04.10.2016, 10:52 Uhr

Big Brothers and Sisters: Ein großer Bruder vom Wunschzettel

Das Tandem PJ und Tristan (v.l.) kommt aus der Leopoldstadt. Die beiden kennen sich seit zwei Monaten.

Kinder mit besonderen Bedürfnissen können sich bei "Big Brothers Big Sisters" große Geschwister aussuchen.

LEOPOLDSTADT. Ob für Scheidungskinder, die keinen Kontakt zum Vater haben, oder Kinder alleinerziehender Mütter, die berufstätig sind und wenig Zeit haben: Für diese Kinder und Jugendlichen wurde das "Big Brothers Big Sisters"-Modell mit Sitz in der Leopoldstadt ins Leben gerufen.

Unter dem Motto "Miteinander Lachen – Voneinander lernen!" kümmern sich ausgewählte "Geschwister" ehrenamtlich um Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren. Oft haben die Bezugspersonen auch Familienanschluss und bilden zusammen mit den Kindern ein Tandem. "Das 'Big Brothers Big Sisters'-Modell ist ein Mentorenprogramm, das aus den USA kommt und weltweit seit über 100 Jahren funktioniert", so Oliver Weniger. Er ist der Gründer von "Big Brothers Big Sisters Österreich" mit Sitz in der Praterstraße 60.

Chemie muss passen

Weniger kommt aus der Bewährungshilfe von jugendlichen Strafgefangenen, was für ihn mehr als nur ein Job war. "Wer sich Zeit nimmt und auf die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen eingeht, wird schnell zu einer wichtigen Bezugsperson. So kann man Inhalte vermitteln, wichtige Erfahrungen weitergeben, ohne ständig den Zeigefinger zu heben." Gründliche Interviews mit den künftigen Mentoren und den Schützlingen, eine eigene Mentorenausbildung und Begleitung während der gesamten Mentorentätigkeit sind für den Verein selbstverständlich. Nur so könne man nämlich zwei Tandempartner finden, die auch wirklich gut zusammenpassen. Wenn dann Interessen, Stärken und Wünsche ausgelotet sind, wird beim ersten persönlichen Kennenlernen auch abgecheckt, ob die Chemie passt. Und beide müssen sagen: Ja, ich will. Denn Mentoring basiert auf einer komplett freiwilligen Basis. Ohne Kosten für die Kinder und als Ehrenamt für die Mentoren. Eben wie bei Brüdern und Schwestern. Freiwillig sind auch die Treffen, die sich das Tandem selbstständig ausmacht. Einmal pro Woche zwei Stunden ist der Regelfall. Aber das hängt vom jeweiligen Tandem ab. 90 Tandems gibt es aktuell bei den "Big Brothers Big Sisters".

Freunde fürs Leben

Noch in der Pilotphase vor der Vereinsgründung im Juli 2014 haben sich Tim, heute zehn Jahre alt, und sein Mentor Fabian kennengelernt. Der Leopoldstädter Fabian hat inzwischen sein TU-Studium abgeschlossen, Tim besucht die erste Klasse im Gymnasium. Mittlerweile sind sie dicke Freunde. "Ich bin alleinerziehend und Tim hat keine Geschwister, aber viele Interessen und Talente, bei denen ich nicht helfen kann. Außerdem ist eine männliche Bezugsperson wichtig für seine Entwicklung", so Tims Mutter.

Familienleben einmal anders

Ein relativ junges Gespann sind der zehnjährige PJ von den Philippinen und sein großer Bruder Tristan. "Er möchte, dass ich ihn einmal von der Schule abhole", erzählt Tristan (27), seit zwei Monaten sein Tandempartner und genau der große Bruder, den sich PJ gewünscht hat.

"Ich bin selbst als Arbeiterkind aufgewachsen und wollte nach meinem Studium unbedingt als 'Big Brother' einem jüngeren Kind mit Migrationshintergrund zur Seite stehen", so Tristan. Man trifft sich zum Frühstücken, am Spielplatz oder zum Trampolinspringen. Dann kocht PJs Mama für alle. Wie in einer richtigen Familie eben. Alle Infos zum Projekt im Zweiten gibt’s unter www.BigBrothers-BigSisters.at
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