27.09.2016, 14:40 Uhr

Schlossgeschichte

Schloss Spielfeld im Laufe der Zeiten :

Das Landschaftsbild des Bezirkes Leibnitz dominieren Burgen und Schlösser, die auf Bergspitzen thronen. Nur das Schloss Spielfeld, erbaut auf mäßiger Höhe, nimmt man kaum wahr. Verkehrswege, wie Bahn und Straße führen entweder zu nahe oder zu weit entfernt vorbei, um dieses imposante Baudenkmal wahrzunehmen.

Namensgeschichte:

Der Name des Ortes Spielfeld weist auf seine Lage an der Grenze hin. Er geht auf „Spilje“, schauen, spähen zurück, nämlich Ausschau halten ins Feld, von einem Turm, der 1363 vermutlich auf dem abgegrabenen Bergvorsprung der Bahnstation stand. Das Murtal war schon in der Zeit der Kärntner Mark ein umkämpftes Gebiet. Im Raum Spielfeld verläuft die Sprachgrenze zwischen der deutschen und slowenischen Sprache, auch die Grenze zur ehemaligen Diözese Lavant, seit 1919 die Staatsgrenze gegenüber Jugoslawien. Im April 1945 hoben ungarische Soldaten einen Geschützstand unmittelbar vor dem Pfarrhof aus, denn die Stelle bot eine gute Übersicht, was man schon bei der Anlage des „turn zu Spilvelde“ erkannte.

Schloss Spielfeld, Sitz der Bezirksherrschaft:

Bereits im frühen Mittelalter begann die Neubesiedelung unserer Gegend. Die Herrscher vergaben große Ländereien als Lehen an Institutionen und verdiente Personen, die wiederum Gründe an Bauern zur Benutzung weitergaben. Die Grundherren waren auf die bäuerlichen Steuern in Form von Naturalien und Arbeitsleistungen angewiesen, denn damit finanzierten sie den Verwaltungs-aufwand, Betriebskosten und ihren eigenen Lebensunterhalt.
Die Inhaber der Herrschaft waren nicht nur mit unmittelbaren Aufgaben des Steuerbezirkes und Gerichtsbezirkes befasst, sie hatten auch mittelbare staatliche Aufgaben auszuführen. Dazu zählte auch die niedere Gerichtsbarkeit, der sogenannte „Burgfrieden“. Der Zuständigkeitsbereich des Spielfelder Schlossgerichtes umfasste allerdings nur einen Umkreis von zwei Stunden Fußmarsch. Das erforderte einen gewissen Personalaufwand und die Unterbringung der Verwaltung im Schloss. Als Behördenleiter fungierte ein Bezirks-Kommissär. Mit dem Verkauf der Herrschaft wechselte auch jedes Mal die Verwaltung. Alle noch offenen Aktenstück, waren zu erledigen, Forderungen oder Guthaben auszugleichen. Für die äußere Sicherheit, war Heeresdienst zu leisten.
Ein paktiertes Sozialsystem gab es damals noch nicht. Für die sozialen und kulturellen Belange war die Kirche zuständig. Die Herrschaft leistete einen Beitrag. Der Inhaber der Herrschaft Spielfeld, Joseph Rusky, spendete zum Beispiel 1829 für die „Abbrandler“ des Marktes Leibnitz 125 Gulden in Wiener Währung.

Bauherr General Heister:

Das Schloss Spielfeld als repräsentativen Bau konnte sich nur der kaiserliche General Graf Heister leisten, der, um sich zu kapitalisieren, einen gefährlichen Weg beschritten hatte, den Kampf gegen die Türken. Aus der osmanischen Kriegsbeute finanzierte der General im 17. Jahrhundert das prachtvolle Gebäude. Die drei Dachreiter auf den Türmen weisen auf General Heisters Vermögenserwerb hin, derselbe, dessen von einem Türkenpfeil durchschossener Hut in der „Ambraser Sammlung“ in Wien zu sehen ist. Sein Nachfolger, Hans Stübich, geriet bereits wieder in finanzielle Schwierigkeiten und suchte als Großfuhrunternehmer ein Zusatzeinkommen.

