10.05.2016, 09:41 Uhr

Finger weg von Jungvögeln! - Naturschutztipp des Naturschutzbundes Oberösterreich

Waldkauz © Heidi Kurz
Im Frühling trifft man häufig auf scheinbar hilfsbedürftige Vogelkinder, doch nicht jeder Piepmatz ist tatsächlich in Not.

Ist der Jungvogel bereits befiedert, handelt es sich um einen sogenannten Ästling. Junge Amseln und viele weitere Singvögel sowie Greifvögel und Eulen, wie der Waldkauz, durchleben diese Ästlingsphase - ein Zeitraum, in dem sie noch nicht voll flugfähig sind, aber sich bereits außerhalb ihres Nestes aufhalten. Unter Anleitung ihrer Eltern erkunden sie die Umgebung, trainieren ihre Flugfähigkeit und die eigenständige Nahrungssuche und werden - je nach Vogelart - noch einige Tage bis Wochen von den Altvögeln mit Futter versorgt und beschützt, weiß Heidi Kurz, Ornithologin des Naturschutzbundes Oberösterreich.

Die Zeit zwischen dem Verlassen des Nestes und dem Erlangen der Selbstständigkeit ist für Wildvögel die gefährlichste Phase ihres Lebens. Die Elterntiere müssen ihren Nachwuchs oft allein lassen, um nach Futter zu suchen. Währenddessen hüpfen die Ästlinge mehr oder weniger schutzlos umher. Mit lauten und für unsere Ohren oft herzzerreißenden Rufen, halten die Jungvögel mit ihren Eltern Kontakt. Diese locken allerdings auch so manchen hungrigen Fressfeind an. Der Naturschutzbund Oberösterreich rät daher, Unterschlupfmöglichkeiten wie beispielsweise Hecken oder Reisighaufen im Garten und in der Landschaft zu belassen oder neu zu schaffen. Dann bleiben die kleinen Schreihälse vor Katzen und anderen Beutegreifern meist unentdeckt.

Doch auch wir Menschen, die wir die vermeintlich verwaisten Tiere einsammeln, bringen sie in Lebensgefahr. Eine Handaufzucht ist schwierig, zeitintensiv und dennoch meist von keinem Erfolg gekrönt. Ein Eingreifen ist nur dann nötig, wenn sich die Jungvögel in der Nähe oder sogar auf einer Straße befinden oder anderen Gefahrenquellen ausgesetzt sind. Dann hilft es, sie in das nächste Gebüsch oder in einen niedrigen Baum in unmittelbarer Umgebung des Fundortes zu setzen. Die Altvögel finden ihre Jungen wieder und versorgen diese weiterhin.

Findet man ein noch nacktes Vogeljunges, sollte es vorsichtig in das Nest zurückgebracht werden. Im Gegensatz zu Säugetieren nehmen Vögel ihre Jungen weiterhin an, auch wenn sie vom Menschen angefasst wurden.
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