02.09.2016, 16:14 Uhr

Wer kann´s nachkochen?

Alte Sterzrezepte aus der Steiermark:
Der Heiden-Sterz.
Man schüttet 1,5 Seidel [1 Seidel 0.35 Liter] Heidenmehl in schwach 4 Seidel siedendes Wasser und lässt es ungefähr 10 Minuten zugedeckt kochen, dann dreht man den ganzen Mehlkloß mit einem Kochlöffel um, das obere gegen unten, nachdem man das Mehl vom Rande des Kochtopfes gelöst. Man lässt es nun ebenso lange kochen, sticht aber während dieser Zeit einmal mit dem Kochlöffel durch den Mehlkloß hinab, damit das Mehl durch den Dunst besser anlaufen kann. (Macht man den Sterz von einer größeren Masse, so muss er auch im Ganzen eine halbe Stunde kochen.) Dann schüttet man etwas vom Wasser herab, lässt aber so viel daran, wie man glaubt unter das Mehl verrühren zu können und tut dies mit einem Kochlöffel zu großen Brocken. Nun schüttet am einige Loth [1 Loth = 17,5 Gramm] heißes Schmalz oder von ausgelassenen Speck (an Fasttagen Rindschmalz) darüber und lässt den Topf zugedeckt seitwärts am Herde ( an warmer Stelle) 15 Minuten stehen. Nach dieser Zeit zerreißt und zerbröckelt man es mit einer großen zweispitzigen Gabel, der sogenannten Sterz-Gabel, gibt es auf die Schüssel bergartig gehäuft und brennt heißes Schmalz oder Speckgrammeln darüber. Man serviert Rindsuppe dazu oder an Fasttagen gesottene Milch oder Schwammsuppe.

Der Pfannsterz oder das Brennkoch:
Zu 1,5 Seidel Auszugsmehl* nimmt man ein halbes Seidel ordinäres, salzt und mischt es gut, rührt so viel siedendes Wasser dazu, dass ein lockerer brockiger Teig wird, den man gleich in heißes Schmalz gibt und zugedeckt ein wenig rameln (eindicken) lässt, dann gleich anrichtet und Suppe und Milch dazu gibt.
*Auszugsmehl ist ein Qualitätsmehl, das besonders sorgfältig verarbeitet wird.

Der Türkischer Sterz:
2 Seidel Mehl gibt man in 4 Seidel siedendes Wasser (in einen 8 Seidel haltenden Topf) und lässt es zugedeckt eine halbe Stunde kochen, dreht jedoch nach einer viertel Stunde den Mehlkloß um, dass das Obere zu Boden kommt. Man rührt ihn wie den Heidensterz ab, schmalzt heiße Butter oder Rindschnalz oder Speckgrammeln darüber, und gibt ihn nebst Milch wie denselben.

Breinsterz:
Mit warmem Wasser mehrmals gewaschenen Hirsebrein (ungefähr 1,5 Seidel) kocht man mit gesalzenem Wasser, zugedeckt bei mäßiger Hitze weich und dick, wobei das Wasser ganz eingeht, schmalzt dann heiße Butter, in der man geringelte Zwiebel gelb anlaufen ließ, oder Fett von Speck darüber, lässt ihn eine Weile stehen, worauf man ihn wie Sterz auf die Schüssel bröselt und mit der Zwiebel und den Speckgrammeln bestreut.

Die Rezepte stammen aus dem Kochbuch "Die Süddeutsche Küche" der Grazerin Katharina Prato (Scheiger) aus dem Jahre 1867.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 05.09.2016 | 21:56   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 06.09.2016 | 12:11   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 06.09.2016 | 15:49   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 11.09.2016 | 08:35   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 11.09.2016 | 16:11   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 11.09.2016 | 19:30   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 15.09.2016 | 14:49   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 15.09.2016 | 17:54   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 15.09.2016 | 18:19   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 18.09.2016 | 16:57   Melden
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