Die Grafen Katzianer:

Die Grafen Katzianer besaßen das Schloss von 1730 bis 1820. In ihre Ära grassierte in Spielfeld eine Pest Epidemie. Im Schlosspark errichtete die Herrschaft 1737 eine hohe, mit den Wappen der Stübiche und Katzianer geschmückte Säule, die mit einer Marienstatue gekrönt ist, vermutlich „ex voto“ nach dem Erlöschen der Infektion. Eine 1754 angeordnete Häuserzählung erbrachte für das Dominium Spielfeld 142 Untertans- und 62 Bergamtshäuser (Weinbauern).
Gemäß einer Gubernial-Verordnung vom 16. Oktober 1785 hatte die Vogts-Herrschaft Spielfeld neben dem Baugrund auch noch 100 Gulden für die Erbauung eines Schulhauses zur Verfügung zu stellen. Als Patronatsherrschaft war ihr das Recht eingeräumt, einen Seelsorger vorzuschlagen. Für die Herrschaft unterzeichnete „Cajetan Bouvier, Pächter, Spillfeld, den 16. Februari 1786.“ Joseph Ignaz Ragg war zu dieser Zeit Ortsrichter der Ortsgerichtsherrschaft Spielfeld. Im Schloss Spielfeld erholte sich seit Oktober 1802 der k. k. Sanitätsrat und Protomedicus Leopold Ritter von Plappart, der dort im 62. Lebensjahr am 27. Jänner 1803 an Entkräftung starb.
1820 meldet Joseph Graf Katzianer Konkurs an. Als Konkursverwalter wurde Dr. Stübinger eingesetzt, der die öffentliche Versteigerung der Bezirksherrschaft Spielfeld am 12. September 1820 ankündigte. Der Schätzpreis betrug 138.268 fl. (Gulden) 30 kr. (Kreuzer).

Die Herrschaftsbesitzer Rusky:

Als Elisabeth und Josef Rusky 1821 das Anwesen erwarben umfasste die Herrschaft Spielfeld insgesamt 6.015 Joch Grundbesitz in 12 Gemeinden, in denen 2.306 Spielfelder Untertanen lebten. Zum Gutsbesitz zählte auch ein Steinbruch am Platschberg aus dem vorzügliche Bausteine aus Sandstein gewonnen wurden. Ertragreiche Spezialkulturen wie 31 Joch Weingarten im Luttenberger Weingebirge (in Lukaufzen) und 9 Joch in Graßnitz bewirtschaftete der Gutsbesitzer selbst.

Als 1839 die Herrschaft Spielfeld wieder einmal zu Verkauf stand, räumte die Familie Rusky den Schlosskeller. Das nachstehende Lizitationsgebot lässt den Umfang der Weinwirtschaft erahnen:
„Weinversteigerung im Schloss Spielfeld.
Vereinigte Laibacher Zeitung vom 2. Februar 1839.
Z. 128 (1)
Wein-Licitation am 5. März 1839.
Bei der Bezirksherrschaft Spielfeld in Steyermark, zwischen der Kreisstadt Marburg und der Hauptstadt Graz, nächst der Hauptcommercialstraße liegend, ist durch den eingetretenen Verkauf derselben auch der ganze Weinvorrath derselben verkäuflich geworden. Dieser bestehet aus:
60 österreichischen Eimern 1833ger [1 Eimer 56.58 Liter]
570 österreichischen Eimern 1834ger
70 österreichischen Eimern 1835ger
110 österreichischen Eimern 1836ger
280 österreichischen Eimern 1837ger
400 österreichischen Eimern 1838ger
Davon sind nur mehr die 400 Eimer 1838ger in neuen Halbgebinden auf dem Lager befindend, die älteren Weine aber rein abgezogen, 810 Eimer auf großen Gebinden, und 280 Eimer in vollhaltigen Halbgebinden liegend. Alle Weine sind echt, rein, gut gepflegt, und selbst nach den Jahrgängen ganz unvermengt. Unter den Weinen vom Jahrgang 1834 sind 140 Eimer aus den berühmtesten Gebirgen Steyermarks befindlich, welche zum Abziehen auf Bouteillen geeignet sind, die übrigen 430 Eimer 1834ger sind aber aus guten Windischbüchler Gebirgen.
Zum Verkauf dieser Weine wird im Schloss Spielfeld am 5. März 1839
Eine öffentliche Versteigerung abgehalten, welche um 9 Uhr vormittags anfangen, ununterbrochen bis Abend dauern, und nöthigenfalls am nächstfolgenden Tag fortgesetzt wird.
Hiezu werden alle Herren Kaufliebhaber mit dem Bemerken zur zahlreichen Erscheinung eingeladen, dass die erkauften Weine längstens binnen vier Wochen abzuführen, und die zwei Drittheile des abgelegten Meistbothes bei der Abfuhr bar zu bezahlen sein werden.
Bezirksherrschaft Spielfeld am 20. Jänner 1839.“

