24.05.2016, 14:25 Uhr

"Objektiver Journalismus" - gibt es den überhaupt noch?

Irgendwann wurde ich gefragt, ob Journalismus objektiv sein könne.
Eine schwierige Frage, die mich seitdem beschäftigt. Ich habe verneint, doch könne man versuchen ausgewogen und sorgsam zu arbeiten, habe ich geantwortet.
Aber eigentlich geht es ja um mehr. Die Medien werden immer wieder beschuldigt nicht "objektiv" zu sein, doch sind es denn die Leser, Hörer oder Zuschauer?

Es ist der Alptraum jedes ehrgeizigen Journalisten: Er stößt auf Fakten, recherchiert, trägt Beweise zusammen, arbeitet eine Story aus, die höchste Wellen schlagen sollte. Dann erfolgt die unanfechtbare Entscheidung des Chefredakteurs: Nein, darüber berichten wir nicht! Sie glauben, das wäre ein Einzelfall? Ganz im Gegenteil: Es ist die Regel. Und was bindet Journalisten trotzdem an die marktführenden Zeitungen und Fernsehanstalten? Natürlich die Notwendigkeit des Geldverdienens. Nur den Marktführern steht das Budget zur Verfügung, nennenswerte Honorare zu bezahlen.

Wer sich die Mühe macht, das Internet für seine eigenen Recherchen zu nutzen, wird bald erkennen, dass die Welt, wie sie von den Massenmedien präsentiert wird, nur wenig mit jener Welt zu tun hat, in der wir leben. Allerdings, derartige Eigeninitiative erfordert nicht nur eine gewisse Erfahrung, sondern auch einen entsprechenden Zeitaufwand. Dementsprechend ist es leider Tatsache, dass sich die überwiegende Mehrzahl unserer Mitbürger schlichtweg durch die etablierten Medien berieseln lässt. Letztendlich wirkt ja auch alles abgerundet. Und wenn alle namhaften Nachrichtenquellen mehr oder weniger das Gleiche berichten, dann wird schon was dran sein.

Die Wahrheit sieht natürlich ganz anders aus. Geld regiert die Welt. Kommerzielle Interessen stehen im Vordergrund. Teilweise liegt es an den Besitzverhältnissen, teils an Forderungen zahlungskräftiger Werbekunden. Diese Gepflogenheiten sind nicht nur bei kommerziell orientierten Medien vorherrschend, sondern auch bei den öffentlich-rechtlichen.

Für Journalisten ist es eine enorme Belastung, Informationen zu sammeln, erstklassige Beiträge auszuarbeiten, und sich dann plötzlich mit dem Problem konfrontiert zu finden, dass diese Informationen einfach nicht weiter gegeben werden. Und diese Situation wiederholt sich immer und immer wieder

Nehmen wir aber einmal an, es gäbe sie tatsächlich - "die Wahrheit", was würde es bringen sie zu kennen?
Es geht im Leben darum die eigenen Interessen harmonisch mit denen der Mitbürger zu koordinieren. Korrekte Sachverhalte zu bekommen kann hier unter Umständen nützlich sein, und doch bleibt es oft ein Nebenschauplatz der Aufgaben, die ein Mensch zu bewältigen hat.

Ich habe Hochachtung vor Menschen die diese Sachverhalte korrekt darstellen und mir so Entscheidungen zur korrekten Meinungsbildung erleichtern, jedoch mache ich diese zu suchen, nicht zur Hauptaufgabe meines Lebens. Natürlich kann ich nicht sagen ob es anderen Menschen gleich geht, aber es würde zumindest erklären warum viele sich nur sekundär für die tatsächlichen Gegebenheiten interessieren.
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