13.04.2016, 18:00 Uhr

Autonomes Fahren und individueller Flugverkehr: "Es geht alles viel schneller als gedacht"

In Zukunft werden die Autos, wie hier der Mercedes F 015, mit den Menschen kommunizieren. (Foto: Mercedes-Benz)
LINZ (spm). Wir schreiben das Jahr 2030. In der Linzer Innenstadt ist viel los. Zahlreiche Menschen tummeln sich. Autos, Straßenbahn, Fahrräder, auf den ersten Blick hat sich nicht so viel verändert am Verkehr. Lediglich die bemannten Drohnen, mit denen immer mehr Menschen von Linz aus Wien und andere Orte mit mehr als 100 Kilometern Entfernung anfliegen, sind ungewöhnlich. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auch auf, dass sich die Autos maßgeblich verändert haben. Sie gleiten alle leise und vor allem autonom durch fix vorgegebene schmale Straßen, die sich einer sogenannten "Road Diet" unterzogen haben. Die schlankeren Fahrbahnen schaffen Platz für Begrünungen und Gastgärten. Auch Verbrennungsmotoren und nicht autonom fahrende Fahrzeuge gibt es noch, einige Menschen sind damit in die Stadt angereist. Ihre Autos haben sie aber an sogenannten "Hubs", also modernen Park & Ride-Anlagen abgestellt, in der Innenstadt sind sie nicht mehr erlaubt. Konsequenterweise haben Lärm und Umweltbelastung stark abgenommen, Luft- und Lebensqualität gleichzeitig zugenommen.

Keine Fantasie mehr
Dieses Szenario ist keinesfalls unrealistisch und 2030 nicht zu nah gedacht, wenn es nach Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky (Interview siehe Seite 12) und Drohnen-Entwickler Meinhard Schwaiger (Reportage siehe Seiten 4&5) geht. "Es geht heute schon los mit dem autonomen Fahren, die neue Mercedes E-Klasse fährt bereits teilautonom, und die Entwicklung geht schneller als viele gedacht haben", so Mankowsky. Die enormen Fortschritte in der Sensor- und Kameratechnik, maßgeblich entwickelt für Smartphones, treiben die Entwicklung voran und lassen die Preise stark sinken. "Auf den Autobahnen und in Städten wird das autonome Fahren sehr schnell voranschreiten. Man darf aber natürlich nicht von 100 Prozent ausgehen. Vor allem am Land wird es auch 2030 noch Mischverkehr geben", so Mankowsky. Er erwartet sich davon wesentlich größere Entlastungen für den Verkehr als etwa durch den Westring. "Es gab mal einen Versuch in Japan, da haben sie Leute im Kreis fahren lassen bei ausreichend Platz, nach wenigen Minuten war der erste Stau da. Wir Menschen können da nicht anders. Bei autonomen Fahrzeugen gibt es das nicht. Ich denke, wenn ein gewisser Anteil, so zehn bis 15 Prozent, an autonomen Fahrzeugen unterwegs ist, wird sich der Verkehr deutlich beruhigen, weil sich die anderen Fahrer daran orientieren können. Dann geht hoffentlich auch die Nervosität raus, es wird ruhiger und damit staufreier", sagt Mankowsky.

Politik ist Hemmschuh
Während auf technologischer Ebene das Szenario schon lange vor 2030 Realität werden kann, ist vor allem die Politik gefordert, die Entwicklung einzuschätzen. Der Linzer Infrastrukturstadtrat Markus Hein (FPÖ) sagt zu autonomen Fahrzeugen in Linz: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es davon 2030 schon welche geben wird." Entsprechend werde es keinerlei städtebauliche Maßnahmen in diese Richtung geben. Viel wichtiger sei es, die jetzigen Projekte wie zweite Schienenachse oder Westring umzusetzen. "Eine Stadtautobahn, die man heute baut, sollte man flexibel konstruieren, sodass man sie leicht umbauen und wieder demontieren kann. Angesichts des anstehenden Wandels der urbanen Verkehrsmittel empfehle ich, den heutigen Stand nicht in Beton zu gießen", sagt Mankowsky.

Drohnen bald bereit
Während sich der Linzer Infrastrukturstadtrat das autonome Auto für 2030 nicht vorstellen kann, wird bereits intensiv am nächsten Verkehrsmittel gearbeitet, der bemannten Drohne. "Diese können senkrecht starten und fliegen – zum Beispiel von Hausdach zu Hausdach und das überall in ganz Europa", sagt Meinhard Schwaiger, Geschäftsführer von IAT 21, wo derzeit solche Drohnen entwickelt werden. Technologie für die ferne Zukunft? Keineswegs! "Wir werden in weniger als drei Jahren einen Prototypen haben", sagt Schwaiger, der weiß: "Es geht alles viel schneller als gedacht, in der Flugindustrie herrscht eine enorme Dynamik und auch bei den Batterien werden große Fortschritte gemacht." Ein Großteil der Bauteile kommt zudem aus dem 3D-Drucker, wodurch die Kosten sinken. Die Technologie entwickelt sich in Riesenschritten. Eine enorme Herausforderung für die Politik, die jetzt schon kaum mit der Infrastruktur nachkommt, wie ein Blick auf die Eisenbahnbrücke verdeutlicht.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.