Umfangreiche gewölbte Kellerräume mit gestampften Lehmböden, geeignet zur Aufnahme zahlreicher Weingebinde, erinnern noch heute an die Weingärten von Luttenberg und Graßnitz. Zur Ausrüstung des Weinkellers zählte eine sogenannte „Abschussvorrichtung“ (Kellerrutsche) für die Einlagerung der Gebinde.
Der neue Besitzer hieß Karl Hektor Graf Lucchesi Palli, Gatte der im Exil lebenden Tochter des französischen Königs Karl X. Er hatte die Herrschaft Spielfeld von 1840 bis 1846 in seinem Besitz.

Die Attems´sche Herrschaftszeit:

1846 kaufte Anton Graf Attems Schloss und Herrschaft Spielfeld von Graf Lucchesi-Palli. 75 % der mitgekauften Untertanen waren „Weinzerln“, 11.5 % Keuschler und 11.5 % Bauern. Die Privatherrschaft umfasste 6015 Joch 1527 Quadratklafter an Grundbesitz. Georg Wagner, der attems´sche Bezirks-Kommissär von Ehrenhausen, übernahm nun diese Funktion auch für Spielfeld.
Im September 1848 erschien in Österreich das kaiserliche Grundentlastungspatent, durch das ganz allgemein Ablösung von Zehent und Dienst möglich wurde. Die Herrschaft erhielt statt des Anteils an der Jahresernte, eine vom Staat garantierte Zehentrente, die eine sichere und stets gleichbleibende Einnahme war. Außerdem waren die Gutsbesitzer der Sorge um die Einbringung und Verwertung des Zehents enthoben.
Nach der Grundentlastung von 1848 gehören zum Schloss und landtäflichen Gut Spielfeld nur mehr 275 Joch (158.125 Hektar), davon 31 Joch Weingarten in Kapellen und bei 9 Joch in Graßnitz. Zum Grundkomplex verbleiben noch 65 Joch Wiesen, 33 Joch Acker, 4 Joch Park, 1,5 Joch Garten und 140,5 Joch Wald.

Mit der Auflösung der Grundherrschaften werden die Edelmannssitze zu Gutshöfen ohne politische Rechte. Zudem hatte das Gut durch die Grundentlastung einen bedeutenden Einnahmeverlust erlitten, der nicht zu ersetzen war. Man betrieb nun Wein- und Obstbau und Viehzucht, erzeugte Butter und Käse und verkaufte Bausteine aus dem eigenen Steinbruch. Die im Schloss freigewordenen Verwaltungsräume dienten nunmehr Wohnzwecken.
Mit der Grundentlastung ab 1848 entstanden die Ortsgemeinden und die bisherige herrschaftliche Administration ging in die Selbstverwaltung der Bewohner über. Durch das Reichsgemeindegesetz wurden 1862 die drei Katastralgemeinden Spielfeld, Obegg und Graßnitzberg zu einer Gemeinde fusioniert.

Der Erdboden von Spielfeld war zwar fruchtbar, doch etwas unruhig. Fast bei jedem vorbeifahrenden Zug erzitterte der Hügel unter den Erschütterungen. Durch Erdrutsche geriet der Hang in Bewegung. Die neben dem Schloss liegende Kirche, drohte einzustürzen. Trotz Beseitigung der Schäden im Jahre 1849 kam das Gelände nicht zur Ruhe. Die Behörden reagierten mit einem Betretungsverbot für das Kirchengebäude. Die Gottesdienste fanden nun 28 Jahre lang ersatzweise in der adaptierten Wagenremise der Herrschaft statt. Die Sanierung des Bauwerks dauerte vom Juli 1850 bis 30. September 1878. Um das Gotteshaus zu sichern, zog man Mauerschließen ein, wie sie auch in den Arkadengängen des Schlosses zu sehen sind. Für den Verkauf des Gutes im Jahr 1872 dürfte auch die unsichere Lage, die durch den Bau der Eisenbahn am Fuße des Hügels entstanden war, ausschlaggebend gewesen sein.

Einen großen Schrecken müssen die Erbeben in Spielfeld am 9. und 15. November 1880 ausgelöst haben. Dabei entstanden in der südlich des Schlosses befindlichen Kirche und Kuraten-Wohnung bedeutende Mauerschäden.

