08.07.2016, 10:28 Uhr

Linz-Land: Strukturwandel in der Gastronomie

Tradition erhalten: Die Gemeinde Kirchberg-Thening sucht nun einen Pächter für den Kirchenwirt im Ort.

Das klassische Wirtshaus wird im Bezirk weniger: Immer mehr Gemeinden suchen einen Pächter.

BEZIRK (nikl). „Als im Herbst 2015 die Pächter des Kirchenwirts in Kirchberg-Thening kündigten, war es klar, dass das Gemeindezentrum rasch wieder einen Gastbetrieb braucht,“ sagt Dietmar Kapsamer, Bürgermeister von Kirchberg-Thening.

Mitte der 90er-Jahre hat die Gemeinde den heruntergekommenen Kirchenwirt in ein Gemeindezentrum umgebaut. Kapsamer: „Dadurch wurden das Gemeindeleben und die Kommunikation innerhalb der Bevölkerung bestens gefördert. Jahr für Jahr fanden seither verschiedenste Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konzerte, Weihnachtsmärkte und das Sommerkino im Gastgarten statt.“

Kommunikationsdrehscheibe in Kirchberg-Thening

Um die „Kommunikationsdrehscheibe“ Kirchenwirt aufrechtzuerhalten, wird die Gemeinde das Gasthaus neu verpachten: „Unsere Vorstellungen sind klar: Wir sind auf der Suche nach einem neuen Pächter, der den Kirchenwirt als Gasthaus mit gutbürgerlicher, österreichischer Küche führt. Wer das beste Konzept hat, soll neuer Kirchenwirt oder neue Kirchenwirtin werden,“ sagt Dietmar Kapsamer.

Sanierung vor dem Neustart

Vorab muss das Gasthaus – nach zwanzig Jahren in Dauerbetrieb – mehr als nur einer Reinigung unterzogen werden: „Einige Bereiche des Lokals sind wesentlich stärker abgenutzt und beschädigt, als es während des laufenden Betriebs sichtbar war. Damit auch ein neuer Pächter ein ordentliches Gastlokal erhält, sind daher umfangreiche Sanierungsarbeiten dringend notwendig.“

Linz-Land hat eine bunte Vielfalt in der Gastronomie

Für Thomas Stockinger, OÖ. Wirtesprecher aus Ansfelden, ist die Vorgehensweise der Gemeinde bedenklich: „Wenn Gemeinden wie Kirchberg-Thening das Gasthaus oder Ansfelden den Rathauswirt verpachten, dann verzerren sie den Wettbewerb. Der Pächter lebt oft von der Substanz des Lokals und in vielen Fällen geht das nur ein paar Jahre gut. Dann muss dieser wieder zusperren.“

Stockinger schlägt vor, diese Wirte mit einem Zuschuss zu fördern: „Sogar eine Tagesheimstätte bekommt eine Förderung von der Gemeinde.“ Auch der Gastronomievertreter sieht mit dem Strukturwandel das „Sterben“ der traditionellen Wirtshäuser im Bezirk. Grund zum „Jammern“ gibt es für ihn dennoch nicht: „Linz-Land bietet im Bereich der Gastronomie eine bunte Vielfalt – von der Systemgastronomie in den großen Einkaufszentren über die Möbelhausgastronomie und die Restaurants bis hin zu Imbissbuden.“

„Gastronomie – das Richtige für mi“

Der Wirtschaftsfaktor 'Gastronomie' sichert laut Stockinger im Bezirk 20.000 Arbeitsplätze: „Aktuell können wir 2500 Arbeitsplätze aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht besetzen.“ Um die Tätigkeit in der Gastronomie ins richtige Licht zu rücken, lassen Oberösterreichs Wirte im Rahmen der Imagekampagne „Gastronomie – das Richtige für mi“ Mitarbeiter zu Wort kommen.

Wirte gegen Vereine?

„Die gelebte Vereinskultur und die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Vereinen und Blaulichtorganisationen ist den Wirten wichtig“, betont Wirtesprecher Thomas Stockinger.

Beim Gesetzesentwurf für die Erleichterung zur Registrierkassenpflicht bei Vereinsfesten gibt es aber einen Knackpunkt: „Parteien sollen Feste veranstalten dürfen und den Gewinn, brutto für netto, für nicht definierte Parteizwecke verwenden können. Dabei wird eine verfassungswidrige Parteienfinanzierung auf Kos-ten der Wirte betrieben.“
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