07.04.2016, 08:01 Uhr

Bezirk unter Volldampf

Eine winterliche Fahrt über den Gerichtsberg. Nur durch die Bahn siedelten sich große Industriebetriebe im Bezirk an. (Foto: R. Herold)

Professor Roland Herold möchte gegen das Vergessen der einst so wichtigen Leobersdorfer Bahn kämpfen.

KAUMBERG. "Die interessante Geschichte 'unserer' Eisenbahn -
 der Leobersdorfer Bahn - war der Anlass, im Heimatmuseum Kaumberg ein eigenes Museum über diese Bahn zu eröffnen", erklärt Professor Roland Herold. Der Buchautor möchte auf die einst für den Bezirk lebenswichtige Verkehrsader hinweisen, auch wenn heute nur noch wenig davon übrig ist. "Im Museum findet sich nun eine Dokumentation, die über die interessante Geschichte der Bahn informiert."

Wichtige Verbindung
Schon bald nach der Fertigstellung der Westbahn 1860 kam der Gedanke einer Verbindung zur Südbahn auf – und zwar von St. Pölten nach Mürzzuschlag. Da die Kosten zu hoch waren, entschied man sich für die Strecke von St. Pölten nach Leobersdorf. Die Eröffnung der „ k.k. priv. Niederösterreichischen Südwestbahn“ war am 1. August 1877 bis Kaumberg und einen Monat später wurde der restliche Teil durch den 186 Meter langen Gerichtsbergtunnel über Scheibmühl (heute Traisen) nach St. Pölten in Betrieb genommen.
Anfangs betrug die Fahrzeit der Züge auf der 43 km langen Strecke von Leobersdorf nach Hainfeld zwei Stunden und 49 Minuten.

Erste Kosteneinsparung
Es kam bereits in den ersten Jahren ein Betriebsabgang. Um diesem entgegen zu wirken, wurde auf dieser Strecke ein sogenannter „Sekundärzug“, bestehend aus einem Stockwagen und einer Kleinlokomotive, eingesetzt. Das Zugspersonal bestand aus Einsparungsgründen nur aus dem Lokfüher und einem Schaffner. Doch die finanziellen Probleme erzwangen schließlich die Übernahme des Bahnbetriebes 1878 durch die „k.k. Staatsbahn“.

Schnellere Züge
"Im Laufe der Zeit wurden die Geschwindigkeiten der Züge höher und die Sicherungsanlagen erneuert. Auch die Einführung von Blockposten gewährte eine höhere Sicherheit", so Roland Herold. Die Erfindung des Blockapparates erlaubte nur einen Zug in einem „Blockabschnitt“.

Betriebsansiedelung
Entlang der Strecke siedelten sich Industriebetriebe an, die von der Bahn bedient wurden. 
In der Zeit des Ersten Weltkrieges kam es zur Steigerung des Frachtaufkommens aus dem ungarischen Raum in Richtung St. Pölten über die Leobersdorfer Bahn. In der Zwischenkriegszeit ließ der Verkehr stark nach, so dass Blockposten aufgelassen wurden. 
Nach dem „Anschluss" 1938 verschwand der Name BBÖ und die Bahn wurde der „Deutschen Reichsbahn“ angeschlossen. 1945 wurde die Bahnlinie stark in Mitleidenschaft gezogen, Brücken, Bahnanlagen und Bahnhöfe wurden zerstört. Nach dem Krieg konnte der Betrieb mit viel Arbeitsaufwand vorerst behelfsmäßig wieder beginnen. "Auch nach weiteren Instandsetzungsarbeiten blieb die Leobersdorfer Bahn eine Nebenbahn, obwohl es in den 1950er-Jahren Pläne zur Elektrifizierung gab, die jedoch nie ausgeführt wurden", berichtet der Kaumberger Professor Roland Herold.
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