Der Sommersitz des Freiherrn von Bruck:

Nach Abschluss des Entlastungsverfahrens verkaufte Anton Graf von Attems das Gut 1872 an Karl Freiherr von Bruck, nachdem er immerhin 48.723 fl. 55 kr. an Entschädigungssumme lukriert hatte.
Karl Freiherr von Bruck sah in dem Schloss Spielfeld ein repräsentatives Refugium und schlug dort ab 1872 seinen Sommersitz auf; später blieb die Familie dort dauernd wohnhaft. 1886 bis 1895 war Karl Botschafter in Rom. Karl Freiherr von Bruck stirbt in Spielfeld am 9. November 1902, seine Gattin Alexandrine im Jahre 1911.
Der Gutsverwalter Franz von Seis errichtet bei der Viererwinzerei ein Feldkreuz und lässt es am 18. Mai 1887 weihen. Im Jahre 1904 erbauten die Schlossbesitzer im Schlosshof eine Messkapelle „Zur Heiligen Familie“, die der Dechant von Leibnitz Johann Reinisch am 25. August 1904 einweihte.

Einheirat des Diplomaten Baggavout:

Renée Minna Freiin von Bruck, geb. am 30. Juli 1863, blieb unvermählt. Marguerite Marie, die zweite Tochter von Karl Freiherr von Bruck, geb. am 23. Juli 1861, vermählte sich in Rom am 6. Februar 1889 mit dem russischen Diplomaten Baggavout. Nach Heirat der Freiin von Bruck mit Victor von Baggavout, Diplomat an der kaiserlichen russischen Botschaft in Rom, fand dieser bei seiner Schlossherrin in Spielfeld eine Unterkunft. Baggavout war in Russland begütert. Die Familie Baggavout bekannte sich zum evangelischen Glauben. Die Ära Baggavout sollte fast 120 Jahre dauern und turbulent werden.
Sohn Sergej verlor durch die russische Revolution und durch die beiden Weltkriege seine gesamten Besitzungen bis auf das Schloss Spielfeld.

Im Sommer 1915, nach der Kriegserklärung Italiens, quartierte man die Rekonvaleszenten des Inf. Reg. Nr. 97 (Triest) im Schloss und im Maierhof ein. Zu dieser Zeit erwähnt das Steiermärkische Hand- und Reisebuch 1914 Renée von Bruck als Schlossbesitzerin.
Nach dem Friedensvertag von St. Germain von 1919 verlor das Gut Spielfeld wertvolle Kulturflächen in der Untersteiermark. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen Schlossbesitzer und Bevölkerung eigene Wege. Im Jahre 1921 spendeten die Schlossbesitzerinnen Bruck-Baggavout der Kirche in Spielfeld einen Altarteppich, 1930 ein Messkleid und zwei Teppiche für die Seitenaltäre.
1922 stieg die Teuerung ungeheuer an. Infolgedessen war nicht daran zu denken, am Schlossgebäude irgendwelche Reparaturen vorzunehmen.
Der Grundbesitz der Herrschaft Spielfeld mit Weingarten in Kapellen bei Radeln umfasst 1926 insgesamt 145 Hektar. Die Jahre 1926 und 1927 waren für die Landwirtschaft ausgesprochene Missjahre.
1929 scheinen Margarethe von Baggavout, geb. Baronin von Bruck und Renée, Baronin von Bruck als Gutsbesitzerinnen von Spielfeld auf. Der Gesamtbesitz umfasst 145 Hektar, davon sind 55 Hektar Landwirtschaft, 75 Hektar Forstwirtschaft und 15 Hektar sonstige Flächen. Telefonbucheintragung im Mai 1937: Bruck Renée, Schloss Spielfeld, Tel. Nr. 1.
Nach der Zerstückelung des Herrschaftsgrundes 1932 ist Schloss und Park wirtschaftlich nicht mehr lebensfähig. Dem folgte die bauliche Verwahrlosung der Gebäude, die durch die Kriegseinwirkung bis 1945 ein bedenkliches Ausmaß annahm.

