21.06.2016, 16:13 Uhr

Erfindergeist aus Eisenerz: Der Pionier der Zeitlupentechnik

Programmpräsentation von "eisenerZ ART" 2016: Alexandra Riewe (Co-Kuratorin Projekt Zeitlupe), Gerhild Illmaier, künstlerische Leiterin, Elisabeth Fiedler (Leiterin Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark) v.l.
EISENERZ, GRAZ. Die Fußballeuropameisterschaft ist in vollem Gange, oft ärgern sich Fans über vermeintlich falsche Schiedsrichterentscheidungen. Dabei vergessen sie, dass der Unparteiische oft in Sekundenbruchteilen die Situation beurteilen muss, während der Fernsehzuschauer die Spielszene mehrmals präsentiert bekommt – oft auch in Zeitlupe.
Aber haben Sie gewusst, dass die Zeitlupe in Eisenerz erfunden wurde? Am 3. Dezember 1904 meldete August Musger, ein Priester mit technischen Ambitionen, sein ersten Patent an: Den "Serienapparat mit Spiegelrad".
Der Apparat konnte nicht nur Bilder wiedergeben, er machte auch Aufnahmen möglich, und zwar so, dass damit eine "Dehnung des Zeitmaßstabes" erzielt wurde. Diese geniale Idee war die Grundlage für Aufnahmen in Zeitlupe.

Erfinderschicksal

Beim Bau eines Prototyps kam es jedoch zu Verzögerungen, die letztlich 1912 dazu führten, dass August Musger sein Patent aufgrund seiner finanziellen Lage aufgeben musste. Der Techniker Hans Lehmann war durch intensive Briefkontakte mit Musger über die Entwicklungsergebnisse informiert. 1914 stellte er mit der Firma Ernemann einen Zeitlupenapparat der Öffentlichkeit vor. Dass dieses Gerät auf einer Erfindung August Musgers basierte, wurde jedoch an keiner Stelle erwähnt.
Am 30. Oktober 1929 starb August Musger im Alter von 61 Jahren verarmt an einer schweren Krankheit in Graz.

Kunst im öffentlichen Raum


Als Erinnerung an den "großen Sohn" der Stadt Eisenerz soll in der Erzbergstadt ein zeitgenössisches Denkmal entstehen. Dazu hat die Kulturinitiative "eisenerZ*ART" einen Wettbewerb ausgeschrieben (siehe Infobox rechts). "Wir wollen damit August Musger würdigen. Dies scheint umso mehr angebracht, als wir heute in einer Zeit der fortschreitenden Beschleunigung, mit allen negativen Effekten, leben. Da wird Verlangsamung wieder zu einer Qualität. Im Rahmen er Neupositionierung und Identitätsfindung von Eisenerz kann dies ein wesentlicher Faktor sein", sagt die künstlerische Leiterin Gerhild Illmaier.
Der Wettbewerb soll dazu einen Beitrag leisten und zudem den Auftakt zu einer längeren Beschäftigung mit dem Thema Zeit bzw. Zeitlupe in seinen verschiedenen Facetten bilden.
"Dabei ist der Denkmalbegriff – wie er vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum praktiziert wird – im Sinn einer zeitgemäßen Erinnerungskultur zu verstehen und weit gefasst. Er beschränkt sich nicht auf skulpturale Umsetzungen, sondern kann in jedem künstlerischen Medium formuliert sein, wie etwa interaktive, partizipative oder performative Prozesse, digitale Medien oder Musik", ergänzt Illmaier.

Der Wettbewerb

Dieser Realisierungswettbewerb für ein zeitgenössisches Denkmal für August Musger, den "Erfinder der Zeitlupe", richtet sich an Kunstschaffende sowie an Studierende oder AbsolventInnen einer künstlerischen bzw. kreativen Ausbildung (ab 18 Jahren). Der Denkmalbegriff ist im Sinn einer zeitgemäßen Erinnerungskultur zu verstehen und ist weit gefasst.
Digitale Einreichungen(A4-Dossier und A1-Plakat) werden bis 1. August entgegen genommen, eine Fachjury wählt die besten 21 Beiträge aus, die dann als Plakate im öffentlichen Raum von Eisenerz ausgestellt werden.
Das Siegerprojekt wird am 18. August um 19 Uhr im Rahmen des Rostfests vorgestellt. Die Umsetzung soll nach Maßgabe der Möglichkeiten 2017 erfolgen.
Als Preisgeld winken dem Gewinner 1.500 Euro. Darüber hinaus wird im Zuge des Rostfests ein mit 500 Euro dotierter Publikumspreis vergeben.
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