20.09.2016, 16:30 Uhr

"Bist du deppat, ist es schön hier"

Ex-Ski-Star Hans Knauß erzählt über seine Tätigkeiten nach dem Winter und was er am Ennstal schätzt.

Im Winter kennt man Sie als Co-Kommentator. Was machen Sie den Sommer über?
HANS KNAUSS: Der Sommer ist sehr abwechslungsreich. Mit dem Skisport habe ich sehr wenig zu tun. Das ist auch gut so, ich brauche auch einmal ein bisschen Abstand. Sobald der Weltcup-Winter vorbei ist, geht meine Tätigkeit als Werbetestimonial erst richtig los. Speziell im Frühjahr und Herbst mache ich Vorträge über Motivation und Zielsetzung. Mit einer Grazer Firma bin ich auch im Immobiliengeschäft tätig. Das hat mich auch schon während meiner aktiven Zeit interessiert. Du kannst dadurch nie schnell reich werden, aber es ist eine gute Grundlage. Die ruhigste Zeit sind der Juli und der August. Das ist aber auch das Schöne: Weil genau dann haben meine Kinder Ferien.

Wie halten Sie sich für den Winter fit?
Die Kamerafahrten sind noch immer ein Kick in meinem Leben. Das zwingt mich aber auch im Sommer dazu, etwas zu tun. Bei schlechtem Wetter gehe ich ins Fitnessstudio, ansonsten gehe ich auf einen Berg oder fahre mit dem Rad.

Haben Sie noch Kontakt zu aktiven Athleten?
Ich kenne natürlich noch einige aus meiner aktiven Zeit, wie Hannes Reichelt oder auch Aksel Lund Svindal. Beide sind so nette Teufel, von denen kannst du alles haben. Ich frage sie auf der Piste nur ganz selten etwas, weil ich sie nicht in der Konzentration stören will.
Aber dann gibt es wieder andere Athleten, wie den Dominik Paris. Wenn ich ihn nicht stören will, dann schreit er mir nach: "Hey, bringst dei Pappn neama auf?"
Mit jungen Läufern, die ich noch nicht so gut kenne, rede ich ein paar Mal beim Liftfahren, damit ich sie auch besser einschätzen kann.

Knappe Entscheidungen haben Sie verfolgt. Wie lange dauert es, bis man darüber weg ist?
Ich habe heute noch gemischte Gefühle. Ich habe mich lange gefragt, warum habe ich nicht Weltmeister werden dürfen? Meine Theorie: Es ist eine Prüfung im Leben, einen gewissen Sinn wird es schon haben. Wenn ich acht Hundertstel schneller gewesen wäre, hätte ich zwei Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und zwei Bronzene bei olympischen Spielen gewonnen.

Steht der Abfahrtssieg auf der Streif über allem Erreichten?
Der Sieg in Kitzbühel war der Ritterschlag, auf einmal warst du wer. Wenn ich danach durch Wien gegangen bin, sind Autos stehen geblieben und wollten ein Autogramm von mir. Das war ein unglaubliches Gefühl.

Sie geben auch Vorträge über Zielsetzung und Motivation, wie ist es dazu gekommen?
Der Beginn war, dass ich öfters zu Firmenfeiern eingeladen wurde und eben über meine Karriere erzählt habe. Ich war dort viel nervöser als bei Ski-Rennen. Es gibt viele deutlich erfolgreichere Personen, nur vielleicht habe ich das Talent, dass ich die Leute auf meiner Reise mitnehmen und sie dadurch motivieren kann. Ich hatte immer ein Ziel und genau darum geht es. Das musst du den Menschen mitgeben. Menschlich gesehen, lernst du aus einer Niederlage mehr. Du musst an dich selber glauben, es dir beweisen, das versuche ich den Leuten weiterzugeben.

Wie geht es Ihnen, Ihrer Tochter bei Ski-Rennen zuzusehen?
Sie fährt jetzt schon Super-G's und ich muss zugeben, als ich einmal selbst dabei war, habe ich mich voll gefürchtet, wie sie da runtergezogen ist. Sie hat an diesem Tag gewonnen, was mich natürlich stolz gemacht hat, aber ich war genauso froh, dass sie heil ins Ziel gekommen ist.

Es wird immer wieder über einen Nacht-Riesentorlauf auf der Planai diskutiert. Was ist Ihre Meinung dazu?
Wir haben mit dem Nightrace so einen Hit gelandet, von der Stimmung her sicher weltweit das beste Rennen. Wir sollten das so behalten. Wenn irgendwo ein Rennen abgesagt wird, dann wäre natürlich ein Nacht-Riesentorlauf schon ein Traum. Du siehst in der Nacht viel, viel besser als am Tag. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir schauen sollten, dieses Highlight so aufrecht zu erhalten. Der Nachtslalom ist unser Aushängeschild. Er ist mittlerweile so geerdet, ich bin echt stolz drauf. Auch von den Läufern weiß ich, dass sie dieses Rennen lieben.

Können Sie sich vorstellen das Ennstal einmal zu verlassen?
Nein. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich, ich gehör hier hin. Ich komme schon weit herum und mir gefällt das auch. Aber das wichtigste ist, dass ich andere Länder sehe, damit ich weiß, wie schön es daheim ist. Ich setze mich zum Beispiel am Abend auf das Motorrad und fahre auf den Stoderzinken. Ich schau dann auf das Ennstal runter und denke mir: Bist du deppat, wir haben es schön. Ich war vor zwei Jahren im Gesäuse Bergsteigen und war komplett vom Panorama begeistert. Ich fahre aber auch oft mit dem Motorrad ins Ausseerland. Trinke am Grundlsee einen Kaffee oder spring einmal ins Wasser. Der Bezirk ist so schön, du musst nur kapieren, was wir alles haben.
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