In den ersten Apriltagen 1941 erfolgte die erste militärische Einquartierung ins Schloss. Deutsche Truppen sammelten sich für den bevorstehenden Einmarsch nach Jugoslawien.
Am 19. März 1944 fielen in Spielfeld 156 Brandbomben, am 18. Dezember 1944, um 11 Uhr, erfolgt ein schwerer Angriff auf den Bahnhof und die Brücke durch alliierte Bomber. Druckwellen der Explosion, herumfliegende Splitter und die Erschütterung des Bodens verursachen Gebäudeschäden. Die Bomberverbände orientierten sich am Schloss Spielfeld. Am 13. Februar 1945 fielen in Graz so viele Bomben, dass in Spielfeld der Boden zitterte.
Am 1. April 1945 versteckte sich der Pfarrer aus Angst vor den herannahenden Russen mit dem Allerheiligsten im Schlosskeller, wo in der sogenannten Kellerrutsche ein Versteck eingerichtet worden war. Die Meldung erwies sich als falsch. Öfters war noch der Schlosskeller ein Zufluchtsort für den Spielfelder Pfarrer mit dem Sanctissimum. Gleich in den ersten Maitagen des Jahres 1945 sah man das deutsche Militär abmarschieren. Im Schlosspark standen Autos und verlassenes Heeresgut. Weil nur mehr für zwei Lastwagen Sprit vorhanden war, wurde der Rest der Fahrzeuge gesprengt.
Schon im Februar 1945 bereitete man die beiden großen Brücken für eine Sprengung vor. Am 8. Mai 1945, um 22 Uhr, ging das Gerücht um, die Sprengung der Brücken sei widerrufen worden. Der Pfarrer übernachtete trotzdem vorsichtshalber im Bügelzimmer des Schlosses, denn die Kapitulation der Deutschen trat erst am 9. Mai 1945 um 1 Uhr nachts in Kraft. Um 1 Uhr 35 Minuten erschütterte ein furchtbarer Krach das Schloss. Die Fensterflügel lagen mitten im Raum. Etwa 20 Minuten später flog die Straßenbrücke in die Luft. Schäden über Schäden, obwohl nur ein Achtel der Sprengladungen gezündet hatte.
Am 12. Mai 1945 begannen die Plünderungen; zuerst kamen die Bulgaren. Einige Frauen nächtigten aus Angst im Schloss. Das Kirchengerät wurde in einem Koffer verpackt und ins Schloss gebracht. Als der Koffer gefunden wurde, musste der Pfarrer ihn öffnen. Obenauf lag die Monstranz. Man zeigte Respekt und ließ die Sachen unberührt.
Sprachkenntnisse waren in dieser Zeit eine wertvolle Hilfe. Der Schlossherr Sergius von Baggavout konnte mit seinem Russisch so manches drohende Ungemach abwenden. Am 22. Juni 1945 lösten die Briten die Russen und Tito-Truppen ab. Wieder mussten viele Räume im Schloss für die neuen Besatzer freigemacht werden.
Am 11. Juli 1945 verstarb die Schlossfrau Renée Freiin von Bruck im 82. Lebensjahr. Zwei bulgarische Soldaten hatten in räuberischer Absicht ein Fenstergitter auseinander gebogen und waren ins Schloss eingestiegen. Das plötzliche Auftauchen der zwei Einbrecher erschreckte die alte Dame so sehr, dass sie an den Folgen eines Herzanfalles innerhalb von vier Wochen verstarb. Ihre Nachfolger in der Patronatsherrschaft über die Pfarrkirche Spielfeld fühlten sich 1948 nicht mehr verpflichtet, sich an der Beseitigung der Kriegsschäden der Kirche finanziell zu beteiligen. Das Herrschaftsoratorium wurde aufgelöst.

1950 spendete Fräulein Sophie Zlamal, ehemals Kammerzofe bei der Schlossherrin, für die Kirche einen Mittelstuhl samt Brokatüberzug; die beiden Nebenstühle mit den Samtüberzügen sponserte Frau Therese von Baggavout.

