25.09.2016, 11:54 Uhr

Hofübergabe: Wenn die Jungen richtig anpacken

Ursula und Manuel Mistlbacher setzten auf ein generationsübergreifendes Miteinander am Bauernhof in Leonding.

Jedes Jahr übergeben in Linz-Land bis zu 30 Landwirte den Betrieb an die nächste Generation.

LEONDING (nikl). „Vor fünfzehn Jahren bin ich der Liebe wegen auf den Bauernhof meiner Gattin – Humer z'Reith – gekommen. Auch wenn ich damals noch abseits der Landwirtschaft berufstätig war, habe ich mich nicht einfach auf die Couch gelegt, sondern hab natürlich immer mitgeholfen“, sagt Manuel Mistlbacher. Der gelernte Nachrichtentechniker hat den „Quereinstieg“ in die Landwirtschaft nie bereut: „Als Außenstehender wird der Hof dein Leben. Um bestens gerüstet zu sein, habe ich die Ausbildung zur landwirtschaftlichen Fachkraft und zum Mostsommelier absolviert. Das alles neben meinem Brotberuf bei der ÖBB. Vor drei Jahren habe ich mich dann entschlossen, ganz auf den Hof zu wechseln.“

„Leben und leben lassen als Erfolgsfaktor

Zu diesem Zeitpunkt übergab der Schwiegervater seiner Tochter den Bauernhof: „Bei der Übergabe wurde alles ausgesprochen und nun leben drei Generationen auf einem Bauernhof. Leben und leben lassen ist die Devise bei uns zuhause. Für die innovative Bewirtschaftung des Betriebs bin ich meinem Schwiegervater sehr dankbar. Wir konnten einen modernen Bauernhof übernehmen und konnten ohne 'Altlasten' durchstarten.“

Sich auch die Zeit nehmen

Mistlbacher ist auch bereits in die Fußstapfen seines Schwiegervaters getreten: „Im ersten Jahr wurde mein erster Most bereits prämiert. Seitdem haben wir einen Schwerpunkt auf die Veredelung einiger Produkte – vom Most über die verschiedenen Säfte – gelegt.“ „Eine Hofübergabe kann ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen. Dafür sollte man sich auch die Zeit nehmen“, sagt Johannes Gruber, Obmann der Bezirksbauernkammer Linz-Land. „Umso länger man sich auf die Hofübergabe vorbereitet, desto besser ist es natürlich.“

Konzept erarbeiten

Die ideale Beratung erhalten Hofübergeber und -übernehmer bei Johannes Brandstetter, Leiter der Landwirtschaftskammer Linz-Land: „Bei dem Beratungsgespräch erstellen wir gemeinsam mit beiden Seiten ein Hofübergabekonzept, keinen fertigen Vertrag. Mit diesem Konzept – einem passenden Leitfaden – können die betreffenden Personen dann gut vorbereitet einen Vertrag aufsetzen beziehungsweise beim Notar aufsetzen lassen. Ziel: Der betreffende landwirtschaftliche Betrieb soll nachhaltig bestehen können."

Im Überblick

• Rund 950 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Bezirk Linz-Land. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 26,3 Hektar.
• 32 Hofläden und 82 Ab-Hof-Verkäufe bereichern den Bezirk. Infos dazu unter www.genussland.at/produkteproduzenten.
• In Linz-Land ist das "Bauernsterben" noch deutlich zu spüren. Waren es 1999 noch 1367 landwirtschaftliche Betriebe, so sind es mittlerweile 950 – also rund ein Fünftel weniger. Knapp die Hälfte davon sind Vollerwerbsbetriebe. Nebenerwerbsbauern geben oft wegen des hohen Aufwandes die Viehhaltung auf.
• Das Einkommen eines Bauern setzt sich wie folgt zusammen: landwirtschaftlicher Ertrag plus mögliche Agrarzahlungen plus Familienbeihilfe minus Betriebsmittelkosten, Versicherung und anteilige Anschaffungskosten für Maschinen und Gebäude.
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