29.09.2016, 00:00 Uhr

Eine Bohne, viele Gerüchte

Roswitha Macher vom Pöstlingberg’s ist Expertin rund um das Thema Kaffee. (Foto: Pöstlingberg’s)

Kaffeeliebhaber haben sich den 1. Oktober längst rot im Kalender angestrichen. Anlässlich des Ehrentag des Lieblingsgetränks der Österreicher hat die StadtRundschau die gängigsten Kaffe-Mythen gemeinsam mit Expertin Roswitha Macher einer Prüfung unterzogen.

Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 7,8 Kilogramm pro Jahr und einem Konsum von 2,9 Tassen täglich liegt Österreich beim Kaffee-Konsum konstant im europäischen Spitzenfeld, so der Österreichische Kaffee- und Teeverband. Um wenige Nahrungsmittel ranken sich so viele Mythen wie um Kaffee.

Kaffee als Flüssigkeitsspender

Der Ruf des koffeinhaltigen Getränks, eine schädliche Wirkung zu haben, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es den Körper angeblich entwässert. "Diese Annahme gehört ins Reich der Mythen. Das obligatorische Glas Wasser wird deshalb zum Kaffee gereicht, um den Gaumen zu neutralisieren. Das hat eine lange Tradition", sagt Roswitha Macher vom Café Pöstlingberg’s. Das im Kaffee enthaltene Koffein hat allerdings einen harntreibenden Effekt, der aber sowohl vom Koffeingehalt als auch von der Kaffeemenge beeinflusst wird. Ein Konsum von rund vier bis fünf Tassen pro Tag hat erwiesenermaßen keinen nachhaltigen Einfluss auf den menschlichen Flüssigkeitshaushalt, im Gegenteil: Er leistet für viele sogar einen wesentlichen Beitrag zur täglichen Wasseraufnahme. Sie können Ihren Kaffee also auch zum empfohlenen Tagesbedarf an Flüssigkeit hinzurechnen

Suchtmittel und Krebserreger?

Kaum ein Lebensmittel wurde in den vergangenen Jahren so intensiv erforscht wie der Kaffee. "Lange hieß es, Kaffee wäre krebserregend. Dabei werden oft Forschungsergebnisse falsch interpretiert", so Macher. So weiß man inzwischen auch, dass Kaffee nicht süchtig macht. Drogen sprechen im Gehirn das Belohnungssystem an: Die Nervenzellen schütten vermehrt den Botenstoff Dopamin aus, ein Hochgefühl entsteht. Koffein löst keinen solchen Ablauf aus. "Kaffee trinken ist allenfalls eine Gewohnheit, keine Sucht", sagt Macher. Durch den Gewöhnungseffekt, der sich bei Vieltrinkern einstellt, können beim Absetzen allerdings vorübergehend Symptome eintreten, die einem Entzug gleichen, etwa Kopfschmerzen oder Müdigkeit.

Persönliche Befindlichkeiten

Vor allem nach dem Essen gehört ein Kaffee für viele dazu. Dass Kaffee die Verdauung anregt, stimmt aber nicht unbedingt. "Diese Wirkung kann nicht bei jedem nachgewiesen werden. Jeder Mensch verträgt Kaffee unterschiedlich. So gibt es auch Menschen, die spätabends noch Kaffee trinken und dann gut schlafen können, während andere die ganze Nacht wach liegen." Also am besten einfach einmal ausprobieren und persönlich entscheiden, ob ein Kaffee nach dem Essen oder zur späten Stunde gut tut oder nicht. Bei Magenproblemen sollten Sie aber auf jeden Fall lieber Espresso trinken. Dadurch dass er länger geröstet wird, enthält er weniger Säure und durch den kürzeren Kontakt zwischen Wasser und Pulver bei der Zubereitung enthält Espresso weniger Gerbstoffe. Dadurch wird er deutlich bekömmlicher für den Magen als herkömmlicher Filterkaffee.

Schöne Haut und hässliche Zähne

Dass kalter Kaffee schön macht, gehört leider auch ins Reich der Märchen. Eine Theorie, wie es zu der Annahme kam: In der Barockzeit zählte blasse Schminke zu den Schönheitsidealen. Weil er nicht dampfte, blieb die Schminke unversehrt – kalter Kaffee machte also schön. Anstatt sich positiv auf das Erscheinungsbild auszuwirken, kann zu viel Kaffeekonsum stattdessen zu verfärbten Zähnen führen. "Diese Gefahr trifft aber auch jene, die gerne schwarzen Tee oder Rotwein trinken", weiß Macher. Die Oberfläche der Zähne weist mikroskopisch kleine Rauigkeiten in der Struktur auf. In diesen lagern sich alle möglichen Pigmente aus Nahrungsmitteln ein, so zum Beispiel auch der natürliche Farbstoff aus Kaffee. Wer also zu viel davon trinkt, muss damit rechnen, dass seine Zähne mit der Zeit eine leicht bräunlich-gelbe Farbe annehmen. "Daher ist es besonders wichtig, die Zähne gut zu pflegen", rät Macher.
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