25.04.2016, 14:40 Uhr

Wahlanalyse

Die Bundespräsidentenwahl hat bereits im ersten Wahlgang ein Ergebnis gebracht, das nicht ganz unerwartet kam: Eine schon lange fällige Abrechnung mit den Sozialdemokraten und der Österreichischen Volkspartei. Die Grünen und Neos blieben verschont, weil sie nicht als wahlwerbende Parteien kandidierten. Die Demolierung der ehemaligen Großparteien als Folge eines Rechtsrucks in der österreichischen Bevölkerung zu sehen, ist nur oberflächlich betrachtet richtig. Im Grunde genommen wollen die Leute jetzt den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Letzten Endes holt auch die Freiheitliche Partei bald der Politikfrust ein, wenn sie koaliert.
Der Anfang für die Ablehnung der Regierungsparteien liegt im Kuschelkurs der SPÖ mit der ÖVP. Die sogenannte Reformpartnerschaft, die dazu führte, dass die SPÖ ihre Wähler in der Steiermark um den Wahlerfolg gebracht worden sind, hat ja nichts mit Reform zu tun; sie dient nur dem Machterhalt. Gerade das Verhalten der Funktionäre auf der unteren Ebene wirkt frustrierend auf die Sympathisantinnen und Sympathisanten. Die Leute frequentieren die Ortsparteileiter, weil sie einen Job suchen, eine Wohnung oder eine Baubewilligung benötigen oder fürchten gemobbt zu werden. In ihrem Inneren widerstrebt es Ihnen, erfolgloser Bittsteller geworden zu sein.
Das gerade die Entscheidungen der Regierung am Wahlverhalten der letzten Wahlen schuld sein sollten, dazu fehlt mir jeder Beweis. So haben im Bezirk Leibnitz doppelt so viele den Kandidaten Hofer gewählt, als im Bezirk Fürstenfeld; da frage ich mich, haben die Fürstenfelder eine andere Regierung?
Als sicheres Rezept für eine Partei, egal welcher Ideologie, sich selbst in die Luft zu sprengen, halte ich Präpotenz und Arroganz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie die Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen. Wenn jemand glaubt, nur weil er in der politischen Tombola ein Pöstchen gewonnen hat, nicht mehr grüßen zu sollen oder behauptet, deine Stimme brauche ich nicht, dessen Narzissmus bringt den Spitzenkandidaten in eine ungünstige Ausgangslage. Das lässt sich dann nicht mehr durch Propaganda wettmachen.
Weder Hundstorfer noch Khol haben alleine Schuld am Wahlverhalten, das trifft auch die subalternen Funktionäre, denen es oft an Empathie mangelt. Statt Personen auszutauschen, wäre es ratsamer, das unreflektierte Verhalten zu hinterfragen; gerade was Prinzipientreue und Egoismus betrifft. Das gilt übrigens für alle politischen Organisationen.
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