13.04.2016, 20:00 Uhr

"Demenzepidemie" vorbeugen

(Foto: Kzenon/panthermedia)
Mit der steigenden Überalterung der Bevölkerung nehmen auch die altersbedingten Erkrankungen zu. Experten sprechen etwa bereits von einer drohenden "Demenzepidemie", denn im Jahr 2040 soll es bereits 81 Millionen Demenzkranke geben. Dieser Entwicklung trägt das Kepler Universitätsklinikum (KUK) in Linz mit seinem Schwerpunkt auf Klinische Altersforschung Rechnung. Denn obwohl die schnell wachsende Bevölkerungsgruppe der über-65-Jährigen den größten Medikamentenverbrauch aufweist, ist sie bisher in klinischen Studien unterrepräsentiert.

Diagnostik und Therapie anpassen

„Die grundsätzlich erfreuliche längere Lebensdauer geht häufig leider auch mit einer längeren Krankheitsdauer einher. Eine adäquate Versorgung alter Menschen erfordert eine differenzierte Kenntnis der physiologischen Prozesse und deren Veränderung im Alter. Es geht darum, das komplexe multidimensionale Gefüge von Krankheiten, Komorbiditäten und ihrer Behandelbarkeit zu verstehen, um eine angepasste Diagnostik und Therapie anzubieten“, so KUK-Geschäftsführer Heinz Brock. Dafür ist eine enge und interdisziplinäre Kooperation zwischen den Versorgungsabteilungen Neurologie, Gerontologie, Orthopädie etc. erforderlich. "Vorhandenes Forschungspotenzial wird gebündelt. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sollen unmittelbar unseren Patienten zugutekommen", sagt KUK-Geschäftsführerin Elgin Drda.

Demenz vorbeugen

Die wachsende Anzahl der Demenzkranken ist etwa nur durch effektive Prävention der Risikofaktoren in den Griff zu bekommen: "Dazu zählen der arterielle Hochdruck, Zuckerkrankheit, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel, aber auch Depressionen und Vereinsamung im Alter, falsche Ernährung und Rauchen. Diese Faktoren sind übrigens auch für Gefäßerkrankungen bedeutsam“, erklärt Elmar Kainz, Leiter der Klinik für Neurologisch-Psychiatrische Gerontologie am Kepler Universitätsklinikum. Die Änderung des westlichen Lebensstils spielt in der Demenzvorbeugung also eine entscheidende Rolle. Eine im Fachjournal Brain 2014 veröffentlichte Untersuchung von J. Nyberg (Universität Göteborg) hat gezeigt, dass niedrige Fitness im Alter von 18 (!) Jahren das Risiko für eine später auftretende Demenz verdoppelt. „Neben Fitness spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Faserreiche Ernährung ist wichtig zur Gesunderhaltung des Darms und damit zur Immunabwehr in unserem Organismus. Störungen der sogenannten Darm-Hirn-Achse spielen nach jüngsten Forschungsergebnissen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Demenzen“, weiß Kainz. Dauerstress und chronische Entzündungen („stille Inflammation“) in verschiedenen Körperregionen (Atemwege, Verdauungstrakt) führen zu den ersten Veränderungen bei Demenz, die möglichst früh erkannt und therapiert werden sollten.

Auch die neuen Erkenntnisse im Bereich der Genforschung sollten zur Entwicklung wirksamerer Medikamente in der Demenzbehandlung führen, um die Erkrankung effektiver als bisher – und schließlich ursächlich behandeln zu können. Wichtig ist aber auch, die Versorgungsstrukturen älterer, insbesondere schwer demenzkranker Menschen zu optimieren. Da sie häufig keine Orientierung haben, muss ein Lebensraum geschaffen werden, in dem sich Betroffene gefahrlos frei bewegen können. Ein heikles Thema, bei dem unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen: „So hat beispielsweise ein Demenzdorf in Deutschland viel Kritik geerntet, da es umzäunt bzw. nach außen geschlossen war. Dabei wurde dieses Dorf geschaffen, um den Bewohnern subjektiv einen möglichst großen und sicheren Bewegungsfreiraum zu geben“, sagt Kainz.
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