18.05.2016, 11:36 Uhr

Atzgersdorf – eine Liebeserklärung

Der älteste Gemeindebau von Atzgersdorf erstrahlt seit seiner Sanierung in neuem Glanz. (Foto: Fischer)

Verlorene Gegend oder ein Grätzel im Aufschwung? Eine Betrachtung.

LIESING. Noch nie war Atzgersdorf so viel in den Medien. Als verlorene Gegend wurde das Grätzel etwa im Profil bezeichnet. Um als Innenstadtbewohner die echte Welt mit Problemen – abseits von Soya-Chai-Latte und Bio-Stoffsackerln – kennenzulernen, müsse man an den Stadtrand nach Liesing fahren, schrieb Vice.

Das war zwar kein direkter Verweis zu Atzgersdorf, ist jedoch trotzdem als Reaktion um die Aufregung rund um die Asyldemos - im Bezug auf den ersten Durchgang der Bundespräsidentenwahl - zu betrachten. Aber ist Atzgersdorf wirklich so verloren?

Keine Integration?
Zu späte Information rund um das Flüchtlingsheim hat für Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Daraufhin gab es eine Petition und eine Demo. Aber nach Info-Veranstaltungen und dem Anlaufen des Projekts funktioniert das Zusammenleben.

Rund 160 Menschen engagieren sich beim Netzwerk Solidarität 23 für ein gutes Miteinander – gemeinsam kochen und sporteln inklusive. Soziales Engagement hat in Atzgersdorf übrigens schon Tradition. Der McDonald’s in der Breitenfurter Straße gibt seit mehr als zehn Jahren Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten einen Arbeitsplatz.

Fehlende Infrastruktur?
Die Öffi-Verbindung könnte besser sein, ja. Aber bei Bauprojekten – die bei direkten Anwohnern nicht immer auf Gegenliebe stoßen – werden Nahversorger und Bildungseinrichtungen mit eingeplant. Bei den Unilever-Gründen zum Beispiel entsteht ein Spar und auf dessen Dach eine 17-klassige Volksschule.

Trostlos?
Nur riesige Fabriksgebäude und graue Fassaden – auch das trifft auf den Bezirksteil nicht mehr zu. Der Atzgersdorfer Kirchenplatz wurde umgestaltet, es gibt neue Sitzgelegenheiten. Die Kirche wird am Abend in sanftes Licht getaucht. Der älteste Gemeindebau des Grätzels auf der Breitenfurter Straße wurde saniert und ist mit seinem freundlichen Gelb zu einem Blickfang geworden.

Keine Kultur?
Chelsea, U4, Flex? Bekannte Namen von Lokalen sucht man in Atzgersdorf nach wie vor vergebens. Trotzdem wird das Leben im Grätzel immer bunter. In der ehemaligen Sargerzeugung sorgt der Verein F.23 mit Events, Diskussionen und Theater für einen Aufschwung im Kulturleben. Vergangene Woche hat die österreichische Band "Kids N Cats" ihr Musikvideo dort gedreht. Mit der Ziegel-Optik und dem Lagerhallen-Flair kann die Sargfabrik locker mit In-Locations wie der Arena mithalten.

Außerdem entsteht ein Freiluftsupermarkt, bei dem man frische Zutaten pflücken kann. Atzgersdorf wird also hip. Da können bald alle Soya-Chai-Lattes und Bio-Stoffsackerln einpacken.

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Alois Fischer aus Liesing | 18.05.2016 | 16:32   Melden
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