"Bin öfters glücklich"

Christiane Seufferlein ist in Privatkonkurs. Seither stehen Habe und Konsum nicht mehr an erster Stelle.

LINZ (club). "Ich habe versucht, das beste aus meiner Situation zu machen und das habe ich auch getan", sagt Christiane Seufferlein. Seit 2009 ist sie in Privatkonkurs, weil ihre kleine Firma wirtschaftlich ins Trudeln geraten ist. Aber auch ihr Umgang mit Geld sei nicht gerade sparsam gewesen: "Ich bin früher einfach ins Geschäft gegangen und habe mir T-Shirts gekauft, die ich eigentlich gar nicht gebraucht habe." Doch damals wollte sie sich damit belohnen: "Die Spirale aus stressigem Beruf, damit man so viel Geld verdient, um sich dann wieder mit Geschenken belohnen zu können, drehte sich immer schneller. Als dann der Konkurs im Raum stand, fiel ich in eine Schockstarre. Die Welt ging vor meinen Augen unter."

Sparen ist Alltag
"Nach Monaten des Schwarzmalens hat ein trotziger Lebens- und Überlebungsdrang bei mir eingesetzt. Ich fing an, meine Nachteile in Vorteile zu verwandeln." Heute lebt Seufferlein fern von unnötigem Konsum. Für sie ist Sparen zum Alltag geworden. Sie zog wieder zu ihren Eltern und später in eine WG. "Meine Kleidung kaufe ich in Volkshilfeshops und greife dann zu Hause zu Stofffarbe, Stickgarn oder bunten Perlen, um aus jedem Teil ein Unikat zu machen." Sie besitzt keinen Fernseher, dadurch spart sie sich Strom, Geld und auch viel Zeit. Zeit, die sie jetzt aktiv nutzt. "Im Sommer habe ich beispielsweise diese genützt, um einen Teil meiner Lebensmittel in der Natur zu suchen. Will ich mir eine Massage gönnen, frage ich bei meinem Tauschkreis an. Das kostet mich dann eben einen Vormittag Mithilfe im Haushalt." Bei Tauschkreisen werden Dinge, Talente und Aktivitäten gegen Zeit getauscht. "Menschen sind bereit so viel herzugeben, wenn man fragt." Mittlerweile ist Seufferlein verheiratet und lebt mit ihrem Mann auf einem Bauernhof in Desselbrunn. "Im Vergleich zu früher bin ich öfters glücklich. Außerdem kann ich jetzt zum ersten Mal in meinem Leben behaupten, richtig wunschlos zu sein." Der Konsum und das Haben steht bei ihr nicht mehr an erster Stelle. "Heute möchte ich dieses Lebensgefühl des Gesättigtseins, vor allem im Herzen, nicht mehr missen." Natürlich drückt auch bei ihr immer wieder mal der finanzielle Schuh, aber bisher hat sie noch für alles eine Lösung gefunden: "Solange ich nie aufgehört habe mit den Menschen rund um mich zu reden", sagt Christiane Seufferlein.

Hilfe zur Selbsthilfe
Wer in einer ähnlichen Situation steckt, dem rät Seufferlein Offenheit: "Das wichtigste ist, der Familie und den Freunden gegenüber ehrlich zu sein. Mein Konkurs ist kein Tabu, alle meine Freunde wissen es und das erspart mir die ganze Heimlichtuerei. Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht." Außerdem solle man versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und Mut haben.
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