ebenen Weingärten.
Im April 1912 trat in der Gegend von Stainz nach vorangegangenem windigen nasskalten Wetter ein ziemlich beträchtlicher Schneefall ein. Die Folge davon war, dass das Thermometer in den Morgenstunden des 13. April auf 10 Grad minus zurückging.
Soweit es die bisher vorliegenden Berichte beurteilen lassen, haben die Nachtfröste vom 12. bis zum 15. April 1913 in den Obstkulturen und Weingärten Österreichs enormen Schaden verursacht.
Die im April 1913 eingetretenen Fröste haben den Weingärten, bzw. der Weinlese bedeutend geschadet. Die Fröste vom 13. bis 18. April 1913 waren Kältefröste, jene vom 8. bis 11. Mai 1913 Strahlfröste.
Am 16. und 17. April 1914 fiel auf dem Steinfeld in Wiener Neustadt das Thermometer auf minus 4 Grad R. (- 5 ° C). In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1914 sank das Thermometer in den Weingärten der Stadtgemeinde Wiener Neustadt auf minus 4.2 Grad. Nach den vorliegenden Meldungen sind im großen Durchschnitt in Niederösterreich vielleicht 35 bis 40 %, in Mähren 55 bis 60 % der jungen Rebentriebe erfroren. In den Ertragsweingärten der Steiermark soll kein nennenswerter Schaden zu verzeichnen gewesen sein.
Am 19. April 1915 ist ein Temperatursturz zu verzeichnen, der die eben langsam beginnende frühe Obstblüte schädigte.
Die Eismänner des Jahres 1927 bringen vom 11. bis 14. Mai den steirischen Weinbaugebieten einen verheerenden Frost. Die Weingärten sind „total verbrannt“.
Zu Pfingsten 1936 trifft die Steiermark ein verheerender Kälteeinbruch mit starkem Frost und Schneefall in den Bergen.
Im Mai 1953 verbrannte der Frost die Reben. Der steirische Weinbau erlitt durch einen Temperatursturz in manchen Orten schwerste Schäden, wird am 13. Mai berichtet.
In der Monatsmitte Mai 1954 kommt es zu einem ziemlich heftigen Temperatursturz, der genau auf den letzten Eisheiligen verbreitet Nacht- und Bodenfrost verursacht.
In der Steiermark herrscht im März 1956 nach einer Tauperiode anhaltendes Frostwetter. Für die Bergstraßen in der Nord-, Ost- und Weststeiermark sind am 14. März 1956 wegen Neuschnees Schneeketten erforderlich. In der Südsteiermark Hochnebel bis 1500 m und in der Nacht Temperaturen von minus 5 bis minus 10 Grad Celsius.
Ende der demonstrativen Auflistung.
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