13.07.2016, 14:15 Uhr

Kernöl ist nicht gleich Kernöl

Das schwarze Gold immer im Blick: Ölpresser Johann Kerngast aus Kaindorf.

Mehr als 100 Jahre Erfahrung sprechen für sich. Bei der Ölmühle Hartlieb in Heimschuh wird täglich frisches Kernöl gepresst. Die WOCHE war dabei.

Bereits Goethe hat in seiner "Erinnerung" festgehalten: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da." Spätestens beim Kernöltunken in der Ölmühle Hartlieb in Heimschuh ruft das Gedächtnis diese Zeilen ab – und für Urlaubsgäste aus nah und fern gilt der Besuch des Traditionsbetriebes als Fixtermin.
Unbeschreibbar viel hat sich in den Jahren seit der Firmengründung 1907 getan. Mittlerweile wird in der Ölmühle Hartlieb jeden Tag Kernöl gepresst. Täglich wird rund eine Tonne Kürbiskerne verarbeitet. "Daraus ergeben sich rund 400 Liter Öl", erläutert Ölpresser Johann Kerngast, der seine Arbeit seit neun Jahren mit Leib und Seele ausübt. Gearbeitet wird im Zwei-Schicht-Betrieb.


Verwertung zu 100 Prozent

Es ist ein langer Weg, bis das "schwarze Gold" am (Salat-)Teller landet: Nach der Anlieferung werden die Kürbiskerne getrocknet, abgepackt und in einzelnen Chargen mittels Luft im ersten Stock der Ölmühle Hartlieb gereinigt. Danach ist das Gespür des Ölpressers gefragt: Die Kürbiskerne werden gemahlen und Wasser sowie Salz werden beigemengt. "Das Wasser wird im Röstofen benötigt, damit die Masse nicht anklebt und verbrennt. Das Salz trennt das Eiweiß vom Öl", erklärt Kerngast. Was danach passiert? Das Wasser verdampft vollständig, das Salz bindet das Eiweiß und bildet kleine Kristalle, die beim letzten Pressvorgang im Ölkuchen landen. Ergebnis: echtes, naturbelassenes (kaltgepresstes) Kürbiskernöl. Nach zwei Wochen im Tank, damit Schwebstoffe auf natürliche Weise absitzen, weil das Öl nicht filtriert wird, gelangt es in die Flasche.

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