20.05.2016, 15:42 Uhr

"Es gibt auch genug Rätsel ganz nahe"

"Der Frühlings-Enzian war früher auf den Wiesen im Bezirk weit verbreitet, heute ist er dort ausgestorben", so der Botaniker. (Foto: Michael Hohla)

Botaniker Michael Hohla erzählt über seinen Lebensweg, seine Faszination und über Biodiversität.

OBERNBERG (gasc). Michael Hohla aus Obernberg ist Botaniker. Er zählt sich mit seiner Arbeit zu einer Reihe von namhaften Pflanzenkennern und ist Autor mehrerer Bücher. Dazu hält er Vorträge und Workshops zum Thema Pflanzen und deren Erforschung. Außerdem wurde er von der Oberösterreichischen Landesregierung zum "Konsulent für Umweltfragen" und vom Landeshauptmann Josef Pühringer zum Professor ernannt.
"Im Moment arbeite ich an einem Buch über die Pflanzenwelt und die Landschaft des Innviertels sowie an einem Verbreitungsatlas mit Punktkarten für das Innviertel", erzählt er. Hohlas Buch wird im Mai 2017 erscheinen.

"Die Natur atmet"
Dass er zur Botanik kam, war ein Zufallsprodukt – bei der Wahl des Zweitfaches im Studium für Hauptschullehrer entschied er sich kurzerhand für die Biologie. Damit fand Hohla wohl seine Berufung: "Die Faszination an der Botanik liegt darin, dass man nichts beschleunigen kann. Wir neigen dazu, alles sofort haben zu wollen. Aber das spielt es in der Natur nicht – man muss warten. Wer den Rhythmus der Natur beobachtet, lebt mit ihr mit." Er beschreibt die Flora als unfassbar vielseitig und flexibel. Es reizt ihn, in Bereiche vorzudringen, wo Pflanzenbücher nicht mehr weiterhelfen.
Die Herausforderung sieht er darin, dass es direkt vor der Haustüre so viel zu erforschen gibt: "Man muss gar nicht in die entlegenen Gebiete reisen oder undurchdringbare Urwälder auf anderen Kontinenten erforschen, es gibt auch genug Rätsel ganz nahe", schwärmt der Botaniker.

Wenn Blumen verschwinden
Doch die botanische Artenvielfalt in Ried ist am Schrumpfen: "Von den drei Bezirken des Innviertels ist Ried der artenärmste", sagt Hohla. Das liege daran, dass die bunten Blumenwiesen von früher rar sind – immer mehr Flächen werden heute von Äckern, Asphalt oder Gebäuden eingenommen. "Nährstoffüberfluss und häufige Mahd der Wiesen haben die meisten Wiesenblumen zum Verschwinden gebracht. Heute fehlen in vielen Wiesen des Rieder Bezirkes so vertraute Arten wie Wiesen-Glockenblume, Margerite, Bocksbart und Zittergras", weiß der Experte. In den Wäldern dominieren nur wenige Baumarten, allen voran die Fichte.

Jeder Mensch wirkt mit
Dem muss nicht so sein: "Wie vielfältig eine Landschaft ist und wie viel Platz wir den Pflanzen und Tieren geben, entscheiden wir durch unsere täglichen Kaufentscheidungen selbst. Durch unsere Art und Weise, wie wir unsere Umgebung, unseren Garten, unsere Städte gestalten oder wie wir unsere Bäche behandeln, entscheiden wir mit, wie es der Natur geht", erklärt Hohla. Er pocht auf mehr Mut zum Grün und appelliert: "Seien wir etwas großzügiger und lassen den einen oder anderen Winkel in den Siedlungen mit Gräsern und Kräutern stehen. Nicht jeder Flecken im Garten muss kurz gemäht werden und nicht jede einzelne Pflasterfuge mit Gift gespritzt oder penibel ausgekratzt werden."
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