26.04.2016, 07:59 Uhr

Ein Einblick in die Welt des Maibaumstehlens.

Mehr als 150 in ganz Oberösterreich sind auf der digitalen Maibaumkerte der Landjugend eingezeichnet. (Foto: Landjugend OÖ)

Die digitale Maibaumlandkarte der Landjugend Oberösterreich bietet Informationen zu verschiedenen Bräuchen rund um den 1. Mai und zeigt die Standorte von mittlerweile über 150 Maibäumen im ganzen Land.

BEZIRK (red). Jahr für Jahr sorgt der Brauch des Maibaumstehlens für viel Aufregung in Oberösterreichs Städten und Gemeinden. Verschiedene Ansichten und Auffassungen der Regeln rund um den Brauchtum Maibaum sorgen aber oftmals für Streitigkeiten zwischen Dieben und Bestohlenen. Die Auslegung der Regeln und die Gepflogenheiten sind von Ort zu Ort verschieden, und Missverständnisse daher oft vorprogrammiert. Die Landjugend Oberösterreich hat sich zur Aufgabe gemacht vor allem beim brisanten Thema des Stehlens Abhilfe zu leisten.

Digitale Maibaumlandkarte beugt Streitigkeiten vor

Um Missverständnissen und daraus folgenden Streitigkeiten vorzubeugen, startete die Landjugend eine große Befragung zum Thema Maibaumstehlen in Oberösterreich. Die Ergebnisse wurden in einer digitalen Maibaumlandkarte erfasst und auf der Homepage der Landjugend veröffentlicht. Die Landjugend Oberösterreich informiert dabei nicht nur Diebe und Interessierte über verschiedene Bräuche rund um den Maibaum und den 1. Mai, sondern stellt auch eine digitale Maibaumlandkarte online die den Standort der Maibäume zeigt.

Ausgezeichnet mit dem Volkskulturpreis

Für dieses Projekt, welches mit Unterstützung der Abteilung DORIS (Digitales Oberösterreichisches Raum-Informations-System) des Landes Oberösterreich umgesetzt wurde, und Brauchtum mit neuer Technologie in besonderer Form vereint hat, erhielt die Landjugend Oberösterreich 2014 den oberösterreichischen Volkskulturpreis.

Bereits mehr als 150 Maibäume erfasst

Im April 2013 war die Maibaumlandkarte erstmals online abrufbar. Sie dient seither als wichtiges Nachschlagwerk für zahlreiche Freunde des Maibaumstehlens und Brauchtum rund um den 1. Mai. Jährlich werden neue Maibäume erfasst und so zählt die digitale Maibaumlandkarte mittlerweile über 150 Einträge.
Die Maibaumlandkarte ist auf der Homepage der Landjugend www.ooelandjugend.at zu finden. Gerne dürfen dort jederzeit noch nicht erfasste Maibäume eingetragen werden.

Regeln für das Maibaumstehlen

1. Es gilt der Vertrauensgrundsatz
Die Gruppe, die einen Maibaum aufstellt, kann davon ausgehen, dass sich Maibaumdiebe an den jeweiligen Lokalbrauch halten. Diese lokalen Regeln sind mündlich überliefert und unter www.ooelandjugend.at (Schwerpunkte, Kultur- und Brauchtum, Maibaumlandkarte) zu den einzelnen Gemeinden oder Städten abrufbar.

2. Sorgfalt beim Stehlen:
Beschädigungen von Tafeln, Kränzen oder anderem Zubehör sind zu vermeiden. Sollte dies doch der Fall sein, ist Ersatz zu leisten. Gestohlen werden darf nur der Maibaum und kein Zubehör oder Hilfsmittel wie etwa Schwalbeln. Auch das Zerstören des Baumes, etwa durch Zersägen des Stammes für den leichteren Abtransport, ist verboten. Dies fällt nicht unter Brauchtum und kann zu einer Anzeige wegen Sachbeschädigung führen. Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofs darf nämlich „die damit verbundene Rechtsgutbeeinträchtigung“ nur „unerheblich“ sein und die Brauchtumsausübung darf „nicht nur als Vorwand“ dienen (OGH 29.08.1985, 12 Os 104/85).

3.Keine Polizei
Auf keinen Fall wird die Polizei eingeschaltet, Maibaumdiebstahl ist Brauchtum und unterliegt den jeweiligen Brauchtumsregeln. Kommt es aber zu Gewaltaktionen oder erheblichen Sachbeschädigungen, sollte die Polizei eingeschaltet werden, denn dann handelt es sich nicht mehr um Brauchtum.

4.Auslösen des Maibaums bei erfolgreichem Diebstahl
Entsprechend der Tradition wird der Baum mit Getränken und/oder einer Jause für die erfolgreichen Diebe ausgelöst, wobei letztlich das Verhandlungsgeschick beider Parteien ent-scheidet. Auch hier gilt aber der jeweilige Lokalbrauch.

5.Meinungsverschiedenheiten gütlich austragen
Kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, sind diese entsprechend den Möglichkeiten rund um das Maibaum-Brauchtum auszutragen: etwa in einem spaßhaften Schauprozess, einem gemeinsamen Versöhnungsessen oder gegenseitigen Besuchen von Abordnungen der je-weiligen Gemeinden. Der Phantasie und dem guten Willen sind hier keine Grenzen gesetzt, wobei immer das Brauchtum und die Geselligkeit im Vordergrund stehen sollte.

6. Brauchtum ist nicht unverbindlich
Keine Gemeinde, keine Gruppe ist verpflichtet, einen Maibaum aufzustellen; genauso gibt es keine Verpflichtung, einen Maibaum zu stehlen. Wird das jeweilige Brauchtum durchgeführt, gilt jedoch die Verpflichtung, sich an die überlieferten Brauchtumsregeln zu halten, auch wenn es sich um ungeschriebene Regeln handelt.
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