30.05.2016, 22:22 Uhr

Leibnitz, bist du schöner Felder, doch ...

Werden zukünftige Leibnitzer diese Felder nur noch als Bild im Stadtarchiv erleben können?
Leibnitz: BASTA |

... das BASTA liefert Gelder. Vielverbautes Österreich. Vielverbautes Österreich.

Damit die nächste Anpassung der Bundeshymne nicht auch noch dieser Änderung unterliegt und auch zukünftige Generationen in den Genuß dieser einzigartigen Landschaft kommen, erlaubt sich der Autor dieses Artikels einen Appell an die Gemeinde- und Stadtpolitikerinnen und -politiker, sowie an den Bürgermeister der Stadt Leibnitz und zugleich einen offenen Brief an die Bevölkerung von Leibnitz zu richten.

Liebe Leibnitzerinnen und Leibnitzer!
Wer kennt sie nicht, die lieblichen Felder und Wiesen hinter dem BASTA-Zentrum? Sie sind ein Ort der Entspannung zu jeder Jahreszeit. Überzeugen Sie sich selbst bei einem Spaziergang am Grallaweg, gerade jetzt in der schönsten Zeit, wenn das Korn reift, die Kräuter und Blumenwiesen duften, die Insekten eifrig beschäftigt sind, der laue Wind mit den Haaren der Spaziergänger spielt, der Fasan nach seinen Rebhühnern ruft, die Grillen in der glühenden Mittagssonne zirpen und wo nachts der Mond und die Sterne noch ein Stück Natur finden, im hellbeleuchteten Leibnitz den Nachtschwärmern den Weg zu leuchten.

Wer einen Bezug zu seiner Heimat hat, weiß sie zu schätzen. Nur wenn Sie die Schönheit dieses Naturjuwels selbst erlebt haben werden Sie einsehen, daß dieses Fleckchen Erde nicht einer weiteren Kaufhausmeile oder Wohnblocksiedlung für immer weichen darf!

Rege Bautätigkeit in Leibnitz
Derzeit sind ungewöhnlich viele Bauarbeiten in Leibnitz zu beobachten. Nicht alle haben das Recht, als Fortschritt betrachtet zu werden, so auch die eckige Schuhkarton-Siedlung hinter dem Gasthaus Frühwirth in Kaindorf, welche bis zur Lassnitz hingebaut wurde und mit ihrer Stahlbetonmauer den vorbeigehenden Naturfreunden eher unbehaglich anmutet.
Der Kreisverkehr zwischen LUTZ und BASTA-Zentrum zeigt leider eine ähnliche Tendenz, die auf die zukünftigen Baupläne der Leibnitzer Stadtväter hindeutet. Offensichtlich hat man schon in der Ära Kindermann Vorbereitungen getroffen, diesen Koloss aus Beton, Stahl und rosa Farbe nach Norden hin zu erweitern. Wenn dies tatsächlich geschieht, haben die Leibnitzerinnen und Leibnitzer ein weiteres Rückzugsgebiet zur Erholung in Zeiten des Turbokapitalismus endgültig verloren.

Appell
Sehr geehrte Damen und Herren der Leibnitzer Stadt- und Gemeindepolitik!
Geschätzter Herr Bürgermeister Helmut Leitenberger!

Nach der Gemeindezusammenlegung Kaindorf-Leibnitz-Seggauberg im Jahr 2013 - bei der die Bevölkerung so vorbildlich in den Entscheidungsprozeß miteingebunden wurde -, fällt nun auch dieses Gebiet in Ihren Verantwortungsbereich.
Lassen Sie nicht zu, daß diese schönen Blumenwiesen und Getreidefelder dem sogenannten 'Fortschritt' in Leibnitz zum Opfer fallen! Sichern Sie auch den nächsten Generationen diesen idyllischen Ort der Ruhe und der Harmonie.
Setzen Sie hingegen Maßnahmen für unsere steirischen Bauern, damit sie am sogenannten "Freien Markt" nicht dem ruinösen Wettbewerb ausgesetzt werden. Der Bauer ist die Nahrungsgrundlage der Bevölkerung. Ermöglichen Sie durch verantwortungsvolle, nachhaltige Politik es auch in Zukunft noch Landwirten, nicht nur zu überleben, sondern auch zu leben.
Die völlig wirklichkeitsfremden und existenzbedrohenden Preise zwingen nun selbst die letzten verbliebenen Landwirte, ihren Hof zuzusperren und ihre Felder an Industrielle und Bauherren von Wohnhäusern zu verkaufen.

Gefährdete Lebensqualität
Es ist Ihnen allen ein offenes Lob für die bisherigen Entwicklungen auszusprechen. Sie haben erreicht, daß Leibnitz an Einwohnern enorm gewachsen ist und gleichzeitig ein attraktiver Wohn-, Arbeits- und Freizeitort geblieben ist. Das beispiellose Angebot an medizinischer Versorgung und die Bemühungen in umweltschonende Technologien zu investieren sind nur zwei Aspekte daraus.
Doch Ihrer Bemühungen, Leibnitz auf Kosten unberührter Naturflecken zu einer Großstadt zu machen, sind genug. Das Nahrungsangebot von über 13 Großmärkten auf einer Fläche von 36 km² hat unvorstellbaren Überfluß mit sich gebracht. Die 'Neuen Leibnitzer' sind größtenteils keiner erhöhten Geburtenrate geschuldet, sondern Binnen-Migrationsbewegungen von den sich leerenden Städten aufs Land. Setzen Sie die Bevölkerung nicht der Gefahr einer Verminderung ihrer Lebensqualität zugunsten von Prestige-Projekten aus. Setzen Sie hingegen ein Zeichen der Verantwortung! Beseitigen Sie die nordwestliche Abfahrt und schließen Sie den Kreisverkehr in Richtung B74 endgültig!

Verantwortung auch nach Ende der Amtsperiode
Wir kennen in der Bevölkerung den viel bemühten Spruch "Fortschritt statt Stillstand". Ich darf Sie mit allem gebührenden Respekt darauf aufmerksam machen: Übersehen Sie nur nicht den Punkt, an dem Ihr Fortschritt zum Rückschritt avanciert und der dezente "Stillstand an Warenhäusern und Wohnblöcken" geboten wäre.
Denn auch wenn Sie nach der nächsten Wahl nicht mehr in Ihren Sesseln sitzen werden, haben Sie Ihre derzeitigen Aktivitäten zur Wegbereitung und Grundsteinlegung derartiger Bauprojekte vor der Leibnitzer Bevölkerung zu verantworten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.