27.07.2016, 07:21 Uhr

Letzter St. Aegyder KZ-Häftling ist tot

Bundespräsident Heinz Fischer die Hand schütteln zu dürfen, war für Rajmund Pajer eine große Ehre.
ST. AEGYD. "In mir ist kein Hass, denn der frisst dich innerlich auf und hinterlässt nichts als Asche", sagte Rajmund Pajer anlässlich seines letzten Besuches auf der KZ-Gedenkstätte St. Aegyd am Neuwalde vor drei Jahren. Pajer war der letzte noch lebende KZ-Häftling, der im Außenlager St. Aegyd inhaftiert war. Am 12. Juli 2016 starb er nach langer schwerer Krankheit in Kanada.
Pajer, als Kind slowenischer Eltern im Jahr 1930 geboren, wuchs in Triest (Ita) auf. Im Alter von 14 Jahren wurde er von Partisanen für den Kampf gegen die Deutsche Wehrmacht zwangsrekrutiert. Nahe Ribnica (Slo) wurde er verwundet, zunächst ins GESTAPO-Gefängnis Begunje gesperrt und schließlich nach Mauthausen deportiert.

Die Jugend wappnen
In Anbetracht des Grauens, das Rajmund Pajer in seinen Jugentagen erlebt hat, ist es umso erstaunlicher, wie positiv, gar humorvoll er mit seine Erlebnissen im KZ umgegangen ist. Während seiner ausgedehnten Österreich-Besuche nahm er sich viel Zeit, um in die Schulendes Bezirks zu gehen und mit Jugendlichen über seine Erlebnisse zu sprechen. Dabei rührte er zu Tränen, brachte die Jugendlichen mit seinem besonderen Sinn für Humor aber auch zum Schmunzeln.
"Mauthausen war gut für meine Sprachkenntnisse. Denn ich kam irrtümlich in den Spanierblock. Seitdem spreche ich Spanisch und werde "Ramon" genannt", erklärte er einmal schmunzelnd.
In Mauthausen unter anderem als Leichensammler eingesetzt, kam er zunächst ins Außenlager Klagenfurt-Lendorf und im Februar 1945 nach St. Aegyd. "Dort war es für mich am schlimmsten weil wir so wenige waren und ich mich nicht in der Masse verstecken konnte wie in Mauthausen", beschreibt Pajer in seiner Autobiografie. Die grausamen Mißhandlungen durch St. Aegyder Kapos, die von der großen Kälte verursachten Schmerzen und der stete Kampf um Nahrungsmittel haben ihn geprägt.

Vater im KZ gestorben
Nach dem beschwerlichen Marsch zurück nach Mauthausen im April 1945 war Rajmund Pajer Augenzeuge der Lagerbefreiung durch US-amerikanische Soldaten. "Dann wäre ich fast an Typhus gestorben, aber die Amerikaner haben mich wieder aufgepäppelt", erzählt Pajer, der nach Triest zurückkehrte, wo er vom Tod seines Vaters erfuhr. "Er war im KZ Dachau und ist dort gestorben", erinnert sich Pajer.
Nach Abschluss seiner Ausbildung als Maschinenschlosser wanderte er nach Kanada aus und gründete eine Familie. Dennoch kehrte er regelmäßig nach Mauthausen zurück, nach Begunje und nach Triest. Nur St. Aegyd besuchte er jahrzehntelang nicht: "Das war zu schwierig für mich", erzählte Rajmund Pajer im September 2007 bei seinem ersten St. Aegyd-Besuch seit 1945. Bis zuletzt wollte Rajmund Pajer noch einmal nach Österreich zurückkehren, um seine Freunde wiederzusehen - es sollte nicht mehr dazu kommen.
Die St. Aegyder Gedenkfeier im Jahr 2013 schloss er mit den Worten: "1945 kam ich in Sträflingskleidung nach St. Aegyd und habe hier am meisten gelitten. Heute schüttelt man mir die Hand und respektiert mich. Deshalb liebe ich diesen Ort."
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