19.08.2016, 10:14 Uhr

„Gemeinsam Sicher“: Polizei „unterrichtet“ Asylwerber

Die Bilder zeigen Bezirksinspektor Manuel Leitner von der PI Schmiedgasse in Graz beim Unterricht. (Foto: © Landespolizeidirektion Steiermark/Maximilian Ulrich)

In Graz macht gezielte Wissensvermittlung für Asylwerber Schule.

Was ist Recht, was ist Unrecht in Österreich? Wie ticken Ämter, Behörden und Polizisten? Im Rahmen der Community-Policing-Initiative „Gemeinsam Sicher“ vermittelt die Grazer Polizei Asylwerberinnen und Asylwerber in der Sprach- und Lebensschule „Weichenstellwerk“ ab sofort umfassende Informationen zur diesen Themen.

„Das Wissen um Rechte, Pflichten und Gepflogenheiten gibt den Menschen – egal woher sie stammen und wo sie leben – Sicherheit, fördert die Gemeinschaft und ist damit genauso wie Spracherwerb essentiell für die Integration“, sagt Chefinspektor Werner Miedl, Community Referent der Grazer Polizei. „Mit der Wissensvermittlung im Weichenstellwerk leistet die Polizei dazu einen wichtigen Beitrag. Gleichzeitig wollen wir unseren Asylwerbern die oftmals vorhandene Scheu vor unseren Polizisten nehmen.“

Die Idee zu diesem „Unterricht“ stammt von Chefinspektor Michael Kosmus, Leiter der Polizeiinspektion Paulustor AGM und Community Polizist für asyl- und fremdenrechtliche Angelegenheiten. Sein Kollege Bezirksinspektor Manuel Leitner von der Polizeiinspektion Graz-Schmiedgasse – er ist einer der Community Polizisten für den Bezirk Innere Stadt – setzte das Vorhaben im Juli 2016 erstmals in die Praxis um. 25 Asylwerber aus Afghanistan, dem Irak, Iran und aus Syrien nahmen daran teil. In kurzen Sätzen erklärte der erfahrene Polizist unter anderem, welche Konsequenzen das Nichteinhalten von Gesetzen nach sich ziehen kann. Das richtige Verhalten von und gegenüber Polizisten bei Amtshandlungen und vor allem, dass in Österreich alle Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt werden und der Staat – und damit auch die Polizei – nur nach den Gesetzen handeln darf. Zwei Helfer des Weichenstellwerks, Fereydun Zahedi aus Afghanistan und Tammam Al Barazi aus Syrien, fungieren bei Bedarf als Übersetzer.

Die teilnehmenden Asylwerber zeigten sich von diesem „Unterricht“ begeistert. Spätestens ab Herbst sollen derartige Unterrichtseinheiten fest im Lehrplan des „Weichenstellwerks“ verankert sein.

Über das Weichenstellwerk: Das „Weichenstellwerk“ ist eine Sprach- und Lebensschule, die von der Stadt Graz, dem Verein „Sicher Leben“ und der Initiative „Gemeinsam Sicher“ des Innenministeriums in Räumen der Holding Graz in der Steyrergasse 114 betrieben wird. Dort engagieren sich ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und mehr als 50 ehrenamtliche Lehrer und Lehrinnen, die etwa 400 Asylwerber und Asylwerberinnen Deutschkenntnisse vermitteln. Umfassende Informationen sind hier zu finden.

Über die Initiative „Gemeinsam Sicher“: Mit „Gemeinsam Sicher“ forciert das Innenministerium das sogenannte Community Policing, also bürgernahe Polizeiarbeit. Ziel ist es, den gemeinsamen Dialog und Austausch zwischen den BürgerInnen, Gemeinden sowie der Polizei im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, einen Beitrag zu einem sichereren Leben zu gestalten, zu etablieren. Weitere Informationen sind unter diesem Link zu finden.
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