Im Jahre 1968 drohte dem Schloss Spielfeld noch einmal Gefahr aus der Luft: „Aufregende Minuten erlebten die 84 Passagiere einer deutschen Düsenmaschine während des Fluges über Jugoslawien, knapp bevor die Maschine die österreichische Luftstraße nahe Spielfeld erreichte: Plötzlich gab eine junge Frau aus einer Pistole einen Schuss ab. Die Frau, die den Schuss abgegeben hatte, war eine 25 Jahre alte Angestellte der deutschen Botschaft auf Madagaskar. Sie schoss aus einem doppelläufigen Damenrevolver in die Armlehne des Vordersitzes. Die Passagiere der in elf Kilometer dahinrasenden Maschine hatten großes Glück: Von der Armlehne wurde die Kugel in die Decke des Düsengiganten abgelenkt. Aber glücklicherweise durchschlug sie die unter Überdruck stehende Kabine der Boeing 727 nicht. Die Botschaftsangestellte ließ sich von der Besatzung die Pistole ohne Schwierigkeiten abnehmen. Vor der Polizei gab das aus Bayern stammende Mädchen später an, dass sich beim Hantieren mit der Handtasche aus ihr „unerklärlichen Gründen ein Schuss löste“. Der weiteren Dinge sei sie sich nicht mehr bewusst gewesen. Sie beteuerte, dass sie nicht die Absicht gehabt habe, einen anderen zu verletzen oder sich umzubringen. Die Botschaftsangestellte befindet sich jetzt in einer Heil- und Pflegeanstalt“, berichtete eine Zeitung.
Im Herbst 1986 fand auf Initiative der Schlosserbin Natalie Askari-Baggavout im Schloss Spielfeld ein Barock-Konzert statt. 1987 wird der Verein „Rettet das Schloss Spielfeld“ gegründet. Die aufgebrachten Mittel reichten für eine dringend notwendige Dachreparatur. Für die weitere Sanierung, war kein Geld mehr aufzutreiben.

Ein mutiger Neubeginn:

Den desolaten Gebäudekomplex erwarb Mag. Heimo Ecker-Eckhofen im Jahre 2007, dem wir die Rettung dieses bedeutenden Bauwerks verdanken. Schon seine Vorfahren hatten sich um die Steiermark besonders verdient gemacht.
Im freiherrlichen Taschenbuch von Justus Perthes, Jahrgang 1901, finden sich zum Stammbaum der Familie Ecker von Eckhofen folgende Angaben:
„Es handelt sich um eine katholische Familie mit Wurzeln in Bayern und Österreich. Wenzel Ecker, von Beruf oberster Zolleinnehmer in Schlesien, wird am 24. Oktober 1578 in den Ritterstand erhoben. Am 22. Mai 1817 erfolgte in Bayern die Erhebung in den Freiherrnstand.
Hans Julius Freiherr Ecker von Eckhofen, geboren in Nürnberg am 28.Februar 1796, königlich bayrischer Hauptzollamtsverwalter und Oberst der Landwehr, gestorben am 3. Dezember 1848.
Hans Ludwig Oskar, geboren in Bobingen bei Augsburg am 17. Juli 1828, gestorben in Eggenberg bei Graz am 27. Juli 1895, seit August 1868 Herr auf St. Gotthard, Steiermark, Dr. phil, königlich bayrischer Professor an der landwirtschaftlichen Zentralschule in Weyenstephan.
Hans Konrad Edgar, geboren in St. Gotthard am 13. Jänner 1869, k. k. Leutnant der Landwehr in St. Gotthard bei Graz.
Bertha Viktoria Franziska, geboren in St. Gotthard bei Graz am 18. September 1870.
Hans Karl Edgar, geboren in Augsburg am 17. Juni 1830, vermählt in Hof am 21. September 1867 mit Bertha von Sicherer, geboren am 16. Juli 1842 Villa Eckhofen in Graz.
Tochter: Elisabeth Johanna Friederike Karoline, geboren am 3. April 1875, vermählt in St. Gotthard am 22. Juni 1896 mit Justin Robert, Großindustrieller in Selowitz.“
Die Türen des Schlosses Spielfeld sind heute weit geöffnet; das war nicht immer so. Man kann dort heiraten, Ausstellungen besuchen und vieles mehr.

Benutzte Quellen:
Grätzer Zeitung vom 1. Mai 1795.
Medizinisch-chirurgische Zeitung vom 21. Februar 1803.
Wiener Zeitung vom 11. Oktober 1820.
Historisch topographisches Lexicon von Steyermark von Carl Schmutz 1823.
Gratzer Zeitung vom 29. September 1829.
Vereinigte Laibacher Zeitung vom 2. Februar 1839.
Handbuch des Herzogthumes Steiermark für das Jahr 1847.
Topographisches-statistisches Lexikon von Steiermark von Josef Andreas Janisch, 1885.
Freiherrliches Taschenbuch 1899 und 1901.
Das Steirische Hand- und Reisebuch 1914.
Jahr- und Adressbuch der Land- und Forstwirtschaft 1926 und 1929.
Pfarrchronik von Spielfeld.
Leibnitz Aktuell IX/87.
Kleine Zeitung vom Sonntag, den 28. Juli 1968.
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