09.06.2016, 13:50 Uhr

Mit Gottvertrauen auf Europa schauen

Ein Sprichwort sagt: Was lange währt, wird endlich gut! Diese Erkenntnis hat allerdings auch einen Pferdefuß, denn nur jene, die ausreichend Geduld besitzen, dürfen auf einen positiven Abschluss hoffen. Schon seit langem gilt die Geduld, als die höchste aller Tugenden. Verzögerung, das heißt nicht Zurückweisung.
Es erhebt sich die Frage, warum kommt es zu Rückschlägen, gerade bei der Umsetzung von Projekten, die uns erstrebenswert erscheinen müssten? Dabei denke ich an die europäischen Integrationsbestrebungen, die seit Jahrhunderten nur langsam vorankommen. Die Idee, Europa zu vereinen, ist nicht neu, eher utopisch. Leider fehlte schon früher die Geduld, abzuwarten, bis die Illusion auf friedlichem Wege Wirklichkeit werden konnte. Statt zu sich zu gedulden, bis die Menschen von selbst zusammenfanden, ergriffen narzisstische Machtmenschen die Initiative und beschritten den Weg der Eskalation. Auch außerhalb Europas, z. B. in den USA, führte die Ungeduld von 1861 zu einem fürchterlichen Sezessionskrieg.
Solche Fakten dürfen wir nicht unreflektiert stehen lassen. Heute befinden wir uns ebenfalls in einer prekären Situation, was den Zusammenhalt betrifft. Europa wird sich vereinigen, egal wie lange wir darauf warten müssen; es wird aber nur friedlich geschehen können.
Es fehlt heute nicht an gewissenlosen Widersachern, die sagen: es muss an der Europäischen Union liegen, die in der Vergangenheit etwas falsch gemacht hat, wenn die Integration so lange dauert. Die Ursache sehe ich in der Ängstlichkeit jener Menschen, die lieber in eine Vergangenheit zurückkehren wollen, die mich schaudern lässt, als die Zukunft zu wagen. Wenn das Friedensprojekt Europa scheitert, dann Gnade uns Gott.
Das Alte Testament berichtet im Buch Mose ab 13.1 über die Zweifel der Israeliten, die das Projekt Kanaan, wider besserem Wissens, für nicht umsetzbar hielten und deswegen 40 Jahre mutlos in der Wüste herumirrten, bis sie es endlich geschnallt hatten.
Nicht nur die Regierungsparteien und die Opposition, wir alle arbeiten gemeinsam am Projekt Europa, wenn auch mit verschiedenen Zielsetzungen. Wie sagt Mephisto in Goethes Faust: Ich bin jene Kraft, die stets Böses will und doch Gutes schafft!
Ich hoffe, dass unsere Enkel einmal auf ein geeintes christliches Europa zurückschauen und sagen, wir hätten es nicht besser machen können. Dafür tragen wir eine große Verantwortung.
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Christian Gorinsek aus Leibnitz | 11.06.2016 | 10:39   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 12.06.2016 | 15:54   Melden
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Christian Gorinsek aus Leibnitz | 12.06.2016 | 16:58   Melden
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