25.06.2016, 12:06 Uhr

Exit vom Brexit

Nach dem Mord an Jo Cox und einer gewonnenen Abstimmung seien die britische Bürgerinnen und Bürger wieder freie, selbstbestimmte Menschen, so oder so ähnlich sprach der UKIP-Boss am 24. Juni 2016, wohl wissend, dass dies nicht stimmt, denn plötzlich hat niemand mehr Interesse, einen Antrag nach Artikel 50 der Lissaboner Verträge zu stellen. Der Grund ist einfach: Wie sagt der schottische Schäfer, viel Lärm und wenig Wolle.
Die britischen Großgrundbesitzer sind ja nur solange gegen die Union, bis sie ihre Förderungen sicher wissen; der einzelne Mensch ist den UKIP-Betreibern ebenso egal, wie dem Geldadel. In ihren spanischen und portugiesischen Latifundien kassieren Prominente horrende Stilllegungsprämien, während sich Tausende einheimische Landarbeiter mit leeren Händen vom Acker machen müssen.
Wenn Nigel Farage seine Hände in die Höhe reißt und brüllt: Independence-Day, wessen Freiheit meint er dann? Ich frage mich, wie frei und unabhängig sind jene, die zu Hause auf einen Anruf warten, bis sie vielleicht irgendwo um ein paar Pfund einige Stunden arbeiten dürfen.
Es muss die Frage gestattet sein, wie sieht es mit der Demokratie in Europa überhaupt aus, wenn die Bevölkerung am Reichtum nicht beteiligt ist? Die Menschen sind von der Politik enttäuscht, wenn sie auf ihren Lohnzettel schauen oder einfach auf die Straße gesetzt werden. Eine geschürte Unsicherheit hat den Zweck, die Leidensfähigkeit der Masse zu steigern. Solange die Gesellschaft nicht bereit ist, den Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen zu gewähren, bleibt die Bevölkerung auf Krawall gebürstet.
Von den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der Union hängt es ab, wieviel die Eliten auf Kosten der Bevölkerung herausholen können, und ob es überhaupt zu einem Austritt Großbritanniens kommt.
Den Leuten vorzugaukeln, sie könnten sich aus asozialen Verhältnissen herauswählen, bleibt eine Illusion.
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