12.10.2016, 08:58 Uhr

Raubopfer mit Pfefferspray attackiert

Der 76-jährige Angeklagte (links) hoffte auf ein milderes Urteil. (Foto: Probst)
BEZIRK LILIENFELD. "Dann gleich Todesstrafe, das wär' besser!", protestierte ein 76-jähriger Einbrecher gegen das Urteil eines St. Pöltner Schöffensenats für seinen Einbruch in ein Haus in St. Aegyd am Neuwalde.

Richter: "Das war der eine Einbruch zu viel für Sie!"

Das Strafmaß in Höhe von viereinhalb Jahren unbedingt plus sieben Monate von einer bedingten Entlassung erschienen dem, mehr als zehn Mal großteils einschlägig vorbestraften Angeklagten bei Weitem zu hoch, bekam er doch in der Schweiz nur wenige Monate für eine ähnliche Straftat.
"Dort ticken die Uhren anders", meinte Richter Slawomir Wiaderek und erklärte zur Strafhöhe: "Das war der eine Einbruch zu viel für Sie!"

Er habe bereits kurz nach der letzten Entlassung und noch in der Probezeit abermals zugeschlagen, erwähnte Herr Rat als einen der angefallenen Erschwerungsgründe, dem Verteidiger Christian Strasser das teilweise Geständnis, das Alter und die angeschlagene Gesundheit des Beschuldigten, der akustisch scheinbar einmal mehr und einmal weniger hörte, als mildernd entgegenstellte. Als "bedenklich" wertete Strasser den "Mut" der Frau, während der Angeklagte meinte: "Wenn ich ein richtiger Einbrecher wäre, hätte ich diese Frau niedergeschlagen. Aber ich wollte ihr nichts antun!"

"I wollt ja nur ein Glaserl Wasser"

Es ging dabei um den Einbruch in ein Haus in St. Aegyd am Neuwalde, in das der Einbrecher am 25. Juli 2016 gelangte, indem er mit einem Werkzeug das Fenster aufspreizte. Er hatte bereits Bargeld und Schmuck in seiner Jackentasche verstaut, als die 59-jährige Hausbesitzerin auftauchte. "Gnädige Frau, wo san's denn die ganze Zeit? Alles offen und keiner Zuhaus. I wollt ja nur ein Glaserl Wasser", versuchte der Mann das Opfer über seine wahren Absichten hinweg zu täuschen. Die Frau erkannte die Situation und forderte den Eindringling auf, seine Beute herauszugeben.
Als er sich weigerte, sperrte sie ihn kurzerhand im Haus ein – das Adrenalin in ihrem Körper habe sie mutig gemacht. Ohne zu zögern nahm der Täter ein Pfefferspray und sprühte ihn der Frau entgegen, danach flüchtete er durch jenes Fenster, das er zuvor aufgebrochen hatte.


Verfolgungsjagd durch das Ortszentrum

Mit seinem Rad fuhr er Richtung Ortszentrum, verfolgt von seinem Opfer, das ihm zunächst mit dem Auto, danach zu Fuß auf den Fersen blieb, bis ihn die, von der 59-Jährigen verständigte Polizei nach einigen hundert Metern stellte.
Während Staatsanwältin Julia Berger zunächst von einem versuchten räuberisch gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahl ausging, wobei der Täter für den Fall des Widerstands das Pfefferspray eingesteckt hatte und ihn benutzte, um auch die Beute mitnehmen zu können, wertete der Schöffensenat die Tat als vollendet, nachdem die Festnahme doch erst nach einem beträchtlichen Abstand zum Tatort stattgefunden habe.

Opfervertreterin Alida Harrich erhielt für ihre Mandanten den Zuspruch von 950 Euro Schadenersatz, die psychisch traumatisierte Frau, die durch das Pfefferspray auch verletzt worden war, erhält darüber hinaus Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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