06.10.2016, 15:35 Uhr

Schutz vor Traubendieben

Im 18. Jahrhundert bestand in Leibnitz eine Feldhüter-Innung, die vermutlich von Joseph II. 1780 aufgelöst worden war. In dem Marburger Kreis, besonders in den Windischen Büheln besteht seit alten Zeiten die löbliche Gewohnheit, in jedem Weingebirge einen Weingarthüter aufzustellen. Das berichtet 1820 der untersteirische Weinbaufachmann und Gutsbesitzer Rath. Diese werden entweder von den Weingartenbesitzern oder von dem Grundamtmann aus den verlässlichsten Leuten ausgewählt. Dies geschieht zu Bartholomä (24. August), wo nämlich anfangen die Weinbeeren weich zu werden. Von diesem Zeitpunkt an geht der Hüter bei Tag und bei Nacht um und durch die Weingärten; erhascht er einen Dieb, so straft er ihn entweder am Leibe oder Gelde oder liefert ihn dem Gemeinderichter ab. Als schädlichstes Raubtier galten für Rath die Menschen, die ganze Körbe oder Butten voll Trauben aus den Weingärten stahlen. Er schrieb dieses Übel der zu gelinden Gesetzgebung und ihrer milden Anwendung zu.

Als Zeichen seines Amtsantrittes stellte der Weinberghüter am erhabensten Punkt seines Hutbezirkes eine hohe, mit zwei Bündeln Weinlaub geschmückte Stange und daneben eine große Windklapper auf. Diese Kuriosität kann als akustisches Warnsignal für alle Traubendiebe gelten. Den Klapotez gibt es anscheinend nur in der Steiermark. Das Windrad, das im steirischen Grenzgebiet auch Klapotez (vom slowenischen Wort klopotati = klappern) genannt wird, dürfte aus den Weinbaugebieten Kroatiens und Slawoniens in die Windischen Büheln herübergekommen sein. Sie dienten früher als akustisches Signal für die Bevölkerung, dass die Weinberge gesperrt sind und für die Traubendiebe, dass ihre Zeit gekommen ist. Außerhalb der Steiermark informierten Piktogramme Analphabeten über die Sperren. In Südtirol brachten die Saltner (Bezeichnung für die dortigen Weinhüter) Warntafeln aus Blech an den Weingärten an, welche die Form eines Händepaares hatten und im Volksmund „Saltner Protzn“ genannt wurden. Sie sind wie die Klapotez ein letztes Warnsignal für Leseunkundige, denn Weingarten nicht zu betreten.

Versuche, Vögel aus Weingärten zu vergrämen:
"Um diese Räuber zu verscheuchen," schreibt der Weingutbesitzer Rath aus Ehrenhausen im Jahre 1820, „werden in den Windischen Büheln auf hohen Stangen Klappermaschinen oder sogenannte Windmühlen aufgerichtet, über deren Gerassel die Vögel am Anfang wohl ein wenig stutzen, aber nach und nach so vertraut mit diesen werden, dass sie sich gar darauf setzen. Vogelfraß zu verhindern, ist mit der Klapotez kaum möglich. Die gefiederten Nascher gewöhnen sich binnen kurzer Zeit an die Geräuschkulisse.“

In russischen Weinbaugebieten war 1834 folgenden Methode üblich: „ .. um die reifenden Trauben vor den Nachstellungen der gefräßigen Vögel zu sichern, werden im russischen Astrachan Knaben gemietet, welche sie von hohen Gerüsten herab durch unaufhörliches Geschrei und durch Steinwürfe Vögel verscheuchen müssen.“

Das Aufstellen von sogenannten Vogelscheuchen hatte gewöhnlich auch wenig Erfolg, da die Tiere, welche abgeschreckt werden sollten, entweder dieselben nicht beachteten oder sich an dieselben recht bald gewöhnten. Kleinere Vögel, wie Sperlinge, Ammern usw., konnte man am ehesten noch durch Klappermühlen, die vom Wind bewegt werden, durch Aufhängen glitzernder Spiegelscheiben, toter Vögel oder mit Federn besteckter Kartoffeln an einer Schnur, so dass sie von jedem Luftzug bewegt werden, beeindrucken. Gegen Starschwärme sowie das nächtlich einschleichende Haarwild nützten solche Scheuchen jedoch nichts.

Doch der deutsche Erfindergeist gab nicht auf: In einem großen elektronischen Werk in Villingen bei Stuttgart wurde 1967 die tönende Vogelscheuche konstruiert: „Ein elektronischer Vogelstimmenimitator, mit dessen Hilfe das Federvieh von Kirschbäumen, Erdbeerplantagen, Weingärten, aber auch von Flugplätzen vertrieben werden soll. Durch Warn- und Scheuchrufe schreckt der Apparat die „Erntediebe“ auf und vertreibt sie. Eine unregelmäßige Geräuschentwicklung hat die Wirkung, dass sich die Vögel nicht an die Elektronik gewöhnen und sozusagen immun werden. Für Menschen ist die Lärmbelästigung gering.“

Über eine nachhaltige Vertreibung von Schadvögeln aus Weingärten, egal mit welcher Methoden oder welchen Geräten, fand ich keine historischen Nachweise.
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Karl Pfurtscheller aus Stubai-Wipptal | 06.10.2016 | 16:11   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 06.10.2016 | 18:36   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 07.10.2016 | 14:49   Melden
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