18.05.2016, 20:00 Uhr

Essen vom Grünstreifen

Susanne Pust ist zertifizierte Kräuterpädagogin und beschäftigt sich mit der Natur in der Großstadt. (Foto: Pust)

Der Trend zum Wildkräuter-Sammeln ist auch in Linz angekommen. Die Pflanzen schmecken gut und kosten nichts – aber sind sie auch gesund?

Es gibt ein großes Bedürfnis der Stadtbewohner, die Natur in ihrem Umfeld zu entdecken und auch zu nutzen. "Den Menschen wird immer mehr bewusst, wie wichtig frische und naturbelassene Lebensmittel für die Gesundheit ist", weiß Susanne Pust. Die zertifizierte Kräuterpädagogin beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Natur in der Großstadt und veranstaltet dazu Vorträge, Exkursionen und Workshops. "Besonders in der Stadt gibt es Inseln, auf denen sich Pflanzen und Wildkräuter ausgebreitet haben. Viele Pflanzenarten haben sich an die städtischen Bedingungen angepasst, ja profitieren sogar von Industrieabwärme und unbearbeiteten Böden. Andere Kräuter finden sich in kleinen, geschützten Biotopen und dschungelartigen Waldflächen."

Unbelastete Flächen suchen

Die Plätze, an denen man die Kräuter sammelt, sollten jedoch mit Bedacht gewählt werden. "Der gesundheitliche Nutzen von Wildpflanzen ist abhängig von der Pestizidbelastung." Das muss jedoch nicht automatisch heißen, dass Stadtpflanzen ungesünder wären als jene, die am Land wachsen. "In der Stadt gibt es naturbelassene Flächen, die aber einer hohen Staubbelastung durch den Verkehr oder Verschmutzung durch tierische Exkremente ausgesetzt sind. Am Land kann hingegen die Belastung durch Dünge- und Unkrautbekämpfungsmittel sowie andere Verunreinigungen sehr hoch sein", erklärt Pust. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte an speziellen Wildkräuter-Exkursionen teilnehmen, sich bewusst mit dem Thema beschäftigen und die Augen offen halten. Sich ausreichend Wissen über Wildkräuter anzueignen ist auch wichtig, damit es nicht zu Verwechslungen mit unbekömmlichen oder sogar giftigen Pflanzen kommt.

Tipps von der Expertin

Susanne Pust hat einige grundlegende Tipps für Neulinge in der Welt der Wildkräuter parat: "Niemals geschützte Pflanzen sammeln. Nur Pflanzen ernten, die man hundertprozentig kennt. Die Kräuter sollten trocken und sauber sein und von unbelasteten Feld-, Wald- und Wiesenrändern stammen. Nicht in der Nähe von stark gedüngten Feldern und Weingärten sammeln. Dort ernten, wo die Kräuter in großer Zahl vorkommen – nicht die letzten Pflanzen ausrotten. Blüten und Blätter sollten vormittags, wenn sie nicht mehr feucht vom Tau sind, und bei zunehmendem Mond geerntet werden, Wurzeln im Frühling und Herbst bei abnehmendem Mond."

Neue Geschmacksrichtungen und altes Wissen

Aus den Pflanzen lässt sich allerlei herstellen. "Die Städter sind besonders am Kochen mit Wildkräutern interessiert", so die Expertin. Mit ihren speziellen Inhaltsstoffen und Aromen bieten die Kräuter neue und interessante Geschmackserlebnisse. Aber auch die alten Gebrauchsformen aus der Volksheilkunde erleben eine Renaissance. "Viele Menschen interessieren sich für Heilzubereitungen, aber auch kosmetische Anwendungen, aus dem Wissensschatz unserer Großeltern", sagt Pust. Die Kräuterpädagogin veranstaltet am 21. Mai eine Kräuterwanderung zur Pöstlingbergquelle (Anmeldung: 0732/7070-0) und am 23. Juni einen Workshop zu Grüner Kosmetik im Haus der Frau (Anmeldung: 07674/64218).

Jetzt bereit zum Sammeln

Der Wilde Hopfen (Humulus lupulus) hat gerade eben begonnen, sich ins Geäst von Gebüsch und Bäumen entlang von Bächen zu winden. Erwischt man die rau behaarten Triebspitzen noch bevor sie sich unerreichbar hoch geschlängelt haben, ergeben die vorderen 20 Zentimeter – in Salzwasser für einige Minuten blanchiert und mit Käse-Nuss-Soße serviert – eine köstliche Alternative zum herkömmlichen Spargel.
Käse-Nuss-Soße: 2 EL Blauschimmelkäse zerdrücken, mit 1 EL geriebener Walnüsse, einem halben EL Olivenöl vermischen und mit Salz, Pfeffer, Essig und einer Prise Zucker abschmecken.

Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ist ein Ackerunkraut, das man an Wegrändern, Gräben, Böschungen, Wiesen und Schutthalden findet und dessen herzförmige Früchte an die Taschen von Hirten erinnern.
Daraus kann man Hirten-Spaghetti zubereiten: Man sammelt eine Tasse frische, grüne Hirtentäschelsamen, schwenkt sie in Olivenöl kurz durch (sollen nicht hart und trocken werden), vermengt sie mit al dente gekochten Spaghetti und Parmesan und würzt mit Salz und Pfeffer.

Jetzt im Mai sind auch die frischen Fichtentriebe (Picea) nicht nur ein altes Volksheilmittel gegen Husten und Bronchialleiden, sondern auch ein kulinarischer Höhepunkt in der Dessertküche.
Fichtenspitzencreme: 200 g Joghurt, 200 g Obers, 100 g Zucker, 100 g Tannen- oder Fichtenspitzen (noch weich und hellgrün), 6 Blatt Gelatine.
Zubereitung: Tannenspitzen mit dem Joghurt und Zucker pürieren. Eingeweichte Gelatine mit 3 El Obers erwärmen, ins Joghurt rühren. Restliches Obers steif schlagen, unter die Creme mengen und kühl stellen. Köstlich als Dessert oder Tortenfüllung.
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