06.05.2016, 15:39 Uhr

Zeitungsbericht zur Glockenweihe in Leibnitz

Arbeiterwille vom Freitag, den 22. August 1924.
Wie verschiedenenorts, so wurden auch in Leibnitz die Glocken zu Kriegszwecke abgelieferten Kirchenglocken durch neue ersetzt. Die Weihe derselben fand am Sonntag, den 17. August 1924, mit üblichem Aufgebot der christlichsozialen Vereine und Kriegervereine statt. Dass dabei auch auf dem Wagen der großen Glocke, welche den Namen „Heldenglocke“ führt, vier Mann im grauen Tuch und Stahlhelm teilnahmen, nimmt uns nicht wunder; dass eine Anzahl „Berittener“ aus den verschiedenen Umgebungsorten sich am Einzug beteiligte, ist mit der Lehre der „streitbaren Kirche“ hrmonisch. Hingegen erregte es den Unwillen manches Christen, dass bei der Feldmesse und Weihepredigt die Berittenen hoch zu Ross teilnahmen, während die unberittenen Gläubigen hinter den Pferden stehen mussten. Ist es schon so armselig mit dem Geist des Christentums bestellt, dass berittene Heimwehrmänner auf dem Pferd sitzend zur Staffage dem Gottesdienst bewohnen mussten und so Ursache des Ärgers anderer Andächtiger wurden? Gelten denn vor Gott die Pferde mahr als die gläubigen Schafe? Dass die Mannschaften der Feuerwehr sich für die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Dienst der Sache stellten, war gut; aber doch wäre es besser, wenn sich Hauptmannstellvertreter Gottfried Kappaun bei künftigen Anlässen eines weniger aufgregten Getues befleißigen würde. Dieser Herr besorgte mit einer Anzahl von Feuerwehrmännern die Räumung des Platzes hinter dem Turm von den angesammelten Zuschauern, um Platz für den Aufzug der Glocken zu schaffen. Dies geschah in feldwebelmäßiger Schenidigkeit und Rücksichtslosigkeit, so dass Gefahr bestand, dass Kinder sowie andere Personen fallen und von Nachdrängenden niedergetreten werden. Wir schätzen das Wirken der Feuerwehr gewiss, denn sie dient den Mitmenschen in den Stunden der Gefahr. Aber durch solches Vorgehen, wie es von dem Genannten geübt wurde, wird nichts geschützt, sondern Panik verursacht. Ebenso wurde die Rohheit eines anderen Mannes unwillig empfunden, der die Kinder, welche sich beim Aufzug der kleinen Glocke betätigten und in ihrem Eifer etwas zu schnell am Seil zogen, mit Ohrfeigen bedrohte. Wie bei solchen Veranstaltungen der Brauch ist, huldigte so mancher Teilnehmer an dieser Feier nach derselben dem unerläßlichen Alkohol und gaben dem Festtag die richtige Weihe durch Veranstaltung von Raufhändeln.
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