31.05.2016, 18:54 Uhr

Nach Frostschäden kein Trauben-Import aus Slowenien

Frost auch am Hochzeitstag: Hugo Kapun. (Foto: Bieber)
Die Weingärten, in denen Ende April die jungen Gescheine abgefroren waren, treiben wieder aus. Zum Teil sind die Triebe bereits ellenlang. Aber kann die Natur aufholen, was sie zerstört hat? Und dürfen die Winzer auf eine Schadens-Minimierung hoffen? Wir erkundigten uns bei Experten.
Ing. Manfred Birnstingl, Geschäftsführer der Weinbauregion Rebenland, in der rund 150 Betriebe vertreten sind, ist skeptisch. Ob die Bei-Augen, die nun an den Rebstöcken grüne Hoffnung vermitteln, einen Ernteschaden wettmachen können, bezweifelt er. Die nachwachsenden Trauben sind so winzig, dass sie kaum einen nennenswerten Ertrag liefern werden. Ing. Birnstingl schätzt einen durchschnittlichen Ernteausfall in der Region von 80 bis 90 Prozent. Er ist auch im Landes-Weinbauverband vertreten und zuversichtlich, dass Land und Bund (dieser über die Katastrophen-Hilfe) finanzielle Unterstützung leisten werden. Er rechnet auch mit einem gesetzlichen Grünen Licht für Zukauf-Möglichkeiten in anderen Weinbauländern.
Manche südsteirischen Weinbauern haben sich bereits bei ihren slowenischen Nachbarn, die nicht so schwere Frostschäden erlitten haben, um Traubenkontingente im Herbst erkundigt. Hier sieht Ing. Birnstingl allerdings keine Chance auf eine legitimierte Trauben-Einfuhr.

Die Erinnerung lebt

Die verheerenden Wetterkapriolen von Ende April haben auch Österreichs höchst liegendes Weingut in Schlossberg getroffen, berichtet Hugo Kapun vom Weingut Moser. Es liegt in 700 Meter Seehöhe. Einige der Schlossberger Betriebe kamen mit einem blauen Auge davon, erzählt Kapun. Auch seine Rieden waren anfangs von den Morgenfrösten verschont geblieben. Doch der darauf folgende Schnee sorgte für eine Strahlungskälte, die auch die jungen Rebentriebe hoch oben zerstörten. „So einen späten Frost“, erzählt Hugo, „hab ich zuletzt am 27. Mai 1977 erlebt.“ Das Datum hat er sich auch deshalb gemerkt, weil es sein Hochzeitstag war.
Auch Schutznetze, wie sie seit der Hagel-Katastrophe im Jahr 2009 der südsteirische Edelwinzer Erwin Tschermonegg verwendet, konnten die Reben nicht vor dem Kälteeinbruch bewahren, berichtet der Winzer. Er rechnet, dass die heurige Lese wegen der spät nachwachsenden Mini-Triebe acht bis zehn Wochen dauern wird.

Von Ernst Bieber
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